Er sprach von Verdammung, von der Dunkelheit und den Schatten, in denen wir uns
verstecken müssten. Er sprach von Leid, Trauer und Sehnsüchten, die dieser Fluch
mit sich brachte. Ich fragte ihn, wie lange er schon lebte. Über 200 Jahre, sagte er.
200 Jahre, in denen er die Menschen leben und sterben sah. Immer und immer
wieder.
Ich fragte ihn, was dazwischen gewesen sei.
„Das unbedeutende Aufbäumen vergänglicher Zeit,“ sagte er.
Ich wiederholte die Frage, stellte sie nur anders, da ich dachte, er habe sie nicht
verstanden. „Wann hast Du gelebt?“
„Vor Jahrhunderten, in einer anderen Zeit, die längst nur noch Vergangenheit ist,“
sagte er.
Es schien mir, als wiederhole er sich, nicht ich. Dann fragte ich ihn, wann er
gestorben sei. Er blickte mich verwundert an. Er verstand nicht, worauf ich hinaus
wollte. Warum ich ihn so sehr mit Fragen behelligt. Er wollte alleine sein. Alleine
mit seinen Gedanken und dem Schicksal.
„Mit 33 Jahren“, kam es von ihm.
Ich gab auf und stellte ihm keine Fragen mehr. Sinnlos und ohne Nutzen,
Ich ging aus. Eine Bezeichnung, die er nicht verstehen konnte. Ich amüsierte mich in
Clubs, besuchte so einige Discos und ließ mich vom Leben um mich herum so sehr
umspülen, bis es auch mich ansteckte. Und wie so viele Andere auch, nahm ich
jemanden mit.
Eine junge Frau. Unschuldig zwar, naiv im Glauben an einen Traum, aber so sehr
bezaubernd. Ihr schien einfach nichts etwas anhaben zu können. Keine Sorgen, keine
Zweifel. Sie lebte einfach. Und sie schaffte es, mich zum Lachen zu bringen. Etwas,
dass ich wirklich sehr dringend brauchte.
Ihre Küsse? Zu schmerzhaft, um daran zu denken. Denn sie berührten etwas in mir,
das ich schon zu Lebzeiten gesucht hatte. Nun aber hielt ich es an meiner Hand.
Führte es durch die dunklen Gassen, vor denen sie keine Angst mehr zu haben
brauchte. Niemals mehr. Denn ich war an ihrer Seite und würde es dem Teufel selber
nicht gestatten, sie auch nur zu berühren.
Er, mein Erschaffer, bestrafte mich mit seinem Blick, als ich sie ihm vorstellte. Und
dann tat ich es. Genau vor ihm, so dass er es nicht überhören konnte. Ich sagte ihr,
was wir waren. Sie lachte einfach nur und ließ es sich trotzdem nicht nehmen, mir
erneut um den Hals zu fallen und meine Lippen für nur einige Sekunden zu
verschließen.
Ich hätte es sehen müssen, erkennen, was meine simple Tat provoziert hatte. Aber
ich tat es nicht.
Er brach ihr das Genick.
Und nun liegt nur noch ihre leblose Hülle am Boden. Ohne dieses Feuer, das ich für
einen Abend berühren durfte.
Mein Erschaffer? Er liegt daneben. Ohne Körper, nur noch als Asche, in der Mitte
der Holzpflock, der ihm das Leben nahm.
Warum ich es getan habe? Ich würde gerne sagen, wegen ihr. Aber das stimmt nicht.
In Wahrheit habe ich ihn nicht getötet. Er war schon tot. Seit zweihundert Jahren. Er
hatte sich von Allem zurückgezogen, gegen jedes Leben gesperrt und vernichtete
jeden Gedanken, der etwas Anderes beweisen konnte. Er hätte es nicht verstanden.
Nicht mit Worten.
Ich war erst seit Kurzem ein Vampir. Aber ich würde es nicht glauben, nicht so
einfach akzeptieren. Ich habe die Ewigkeit. Zwar an die Nacht gekettet, aber doch
unbegrenzt. Nur weil ich nicht mehr lebe, mich verstecken und einer ewigen
Verdammung folgen? Er sprach von Fluch, aber ich sehe es als Gabe.
Mit meinen Fingern fahre ich durch die Asche. Sanft rieselnd senkt sie sich wieder
auf den Boden. Es tut mir nicht Leid. Mit jedem seiner Atemzüge hat er doch darum
gebeten.
Ich wende mich ihr wieder zu. Selbst so, sieht sie noch umwerfend aus.
Sie schlägt die Augen auf und lächelt. Natürlich habe ich sie nicht seiner Willkür
überlassen. Dafür war sie mir zu wichtig. Etwas von meinem Blut in ihrem Drink
und nun erhebt sie sich wieder.
Ich blicke tief in ihre Augen, suche und erforsche. Dabei muss ich gar nicht so genau
hinsehen. Es sprüht aus ihr heraus, umhüllt sie wie eine Aura. Lebensfreude, pure
Energie und ein nie versiegender Kern an Glück.
Ich helfe ihr auf. Kein Grund mehr hier zu bleiben.
Die Ewigkeit erwartet uns beide, voll des Lebens und mit einer Hoffnung, die er mir
nehmen wollte.

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Bruno Schelig

Schriftsteller, Schreiberling und kreative Seele. "Sag mir, wer ich bin und ich sage Dir, was Dein Denken Dir erlaubt. Male das Bild meiner Persönlichkeit und ich male Dir Deine Seele. Denn was Du in mir zu erkennen glaubst, ist das Spiegelbild Deiner Selbst. Meine Handlungen unterliegen nur Deinen Deutungen, Deinem Denken und dem halbblinden Augen des Betrachters, der mein Ich nur als sein Wesen akzeptieren kann."

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