Status Quo 2 Wochen nach der Entlassung – Meine Erfahrungen mit dem LVR Düsseldorf Grafenberg – Psychiatrie Tagebuch

Ich bin jetzt fast schon 2 Wochen entlassen und die Erinnerung an meinen stationären Aufenthalt in der Psychiatrie wird immer grauer. Immer weiter rutscht er in die Tiefe der Vergessenheit, bis er mir selber gar nicht mehr richtig wahr vor kommt. War ich wirklich da? War diese verschobene Realität meine Wirklichkeit? Und passt es wirklich zu meinem Status Quo, einmal dort gewesen zu sein?

Nein, ich hadere nicht mit mir, die Artikel zum Psychiatrie Tagebuch auf meinem Blog zu lassen. Als das, was sie sind, sind sie perfekt. Und auf ihre eigene Weise, haben sie so etwas, wie einen ganz besonderen Moment gemalt, den ich nicht berühren, umstrukturieren oder verändern will, aus Angst seine Besonderheit zu zerstören. Denn so absurd meine Realität auch wahr, so sehr hatte sie ihre eigenen Regeln und hat ein Selbst in Meinung und Bild erschaffen, das es hier draußen in dem Sinne nicht mehr gibt. Ich bin gespannt, ob die Tagesklinik auch so einen Einfluss auf meine innere Wirklichkeit hat. Aber all das, was da in Grafenberg im LVR passiert ist, was ich geglaubt, ersehnt, gedacht habe, bleibt auch für immer nur da. Und ich war verloren im Raum der Wirklichkeiten. Hatte mich selber verloren. Und musste Stück für Stück mich selber wieder zusammenfügen. Das kann man jetzt nicht in diesen Artikeln sehen, denn sie sind erst in den letzten 2 Wochen meines Aufenthaltes da entstanden. Und so sehr „ver-rückt“, wie ich dort war, obwohl ich es auch wiederum nicht war, so sehr hat mir die Erfahrung auch ein Geschenk gemacht, und zwar das der Schreiberei. Denn dort habe ich angefangen, regelmäßig wieder in meinem Blog zu schreiben.

Ich bin jetzt knapp 2 Wochen draußen. Bin noch krank geschrieben. Und habe die Zeit genutzt, um viel an meinem Blog zu machen. Viel organisatorisches, viel Umstrukturierung, viel Technisches, viel Drumherum. Meine Psychiaterin fragte mich beim Aufsuchen Derselben noch, ob ich jetzt was machen würde oder nur rumlungerte. Als ich ihr sagte, dass ich viel an meinem Blog mache, sagte sie, das hätte sie auch nicht anders von mir erwartet. Sie weiß und hat es auch mal zu mir gesagt, wenn ich mal nicht mehr schreibe, dann muss man sich sorgen um mich machen, genauer hinschauen, da dann was nicht stimmt. Und so fragt sie mich bei jedem Termin, ob ich noch kreativ schreiben würde. Und bis jetzt tue ich das geflissentlich und voller Lust weiter. 🙂

Meine Erfahrungen mit dem LVR Düsseldorf

Ich wollte an dieser Stelle auch so etwas wie ein Resümee anbringen, über meinen stationären Aufenthalt in der Klinik in Grafenberg. Ist vielleicht für Leser in der Zukunft mal interessant. Sehr lobenswert möchte ich die Psychologin Fr. Oswald-Hohne erwähnen. Sie war für mich zuständig und hat sich echt viel Zeit für mich genommen. Als ich es in meiner akut Zeit brauchte, war ich einmal sogar 3 mal in der Woche bei ihr. Sie hatte immer die Tür offen und man merkt recht schnell, dass sie erfahren ist. Beim Stationsarzt meiner Station gab es einen Wechsel. Ein Assistenz Arzt übernahm die Station. Und leider gab es bei Visiten dann etlich lange Wartezeiten. Manchmal sogar an die 7 Stunden musste man auf ein Gespräch warten, da der Arzt sich echt Zeit für die Patienten nahm. Was an für sich sehr lobenswert ist, aber wenn man so lange warten muss, geht einem das schon mal auf die Nerven. Die Therapien waren gut. Trotz Corona kam ich recht schnell in die entsprechenden Gruppen und saß nicht nur rum, wie in der Anfangszeit.

