Sie sollte bereuen. Jede Sünde, jede Lust, die sie in fleischlicher Vereinigung
ausgelebt hatte. Der befleckte Körper sollte gereinigt werde. Von Drogen, den
verwerflichen Gedanken. Jeder Verunreinigung, der sie in ihrem menschlichen
Leben erlegen war. So drückte er es charmant lächelnd aus. Er hatte den schwarzen
Anzug und den weißen Kragen abgelegt. Vor Schweiß triefend, glänzte sein
Oberkörper im matten Glanz einer einzigen Glühbirne, die über ihr an einer
Eisenkette hing.


Sie hatte sich nach vorne gebeugt, so weit es die Handschellen zu ließen, und ihm ins
Gesicht gespuckt. Lachend hatte sie sich auf die abgenutzte Matratze zurück fallen
lassen. Sie war in hellem Rosa gefärbt, mit dunklen Flecken, die noch nicht
getrocknet waren. Es war egal, was sie sagte. Das hatte sie begriffen, als sie die
flehentliche Stimme ihrer Freundin durch die Tür gehört hatte. Sie bereute und
bettelte. Das Letzte was sie hörte, waren ihre gurgelnden Schreie. Und nur kurze Zeit
später, schleifte dieser Mann sie hinüber in den Raum und sie sah die im Tode vor
Angst verzerrte Miene der Freundin. Dann war sie dran und wurde an die Matratze
gekettet.
Ja, und wie sie sich dabei wehrte. Tiefe Kratzer im Gesicht, die sich blutend über
seine ganze Wange zogen, würden ihn auch nach dieser Nacht noch an sie erinnern.
Es war sinnlos, das war ihr klar und doch stachelte es den Kampfgeist an und ließ sie
im Angesicht ihres sicheren Todes lachen. Denn es war nicht vorbei. Leider war es
das nicht.
Als seine Fäuste immer schneller in ihr Gesicht prallten, Schmerzen so stark in den
Körper schossen, dass alles Andere nur noch dumpf wurde, hielt sie sich daran fest.
Sie spürte die Knochen brechen. Die Sicht verschwamm als ihre Augen anschwollen.
Aber es war ihr egal. Sie hatte so lange gekämpft. Sich so lange dagegen gewehrt. Da
waren die Schmerzen, dieses Leid, vielleicht ein würdiger Preis?
Die Schläge hörten auf. Es dröhnte und rauschte in ihrem Kopf. Von der Umwelt
schien sie wie abgeschnitten zu sein, nichts mehr wollte den Weg in ihren Verstand
finden. Und so füllte er sich mit Erinnerungen, die eigentlich in so einem Moment
nichts verloren hatten. Aber sie verscheuchte sie nicht. Sie würden die Zeit
vertreiben, bis es so weit war.
Ihre Kindheit, die Schule, Freunde, Mutter und ihr Vater. Sie alle zogen vorbei. In
Gesichtern, in Momenten, in Gefühlen.
Ein Schnitt und ein brennender Schmerz am Bauch. Mit aller Kraft schüttelte sie sich
und konnte ihn wieder erkennen. Die schwarzen Kreuze auf der Brust, aber mehr
noch seine von Lust getränkten Augen und die in Vorfreude geschürzten Lippen. Er
hob das Messer und hielt es ihr vor das Gesicht. Leise platschend löste es sich von
der Spitze und landete auf ihrer Wange. Ihr Blut.
Es würde bald vorbei sein. Keine Schmerzen. Nie mehr. Die Ewigkeit in der Nacht
einer Hölle. Ein angemessener Preis, wenn es so anfing.
Sie trieb wieder davon. Sah die Gesichter aller Männer, die sie kennengelernt hatte.
Nicht eine große Liebe dabei und von den Meisten wusste sie nicht einmal mehr die
Namen.
Nur einer war anders gewesen. Sie traf immer die Schlimmsten, die Schläger, die
Machos. Und doch schien es damals anders gewesen zu sein. Er war elegant
gekleidet gewesen, gebildet und so falsch in dem Club. Wie aus einer anderen Zeit,
so schien es. Und er sah verdammt gut aus. Die Schlimmsten taten das immer. Wie
