Vampire, die auf eine Macht zugreifen können, die ebenso formlos und allgegenwärtig ist, wie die Ewigkeit selbst? Eine Macht, die wir im innersten Selbst spüren können, wenn wir es nur streifen. Es berührt unser Innerstes, ist der eisige Atem des Todes, der es als Einziges vermag, das wirkliche Frösteln zu lernen, das über einer Oberfläche begonnen, … sich niemals abschütteln lässt. Wir spüren und erahnen ein Mehr, eine Präsenz, die mit unserem Sein, unserer ganzen Existenz als solches verknüpft zu sein scheint. Wie unsere Seele das Leuchten vermag, so viel mehr fürchtet sie das Eine, das sie niemals erklären kann und mehr als eine simple Erscheinung ist, wenn es als Macht genutzt wird: Die Schatten

Die Schatten als Macht

Es gibt die Schatten seit Anbeginn der Zeit. Mit der Entstehung des Lichtes, so wurden sie ebenso geboren. Und als mahnender Zeiger der Dunkelheit fast, die uns immer umgibt, ist sie der ewige Begleiter. Das Licht, als ureigenste Form, vermag das Größte in uns hervorzubringen, uns zu unmöglichen zu befähigen. Aber die Schatten, als dualer Gegensatz, müssen eine ebenso große Macht und Wissen besitzen. Die Menschen fürchten, was sie nicht verstehen. Sie meiden, was Angst in ihnen schürt. Den Horizont umstößt und etwas erahnen lässt, das mehr als nur ein Gefühl sein könnte? Die Schatten als Macht, als ureigenste Präsenz, die sich benutzen lässt?
Schattendämonen sind uns geläufig, Schattenmagier ebenso. Aber was ist mit der Existenz, die der Dunkelheit fristend, niemals das Licht erblicken darf ? Eine Macht, die Dualität der Ewigkeit in Persona auslebt? Müsste es nicht an ihr mehr als an allen Anderen sein, die die Schatten wie kein Weiterer zu beherrschen lernt? Sei es als Quelle der Macht, als auch Wissen einer Ewigkeit, dem sich der menschliche Geist nur verschließen kann?
Ein Umstand, der nun sagen wir, uns in egal welcher Mythologie einfach nicht begegnet. Ist gerade das aber nicht seltsam? Widmet man sich Mythen und Legenden, so findet man unendlich viel. In egal welcher Variante wird es ausgespuckt und in Farben so prächtig gemalt, dass es das Auge des Suchenden nur noch abschreckt. Aber gibt es etwas, bei dem gerade das nicht passiert, ja was dann? Nähern wir uns dann einer Wahrheit? Diese Überlegung überlasse ich Ihnen.

Die Schattenvampire

Es gibt zwei Quellen, die es dennoch wagen, diesen Zusammenhang anzustellen.
Des ersten geschieht dies in der Spielreihe Bloodrayne, die in Deutschland auf dem Index steht und deswegen hier nie erschienen ist. Drei kleine Einblicke im Folgenden:

