Die Auserwählte

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Die drei Frauen standen am Hügel und blickten hinunter. „Ich kann es spüren. Wie das Zentrum einer Sonne. Es pulsiert, es glitzert, es berührt und ruft mich innerlich. Merkt ihr das?“ Unterbrach Nancy voller Aufregung das schweigende Betrachten. Alvira und Clarisse schüttelten nur den Kopf. Beide sahen nur einen Fremdkörper aus Stein in diesem eigenen Paradies. „Es ist einfach überwältigend. Als wenn man Licht nicht sehen, aber seine weiße Reinheit spüren könnte.“ Noch immer begeistert, aber fast verzweifelt, da die Beiden es nicht wahrnahmen, fuhr Nancy fort. „Es gibt keine Worte für so eine magische Reinheit. Der Urball jeder Energie, das Feuer ohne Flammen.“ „Das dort unten ist Dein Ort. Ein Ort der Initiation von magischen Wesen. Dort unten wirst Du alles erfahren, ob Du es willst oder nicht. Alle Erkenntnis, die für die Last Deiner Macht von Nöten sein wird, wirst Du alleine dort finden. Und ebenso weißt nur Du, was getan werden muss,“ versuchte Alvira es ihr zu erklären. Nancy schien zu verstehen. Das Puzzle zu begreifen, das im Legen selber erst das ganze Bild formte. „Den einzigen Hinweis, den ich Dir geben kann, sind die 70 Zeichen des Ursprungs. Die 70 Worte der Reinheit, des Alles und des Nichts, der Wesen eines jeden Gottes. Mit Ihnen kommst auch Du jeder Wahrheit näher, bis Du alles verstanden hast und die Magie über die Natur der Dinge erhälst.“ Versuchte Alvira es weiter. Ach das, schien Nancy zu begreifen. Was sie zu tun hatte, was geschehen würde, war bereits in ihrem Innern als Wissen vergraben. Alvira war nur der Mittler gewesen, der sie zum Ort ihrer Erfüllung brachte. Nancy machte sich auf den Weg hinunter zum Kreis der Steine. „Eine Warnung gibt es noch.“ Rief Alvira ihr nach. „Die Zeit dort unten unterliegt anderen Regeln. Vergiss das nicht.“ Nancy nickte und ging ihren eigenen Weg weiter. „Was wird dort unten passieren?“ Fragte Clarisse nun Alvira, während sie ihren Weg dort runter beobachteten. Alvira blickte sie einen Moment an. Sie suchte nach Worten, um es beschreiben zu können. „Sie wird das Wissen um Alles erhalten. Frei von jeder Zeit und menschlichen Ordnung. Den Quell hinter allem erblicken. Und es wird sie so sehr verändern, dass sie dadurch Macht über die Natur der Dinge erhält. Die Magie, anders ausgedrückt.“ Clarisse nickte, aber sie verstand es im Grunde nicht wirklich. Das konnte Alvira sehr genau in ihr lesen. Es war auch fast unmöglich, diesen Vorgang in Worten zu beschreiben. Was wirklich geschah, geschehen würde, diese Erfahrung würde alleine Nancy offen stehen. In den Archiven des Elfenreiches stand darüber nur sehr wenig.