Aber da hatte ich auch genug mit mir selber zu tun und meiner verschobenen Wahrnehmung. Es ist ja auch noch die Frage, was ich jetzt genau habe. Auf dem Entlassbrief stand was von schizo-affektiver Störung, die ich schon jahrelang habe. In meinem Aufenthalt habe ich dissoziiert und die Psychologin meinte, man müsse abwarten, ob alles verschwinden würde und nicht nur die Auswirkungen einer Psychose seien. Erst wenn alles sich beruhigt habe, dann könne man genau hinsehen und gucken, was ich habe. Also jetzt in Balde in der Tagesklinik. Auf meiner Überweisung zur Tagesklinik steht jetzt akute paranoide Schizophrenie. Was schon ein bisschen herb ist. Sehr mit Vorurteilen und Abneigungen meiner Person behangen. Aber was sagt eine Diagnose auch schon aus über den Menschen? Genau. Gar nichts. Sie beschreibt nur ein Krankheitsbild und nicht, wie jemand ist.

Aber zurück zum Thema. Das Essen fand ich sehr gut. Stellenweise sogar sehr lecker. Und es war immer warm. Das Frühstück war ausreichend und man konnte sich auch immer etwas nachnehmen. Einzig das Abendessen war immer etwas trostlos, wie ich fand. Einmal hat auch die Küche gestreikt und es gab so Lunchboxen und Essen im Alubehälter, was aber nicht weiter schlimm war. Es war zu verschmerzen.

Die Pfleger waren eigentlich alle hilfsbereit. Oft war jemand von anderen Stationen bei uns um auszuhelfen. Aber jeder hat sich auf eigene Weise Zeit für die Patienten genommen. War zu einem Gespräch bereit, hatte ein offenes Ohr. Bei fast keinem war zu merken, dass es eben nur ein Job ist, der nullachtfünfzig erledigt werden sollte. Ich habe die Pfleger als sehr menschlich erlebt. Kein so richtiger Abstand zu den Patienten, sondern auf einer Wellenlänge, einer Ebene. Nicht abwertend, sondern eben sehr menschlich, herzlich.

Zu den Patienten ist zu sagen, dass wir eine akut Station waren. Es kam jeder erst einmal zu uns und dann wurde weiter gesehen. Natürlich gab es ab und an welche, die sehr Abgetrieben waren oder auch offen aggressiv, herausfordernd, die hat man dann einfach in Ruhe gelassen, ging auf Abstand. Sonst waren alle sehr offen und gesprächswillig. Am Anfang machte noch jeder sein Ding für sich, dann wurde eine Station daraus, wo jeder jeden kannte. Aber das soll sich nach meiner Entlassung auch schon wieder geändert haben, wie ich im Telefonat erst gestern mit einer Patientin erfahren habe.

Und wo ich jetzt so über die Klinik und meine Erfahrungen damit schreibe, kommen auch alle Erinnerungen wieder hoch und werden präsent. Nicht mehr so grau und weit weg, wie zu Anfang des Artikels. Im groben und ganzen hat mein stationärer Aufenthalt mir sehr geholfen. Natürlich habe ich alles mit mir selber ausgemacht, waren es Schritte einer Entwicklung, die sich vollzogen hat. Aber hätte ich nicht so einen ruhigen Raum der Beschützheit gehabt, wäre das nicht so positiv möglich gewesen. An dieser Stelle will ich einfach mal Danke sagen. Danke, dass es Euch gibt, LVR. Dass ihr euch um die kümmert, die ausgegrenzt und abgetrieben, schräg angeguckt, ausgelacht, vielleicht auch beschimpft werden. Ihr seid wirklich nützlich. Und jüngst der Tage habe ich negatives über das LVR gehört. Das möchte ich mit meiner Erfahrung ins rechte Licht rücken. Ich kann von meiner Warte aus nichts Negatives sagen. Und würde es auch jedem weiterempfehlen. Danke fürs Folgen in den langen Worten. 🙂 Bis zum nächsten Artikel.

Author: Nismion LeVieth

Bruno T. Schelig alias Nismion LeVieth. Sag mir, wer ich bin und ich sage Dir, was Dein Denken Dir erlaubt. Male das Bild meiner Persönlichkeit und ich male Dir Deine Seele. Denn was Du in mir zu erkennen glaubst, ist das Spiegelbild Deiner Selbst. Meine Handlungen unterliegen nur Deinen Deutungen, Deinem Denken und dem halbblinden Augen des Betrachters, der mein Ich nur als sein Wesen akzeptieren kann.

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