Die zweite Quelle, ist die Saga „Schattengeschlechter“ aus meiner ureigenen Feder. Ich gebe Ihnen direkt einmal wieder einen Auszug, da es mir nun mal möglich ist (aus Band eins):
[…]“Sie bemerkte, dass der Schatten des Schornsteins sich bewegte. Er fing an zu wabbern und Schlieren zu werfen, als würde er flüssig. Mit einem Mal schossen schwarze Strahlen daraus hervor und umfingen ihre Hände. Ihr Verstand sagte ihr, dass sie weglaufen sollte. Doch das in ihr, das Übernatürlich, hielt sie an ihrem Platz. Die Schatten wanden sich um ihre Arme nach oben bis zu den Augen und tauchten mit einem Ruck dort ein. Sie wurde nach hinten geschmissen und verlor kurz die Orientierung. Es brannte in ihrem Körper, sie wand sich, schlug um sich, kratzte sich und dann hörte es auf einmal auf.
Langsam richtete sie sich wieder auf und blickte an sich herunter. Es war alles wie vorher. Nur ihre Hände. … Die Nägel waren tiefschwarz geworden und auf den Innenflächen zogen sich schwarze Linien, die den Adern folgten. Sie gingen den Arm entlang bis hoch zum Ellenbogen. Es sah aus, wie tätowiert. Überall schwarze sanfte Linien, die jetzt zur Haut gehörten. Sie wischte sich darüber, aber natürlich verschwanden sie nicht.
Und erst jetzt bemerkte sie, dass sich ihre Wahrnehmung verändert hatte. Alles wirkte etwas matter, dunkler, wie abgeschwächt. Und doch sah sie pulsierendes Leben in grellen Farben. Sie konnte den Schläger von hier aus sehen. Erkannte den Takt seines Herzens, die sich öffnen und schließenden Adern im Körper, so wie den glitzernden Schweiß auf seiner Haut. Sie sprang vom Dach und landete auf der Straße. Sanft, kein Aufprall, so wie sie es gewohnt war. Die Straße war kurz zu einer schwarzen Fläche geworden, die ihren Körper begrüßte.
Also von dem hier hatte Arah nichts erzählt.
Sie hörte es hinter sich Quietschen, viel zu laut, fuhr herum und bereitete sich innerlich auf den Aufprall und die Schmerzen vor. Der Audi rauschte in sie hinein, sie wartete auf die Wucht des Ansturms, … doch nichts geschah. Die Front des Audis beulte sich ein, die Frontscheibe brach und der Fahrer wurde in das Lenkrad gedrückt. Der Wagen war gestoppt worden, ohne dass er sie überhaupt berührte. Er war mit etwas zusammengestoßen. Mit schwarzen Schlieren, die sie nun umgaben. Sie versuchte etwas. Sie stellte sich ein Bild vor und … es passierte. Das Auto wurde angehoben, die Schatten, die nun aus ihr und um sie herum zu kommen schienen, umspülten den Wagen. Und dann warfen sie ihn in die Luft, als wäre er nichts. Sie betrachtete ihre Hände, sah wie die schwarze Masse sich zurückzog, in ihren Adern verschwand und nur noch diese Tätowierungen zu sehen waren.
Sie erblickte sich im Fenster gegenüber, das nur schwach das Mondlicht reflektierte. Aber für sie reichte es, um alles zu erkennen. Ihre Augen waren tiefschwarz geworden, das Blond der Haare war ebenfalls verschwunden, nur die feuerroten Lippen, blinkten wie eh und je. Bei genauerer Betrachtung entdeckte sie diese hauchfeinen dünnen Linien auch um die Züger ihrer Augen. Aber der Anblick erschreckte sie nicht. Irgendwie gefiel ihr, was sie sah. „Die Schatten beherrschen“, hatte Arah gesagt. Sah das dann so aus?
Sie hatte den Typen nicht vergessen. Er hatte sich mittlerweile beruhigt und den Eingang verlassen in dem er sich versteckte. Er ging mit Gelassenheit und neu gefundenem Selbstvertrauen die Straße entlang. Im Geiste sah er sich schon ein neues Opfer suchen. Und Lucy griff auf die neuen Fähigkeiten zu. Sie machte es nicht bewusst, es lief wie von selbst.
Die Schatten um den Schläger verdichteten sich, folgten und verschluckten ihn schließlich. Sie trugen ihn in einen Raum ohne Licht, ohne Leben. In die Schatten selber. Und Lucy folgte ihnen. Der Typ wimmerte, sah sich einer Dunkelheit ohne Ausweg gegenüber. Hilflos, ohne Feind, ohne Ziel zur Gegenwehr. Herausgerissen aus dem Leben, der bekannten Dimension in eine eiskalte Schwärze. Als er Lucy auftauchen sah, bettelte er um den Tod. Er wollte die Erlösung um zu vergessen, was ihn berührt und was er hier gesehen hatte. Das Nichts, die pure Nichtexistenz. Lucy zögerte nicht eine Sekunde. Sie riss ihm das Herz aus der Brust und die Schatten glitten in den Körper. Sie verzehrten ihn von innen heraus und lösten jegliche Spur seines Lebens. Es blieb nichts übrig. Kein Tropfen Blut, überhaupt nichts erinnerte daran, dass er jemals hier gewesen war. Doch Lucy spürte, dass sein Leben nicht verloren gegangen war.
Sie war eine Verbindung mit den Schatten eingegangen. Sie gab ihnen Opfer und die Schatten nährten ihren Körper. Ein Zusammenspiel der Kräfte und des gleichen Hungers. Sie glitt wieder hinaus, betrat die normale Welt und stand wieder auf der Straße.
Es wurde Zeit, Arah zu suchen. Sie musste ihr so einiges erklären. Lucy wusste sehr genau, dass Arah das hier mit keiner Silbe erwähnt hatte. Vielleicht wusste sie es überhaupt nicht? Auf jeden Fall hatte sie nicht solche Spuren am Körper, das wäre Lucy definitiv aufgefallen. Was war hier passiert?
Diesmal hatte sie keine Angst davor in die Schatten zu springen. Ein Stück weit gaben sie ihr jetzt Schutz. Denn jetzt waren sie mit ihr tief verbunden.“ […]