Nancy blickte sich nicht mehr nach den beiden Frauen um. Sie folgte nur dem inneren Gefühl, dieses weißen reinen lichtes. Alle Qual, alles Leid der vergangenen Jahrzehnte schien vergessen. Viel mehr noch, war es ein entbehrlicher Preis, um alleine die Existenz dieses Lichtes erfahren zu dürfen. Hungrig, durstig. Eine Seele am Meer der Ewigkeit. Tausend Eindrücke, Ahnungen, Gedanken und Empfindungen, strömten auf dem Weg zu diesem Kreislauf auf sie ein. Alles um sie herum war unwichtig, unbedeutend und nichtig. Alleine die Quelle des Lichtes schien zu zählen. Sie erreichte den Steinkreis und berührte zaghaft einen der Steine. Das Licht wurde immer stärker und stärker und dann mit einem Mal, war es weg. Und sie stand in Mitten des Zentrums dieses Kreises. Um sie herum ragten die mächtigen Steine in die Höhe. Über ihr war ein Nachthimmel voll unzähliger blinkender Punkte. Unzählige Sterne und doch war es keine zufällige Auswahl, die sie dort erblickte. Die Zahl 70, die Alvira ihr eben genannt hatte, kam ihr wieder in den Sinn. Aber sie musste es nicht verstehen. Diese Reise würde ihr alles erklären, das begriff sie bereits. Am Boden vor ihr befand sich weißer, kristallig glänzender Sand. Eine ebene, glatte Oberfläche, die nur all zu deutlich zeigte, dass zwar Natur und doch mit höherem Zweck. Und Nancy wusste, was sie zu tun hatte. Ein Zeichen blitzte vor ihrem inneren Auge auf. Sie malte dieses nun in den weißen Sand. Das erste Zeichen der Ewigkeit, das ebenso auch ein Wort war. Und sogleich leuchtete der Kreis auf und verschwand dann einfach. Aber falsch. Nein, sie betrachtete es nicht richtig. Die Umgebung verschwamm in einem Strudel der magischen Lichter und Farben. Sie reiste durch einen Tunnel in ein Meer der Sterne. Etliche Minuten, obwohl die Zeit hier nichts zu bedeuten schien. Dann endete es abrupt und sie befand sich wieder in einem Steinkreis. Über sich der Nachthimmel, vor sich der weiße Sand. Aber etwas hatte sich verändert. Sie. Es war, als wäre die Reise gerade, anders als materielle Bewegung gewesen. Denn sie verstand mit einem Mal etwas. „Die Schöpfung, alles Sein, war nur ein Gedanke. Und in diesem Gedanken erschuf sie sich selber. Ohne Denken, keine Existenz, kein Sein, kein Wesen, kein Funke. Sich selbst gebärende Schöpfung im immer währenden Kreislauf.“ Noch verstand sie den Sinn nicht, aber sie wusste, dass es Wahrheit war. „Gedanke“, war das erste Wort in einer fremden Sprache, die nur ein Zeichen dafür brauchte. Das nächste Zeichen bildete sich in ihrem Innern und auch dies malte sie in den reinen Sand. Erneut eine Reise durch das All des Nirgendwo. Und das nächste Wort zeigte sich ihr. „Vom Gedanken zum Wort. Vom Fühlen zum Sprechen. Vom Sprechen zum Schreiben. Es begann mit dem Wort und wird mit ihm auch enden. Der Gedanke, der sich schafft und in Neugeburt im Wort alleine fest und in Materie geboren und erschaffen wird. Am Anfang war das Wort.“ Das Verstehen dieses Wissens, das sich ihr da auftat, war mehr als nur eine Lektion. Es war, als würde sie die Natur der Dinge vom Ursprung neu lernen. Alles, was sie einst wusste, war nun bedeutungslos. Denn es würde neu strukturiert, aufgebaut und ebenso nichtig werden. Zwischen dem, was sie nun erfahren würde, würde alle menschliche Existenz vorher einfach vergehen. So, wie der Schatten im Angesicht seines Lichtes. Sie war bereit dazu. Bereit, zu wissen, zu erfahren, zu begreifen und zu verstehen. Und wie dem Durstenden, so reichte ihr auch nicht ein Schluck alleine. Nein, sie wollte mehr davon. Viel mehr.