eine Warnung an die Frauen, die sie selber nie beherzigen konnte. Er war
zuvorkommend, hatte Manieren und schien sich für sie zu interessieren. Später
entdeckte sie, dass sie nur auf einen Weiteren hereingefallen war. Keinen Schläger,
aber nicht weniger gefährlich. Das ganze war jetzt ein Jahr her.
Nach dieser Nacht hatte sie sich geschworen, nie mehr Alkohol zu trinken. Nie mehr
einen Club zu besuchen. Sie hatte es durchgehalten. Denn wie sie bald merkte, durfte
sie das auch nicht mehr. Wenn sie normal leben wollte, schon gar nicht.
Bis zum Geburtstag ihrer Freundin hatte sie es aushalten können. Und nach ein paar
Gläsern Sekt, zog sie dann doch wieder mit los. Und es endete hier. Ihre Freundin tot
und sie auch bald.
Aber sie bereute nichts. Wenn es genauso laufen sollte, so war es nicht an ihr, zu
urteilen. Der Gedanke beruhigte sie, soweit das möglich war.
Es war bald so weit. Sie konnte es in sich spüren. Aber es müsste nicht soweit
kommen, wenn dieser Mann schneller war. Nur ob es etwas brachte, wusste sie nicht.
Er beugte sich herunter. Ganz auf ihr, lag er jetzt. Sein hechelnder Atem, der ihr ins
Gesicht wehte, die Anspannung, die abebbte. Fast sah er normal aus, nicht so wie der
Irrsinn, den er beherbergte. Von dem Blut mal abgesehen.
„Hat es Dir gefallen? Keine Angst, das war noch nicht alles. Gleich geht es weiter.
Für Dich habe ich etwas ganz Besonderes.“ Dann wälzte er sich von ihr herunter und
verschwand. Wohin war unwichtig. Denn es begann bereits.
Die Wunden heilten, die Knochen fügten sich neu zusammen und damit kamen auch
wieder die Schmerzen. Aber viel schlimmer brannte es in den Adern. Jede Faser
ihres Körpers hungerte, dürstete, forderte und wollte. Würde sie nachgeben, so wäre
es vorbei. Kein Mensch mehr, so hatte er es ihr damals gesagt. Aber auch kein
Vampir. Ein Mischling, wie er es nannte. Aber ebenso unsterblich. Und würde sie
nur einmal trinken, so gäbe es kein Zurück mehr.
Er kam wieder in den Raum und legte sich über sie. Die Nacht war hereingebrochen
und sie hatte sich verändert. Sie hörte nicht, was er sagte. Die Handschellen
zersprangen wie Nichts und alles was sie spürte, war sein warmes Blut, dass ihr
sprudelnd aus seiner Kehle entgegenfloß.
Nach dieser Nacht würde nichts mehr sein wie vorher. Sie hatte Angst davor und
doch fühlte sie diese neue Kraft, diese Freiheit. Sie blickte ohne Mitleid auf seinen
Leichnam. Er hatte einen schnellen Tod gehabt, aber nicht das, was er verdient hatte.
Fast zu traurig, aber nicht mehr zu ändern.
Es war vollbracht und es gab keinen Weg mehr zurück.

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The journey of an elf into our world and the search for the lost magic. A journey through heaven and hell. Through the exterior and interior. Through questions and answers, through high and low (format: PDF, size: 98 pages, language: english)

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Bruno Schelig

Schriftsteller, Schreiberling und kreative Seele. "Sag mir, wer ich bin und ich sage Dir, was Dein Denken Dir erlaubt. Male das Bild meiner Persönlichkeit und ich male Dir Deine Seele. Denn was Du in mir zu erkennen glaubst, ist das Spiegelbild Deiner Selbst. Meine Handlungen unterliegen nur Deinen Deutungen, Deinem Denken und dem halbblinden Augen des Betrachters, der mein Ich nur als sein Wesen akzeptieren kann."