Und dann noch etwas in der Praxis:

[…]“Sie wimmerte, ließ sich an der Wand hinuntergleiten und rollte sich auf dem Boden zusammen. Sie ließ ein ächzendes „Bitte nicht“ erklingen. Sie wusste, dass die Typen die Blutspur an der Wand sehen konnten und sie als geschlagen betrachteten- Doch sie hatte etwas Anderes gesehen. Etwas, das ihr in einer Sekunde die Macht gab, sie zu vernichten.
Ein triumphierender Gegner gab sich preis. Sie hatte keine Ahnung, woher sie das wusste. Und doch tauchte es in ihrem Verstand auf, als hätten die Schatten es ihr geflüstert. Vielleicht war es auch so? War dort nicht nur Macht und Kraft zu finden, sondern auch Wissen? Sie schob den Gedanken bei Seite, darum musste sie sich später kümmern. Sie musste erst einmal erfahren, wer sie überhaupt angriff und warum. „Was“, sie schluchzte, „was wollt Ihr? Was seid Ihr? … Bitte …“, ein schmerzerfülltes Stöhnen erklang aus ihrer Kehle. Wie aus dem Nichts, tauchten die Typen auf. Sie lachten beide. Der Pferdeschwanz sagt: „Luna Lupus. Du bist nicht sehr gebildet, oder? Kleiner Vampir, der mit den Großen spielen will.“ Er trat sie in die Seite. Diesmal fiel es Lucy um einiges schwerer, sich unter Kontrolle zu halten.
„Hört auf zu spielen. Sermon, Athriel, bringt es zu Ende. Auf der Stelle, wenn ich bitten darf.“ Die scharfe Stimme von Anthana schnitt in den Raum. Die beiden zuckten zusammen. „Sofort und mit Vergnügen“, antwortete wieder der Pferdeschwanz. Sie war denen anscheinend vorgesetzt, in der Befehlskette höher, so wie es aussah. Und dann fing es an.
Zuerst beim Pferdeschwanz. Der Körper verformte sich, die Knochen brachen, das Fleisch riss auf und wuchs auch wieder zusammen. Er wurde größer und größer, gut an die zwei Meter. Das Gesicht verformte sich, die Kochen stellten eine neue Form dar. Als sich eine Schnauze mit rasiermesserscharfen Zähnen bildete, die Augen gelb wurden, da wusste auch Lucy, was sie vor sich hatte. Keine Menschen mit Magie. Werwölfe.
Jetzt wollte sie nicht mehr warten, wollte nicht mehr wissen, was passieren würde, wenn sie sich ganz verwandelt hätten. Sie waren vorher schon verdammt schnell und stark gewesen. Was würden sie in ein paar Minuten sein? Lucy erhob sich und schmiss sich in die Ecke. Ein kleiner Schatten, klitzeklein am Rande eines toten Körpers. Sie könnte entfliehen, egal wohin sie wollte.
Aber das war nicht ihr Ziel. Sie tauchte nicht einmal einen Meter weiter wieder auf. Direkt neben Stromkabeln, die in ein unscheinbares Kästchen liefen. Sie brauchte keine übernatürliche Kraft, um es zu zerstören. Die Lichter erloschen und es wurde finster im Club. Nicht für sie, denn sie konnte sehen. Und ganz sicher konnten es die Werwölfe auch. Doch jetzt standen sie in tiefer Dunkelheit, in einem einzigen Schatten.
Lucy gab es frei. Sie beschwor die Macht und ließ etwas um sie entstehen, was sie nicht sehen konnten. Der riesige Wolf heulte auf, der andere fletschte die Zähne und knurrte. Diesmal lachte Lucy. „Sag mir Wölfchen. Seid Ihr Kreaturen der Schatten? Wenn nicht, dann winselt doch Ihr mal für mich.“ Die Reaktion war enttäuschend. Die Wölfe schienen es nicht zu verstehen. Nun ja, wahrscheinlich waren sie jetzt Tiere. Angespornt von Instinkten und niederen Gelüsten. Sie sanken hernieder, spannten die Muskeln an und schnellten in die Höhe.
Lucy ließ sie in der Luft hängen. Es gab keine Luft, keine Bewegung und keine Kraft, wenn sie es nicht wollte. Dieses hier, war ihr Reich. Sie ging um die Kreaturen herum, betrachtete sie genau. Es gab keinen Unterschied zu echten Wölfen. Abgesehen von der riesigen Größe und den gelben Augen. Ein Stück weit, faszinierte es sie. Dann gab sie sie frei. Wie auch vorher schon beim Schläger, war eine Minute später, nichts mehr übrig, das an sie erinnerte. Nur Lucy spürte, wie neue Kraft sie durchströmte, von innen heraus erfüllte. Sie verließ die Schatten und der Raum kam in ihre Wahrnehmung zurück.„[…]