Die Reise in eine Ewigkeit

Schriftzeichen um Schriftzeichen offenbarte sich ihr. Wort um Wort. Wissen um Wissen. Immer tiefer tauchte sie in Geheimnisse ein, die sie vorher nicht einmal erahnt hatte. Eine eigene Welt des Verstehens, des Begreifens, eröffnete sich ihr. Und mehr und mehr begriff sie, wie kleinlich und blind ihre Existenz vorher gewesen war. Vision um Vision spielte sich vor ihrem geistigen Auge ab und wie von selbst, fügte ihr Inneres ein Puzzle daraus zusammen, dass die Bahnen und Hintergründe der Wirklichkeit erklärte. Sie sah einen schwarzen Raum. Aber falsch, es war kein Raum. Es war einfach das Nichts, das selber nicht existierte und in dem ebenso nichts aus Form, Gestalt oder Energie bestand. Das Nichts war am Anfang und doch war es auch nicht da. Denn es konnte nicht sein, da es nichts war. Dann ein erster Funke, der wie in Kettenreaktion seines gleichen neu gebar. Ein Funke erzeugte nun Licht. Unterschied zwischen Dunkelheit und Licht. Zwischen Schwarz und Weiß. Der Funke, er glühte und erschuf Energie. Den Gebrauch von ihr, als ihren Zerfall und den ersten Hauch an Bewegung. Tod und Leben. Nichts und Sein, nebeneinander in der Sekunde der Geburt eines Universums. Im Leuchten selber erschuf sich die Energie und grenzte sich ab vom Nichtsein. Doch sie war erst der Anfang. Eine Idee, eine Intelligenz, die entschied, vorstellte und gleichermaßen erschuf als auch gebar. Sie war das erste Glied, das Planeten und Sein von nun an ermöglichte. Und in dem es das tat, erschuf es sich zeitgleich auch selber. Die Urmacht, der Urgott, die Präsenz und Allmacht vor jedem Leben und Sein. So wurde nicht ein Gott geboren oder erschaffen, er formte sich rein selber. Und in dem seine Schöpfung wuchs, die Evolution ihr Werk tat, erschuf er sich durch ihr Leben, ihren ewigen Kreislauf immer und immer wieder auch selber. Nancy sah in ihrer Vision das Gesamtbild und war sprachlos anhand dieser Größe, dieser Macht. Unendliche Planeten, die in Sonnensystemen ihren eigenen Pfaden folgten. Aus Tag und Nacht, aus Tod und Geburt, aus Sterben und Wiedergeburt. Hier starb ein Universum, dort wurde ein Neues geboren. Immer und immer wieder. Nie war etwas verloren, es bekam Sinn und Grund im Laufe der Zeit. Millionen von Seelen, Millionen von Rassen, von Evolution und Entwicklung. Alle geboren zeitgleich mit dem Ursprung des Lebens. Ein Funke, unscheinbar, übersehen, der von nun an auch in jedem Lebewesen sich fand. Die Seele. Was für ein Geschenk? Was für eine göttliche Verbindung? Nancy durfte das Gesamtbild sehen und kam sich dabei so winzig, nichtig und fast belanglos vor. Im Puzzle des Ganzen war sie nur ein kleiner Teil, der im Gesamtbild nicht mal zu erahnen war.

