Wir graben in der Erinnerung. Nach Liebe, nach Erfüllung, nach der Sehnsucht sogar erst. Die Gegenwart, der graue Alltag hat die Fähigkeit, uns nur zu monoton gefangen zu nehmen. Die Routine beherrscht uns und zurück bleibt ein Loch. Ein Etwas, groß oder auch klein, das uns vom Gefühl her zu fehlen scheint. So begeben wir uns auf die Suche. Unser Blick auf dem Weg über die Straße schwingt hin und her. Versucht in anderen Gesichtern zu lesen. Ein Etwas zu erblicken, dass auch uns ein Lächeln auf die Lippen schickt, damit der Aufschwung der Gefühle uns mit neuem Feuer erfüllt. Wir blicken des Abends zur dunklen Stunde oder auch in einsamer Minute zurück in die fast schon verblasste Vergangenheit. Gibt es da nicht etwas, das wir hätten anders machen können? Ist da nicht etwas, das unser Jetzt verändern könnte? Irgendetwas, dass die momentane Leere erklären könnte? Aber so viel wir auch finden mögen an schönen kleinen Fehlern, die Vergangenheit wird unsere Gegenwart so nicht ändern können.

Genau so wenig die Zukunft. Wir können hoffen und uns ersehnen. Aber die Zeiger einer Uhr nur eine Stunde später in der Vorstellung, wird uns nur Ungewissheit und Hoffnung versprechen. Wir können und werden niemals wissen, was kommen mag. Welcher Schicksalsschlag uns begegnen wird. Welchen Glücksgriff wir machen werden. Wir wissen es einfach vorher nicht. So können wir zwar vorplanen, der Mensch kann einfach nicht anders. Muss er einfach tun. Denn der Plan verspricht Sicherheit und ist ein Garant für den Verstand, dass alles so laufen wird, wie er es sich wünscht. Im Verstand und in der Vorstellung funktioniert das. Aber nicht in der Realität.

Wenn uns die Zukunft und die Vergangenheit nichts bringen, so bleibt uns nur die kleine Gegenwart. Die vorbeizieht in Sekunde und Moment. So schnell verblasst und schon wieder ist sie Vergangenheit. Wir geben unser Bestes, bringen Höchstleistung auf der Arbeit, hetzten von Termin zu Termin. Nur um den schönen Erwartungen gerecht zu werden. Die Andere an uns haben, aber schlimmer noch die hohe Messlatte an der wir uns selber messen. Denn man ist sich selber immer der schärfste Richter. Also sind wir auch in der Gegenwart verloren, die uns so nicht unterliegt. Wir können die kostbaren Momente und Sekunde sammeln und doch nur fliegen sie vorbei und werden so schnell zu einer Erinnerung. Minuten und Stunden als auch Sekunden, die uns nur zu versklaven scheinen.

Also können wir uns ganz von der Zeit lösen. Wir tun unser Möglichstes, versuchen das Beste an Leistung zu vollbringen und doch scheint es so nie ganz zu reichen. Es kommt immer anders als erwartet. Ein dickes Fell kann da helfen, die Sicherheit und das Wissen, dass man es besser nicht hätte machen können, wenn mal wieder ein Kritiker sich im scharfen Ton übt. Am Anfang und Ende sind wir einfach alle nur Menschen. Mit Schwächen und auch Fehlern. Kommen wir zurück zur Zeit. Wir können nichts halten, nichts verlangsamen oder stoppen. Und wir müssen dies auch nicht. Wir schwimmen mit dem Strom auf unser Schicksal vielleicht auch Bestimmung zu, wenn man gerne daran glauben will. Denn alles zu verleugnen wirft einen nur in das schwarze Loch der Leere, die Größeres verleugnen will. Wie das Floß auf dem Wasser werden wir hin und her geschleudert und versuchen nur zu verhindern, dass wir nicht versinken. Wir stoßen auf die scharfen Kanten des nächsten Hindernisses und schleifen uns unsere Ecken ab, bis wir in das Bild passen, dass wir von Anfang an sein sollten. Im Kleingeist glauben wir, dass wir alleine alles bestimmen und doch stehen wir vor der Ohnmacht der Einflüsse, die uns nur hin und her schicken. Etwas Gelassenheit und ab und zu doch der Blick in die Zeitzustände, denn das brauchen wir von Zeit zu Zeit einfach.

Es ist schön, sich etwas zu ersehnen. Sich etwas vorzustellen. Was wäre wenn oder wenn das so oder so passiert. Wer will jemandem denn so etwas nehmen? Denn mit allem gehen auch die Gefühle einher, die uns am Laufen halten und mit Feuer erfüllen, wenn uns die Trostlosigkeit einmal wieder gefangen halten will. So bringen uns die simplen Gedanken dieses Artikels doch nur so viel, als dass sie uns garantieren, dass wir zwar Sklaven der Zeit sind, sie aber auch für unsere Gedanken nutzen dürfen, um Sekunden wiederum mit ihnen zu füllen und etwas zu erwecken, dass eine reine Illusion ist. Denn nicht immer muss man sich der harten Realität unterwerfen. Die Träume sind das einzige Feuer, das geschürt von Hoffnung und Visionen, Unmögliches erwecken kann. Vergessen Sie das nicht, wenn die harte Realität mal wieder mit Ihnen spielt.


Bruno Schelig

Schriftsteller, Schreiberling und kreative Seele. "Sag mir, wer ich bin und ich sage Dir, was Dein Denken Dir erlaubt. Male das Bild meiner Persönlichkeit und ich male Dir Deine Seele. Denn was Du in mir zu erkennen glaubst, ist das Spiegelbild Deiner Selbst. Meine Handlungen unterliegen nur Deinen Deutungen, Deinem Denken und dem halbblinden Augen des Betrachters, der mein Ich nur als sein Wesen akzeptieren kann."