Die Schatten als nutzbare Macht der Meistervampire

In meiner Saga, ist die Macht der Schatten etwas, das nicht jedem Vampir gestattet wird. Sicher ist sie immer da und auch nutzbar. Aber eben nur einer aus der Blutlinie Kains, der es vermag diese Kraft im seinem übernatürlichen Blut zu erwecken, den „ereilt“ sie auch, verändert und lässt mächtiger als jemals zurück. Ich will nicht weiter spoilern, aber gibt es der Saga nach eine Macht, die auf den Ursprung der Vampire zurück geht. Auf Kain selbst, der die verschiedenen Meisterfähigkeiten inne hatte. Und seine Wiederauferstehung wird durch das Auftauchen der Meisterfähigkeiten in seiner Nachkommen angekündigt. Alles Weitere, überlasse ich gerne Ihrer Vorstellungskraft.

Und vielleicht ist das des Rätsels Lösung? Schattenvampire haben ebenso alles im Blute, in sich selbst vereint, wie wir Menschen eben auch. Und dennoch, trotz einer Seele, können wir nicht zu Engeln werden, nicht in den Himmel aufsteigen oder was auch immer der Macht des Lichtes unterliegt?

Als Ende gebe ich Ihnen noch ein Lyric, das meine Saga ankündigt, die Deutung, das Verstehen, überlasse ich wie immer rein Ihnen:

Ein Schwarz, ein Dunkel,
ohne Existenz, bar jeder Form.
Der Ursprung von Macht und Wissen,
die Quelle einer Ewigkeit.

Allgegenwärtig in Zeit und Traum,
auf den Spuren des Lebens dieser Welt.
Lügen, Thesen und Glaube,
geboren aus dem Dunkel,
beleuchtet in brennender Rede,
wird nicht wahr,
sondern birgt nur die wahre Täuschung.

Ein Geschlecht,
geboren aus dem Nichts,
gezogen in die Weiten des Schicksales,
fesselt und bindet in den Worten einer Kunst,
die unscheinbare Seele
und zieht hinab in das Grell der Wahrheit.

Nichts muss, aber alles kann.
Denn wie die Lüge einem Zwecke dient,
so beleuchtet die Wahrheit nur ihre Pfade.
Gib Acht, pass auf,
Du glaubst und weißt,
Du begreifst und verstehst,
in Wahrheit doch niemals Alles.

Erwacht im Nirgendwo,
Gelebt im Nimmermehr,
Gekettet ans Niemals,
sind sie doch ewiglich.

Tritt ein und heiße sie willkommen,
Deine Begleiter im Brennen der Sonne,
Deine Verfolger ohne Gestalt.
Es sind die Schatten, die Dich umkreisen
Und ihre Geschlechter, die in Ewigkeit nur gebaren.

Categories: Schatten

Bruno Schelig

Schriftsteller, Schreiberling und kreative Seele. "Sag mir, wer ich bin und ich sage Dir, was Dein Denken Dir erlaubt. Male das Bild meiner Persönlichkeit und ich male Dir Deine Seele. Denn was Du in mir zu erkennen glaubst, ist das Spiegelbild Deiner Selbst. Meine Handlungen unterliegen nur Deinen Deutungen, Deinem Denken und dem halbblinden Augen des Betrachters, der mein Ich nur als sein Wesen akzeptieren kann."