Wie blind war sie vorher nur gewesen? Wie kleingeistig und winzig? Alles bekam von selber seinen Sinn und hatte ihn bereits schon alleine in seiner Existenz. Kein Fortschritt, keine Wissenschaft konnte beantworten, was Grund und Sinn bereits seit abermillionen Jahren hatte. Wer von Außen versuchte zu verstehen, würde niemals ins Innere vorstoßen können. Nancy musste weinen und lachen gleichzeitig. Wollte tanzen vor Lebensfreude und in Demut vor solcher Größe zu Boden fallen. Unendliche Seelen, die ganze Schöpfung in den verschiedensten Planeten, sie alle waren verbunden und obwohl getrennt, waren sie doch nur eins. Ein Teil dessen, das sie erschaffen hatte. Und das Geheimnis dahinter, die Offenbarung, die Nancy nun begriff, ging noch viel tiefer. Nicht sie wurden erschaffen. Sie hatten sich selber geboren. Und im Tun, im Fühlen, im Denken, da erschuf die Schöpfung sich immer wieder selber neu. Der Funke zu Anfang, er war nicht fern, kein Gott in unerreichbarer Höhe. Nein, sie waren es. Sie waren Gott und gleichzeitig ein Teil seiner Schöpfung. Sie waren Erschaffer und ebenso Erschaffene. So, wie der Funke zu Anfang das Nichts abtrennte, genau so, wählten sie das Leben und erschufen den Tod. Mit diesem Wissen aber, wurden freie Seelen geboren, die nun alles ermöglichen konnten. Vollkommen frei in Allem und Jeden. Zu tun, zu erschaffen und zu erfüllen, was der Funke vor Ewigkeiten bereits begonnen hatte. Nun begriff Nancy die Natur der Magie und wie sie sie benutzen könnte. Und gleichzeitig wurde sie befreit von der Demut einer Gottheit. So prächtig, so mächtig auch alles war, sie selber war ein Teil des Ursprungs, so wie jede andere Seele nur ebenso. Und dennoch, solange die Lebewesen ihre eigene Freiheit nicht erkannten, bleiben sie Gefangene des Schicksals, der Aufgaben und Pflichten, der Sorgen und Nöten. Solange sie nicht selber wählten und erkannten, waren sie Sklaven der Wahl von Anderen. Diese Vision verschwand und Nancy sah sich wieder im Steinkreis. Vor sich der weiße Sand und über sich, wie eh und je, der Sternenhimmel. Es gab keinen Weg mehr zurück. Sie hatte eine Wahrheit erfahren, ein Geheimnis gezeigt bekommen, das sie so nie mehr würde vergessen können. Sie war gespannt, auf welche Pfade man sie nun lenken würde. Was man ihr jetzt noch zeigen würde. Zurück ging es jetzt nicht mehr. Nur noch vorwärts und vorwärts, mit jedem Schritt der Erkenntnis noch schneller. In der nächsten Vision, die sie erblickte, sah sie wieder die Erde. Diesmal aus einem anderen Blickwinkel. Wie im Zeitraffer, der einerseits schneller als die normale Zeit verlief, andererseits in Zeitlupe einfror, sah sie die Bahnen eines Menschenlebens. Wie im Zickzack ging es hin und her. Im Großen als auch Kleinen fast schon mit der Ähnlichkeit zu einer Elipse, die sich um ein immer gleiches Zentrum drehte. Ab und an die Schlenker, Ausbrecher, die das Leben ganz woanders hinführte, um dort erneut einen ovalen Kreis zu formen. Das Leben der Seelen bestand aus Bewegung. In schon fast vorgezeichneten Bahnen. So, war die Natur der Dinge, die niemals einen Stillstand akzeptierte. Aber diese Erkenntnis ging noch tiefer. Selbst im nicht direkt Sichtbaren, den Schaltungen eines Gehirns, wanderten die Funken unabänderlich hin und her. Gebärten Ideen, Funken an Ahnungen und ebenso die Visionen. Und dann ging es noch tiefer hinein. Sie sah die Natur der Dinge, aber auf der einfachsten Ebene, in der es möglich war. Man zeigte ihr einen Stein, einen unbedeutenden Kieselstein am Rande eines Sees. Er war von Menschenhand mit tausend weiteren dort hingebracht worden. Der Stein war nichts Besonderes. Leichtgrau schattiert und an den Ecken bereits abgerundet von der Macht der Natur, die ihn mit den Jahren gestreift hatte. Wind, Wasser, fremde Kräfte und Mächte, die sich auf die Dinge dieser Welt entluden. Und dann mit einem Mal, erkannte sie den Stein als das, was er war. Reine Energie, die niemals still stand. Winzig kleine Teilchen mit bloßem Auge niemals zu erkennen. Dafür musste man auf die kleinste Ebene blicken können. Die Menschen hatten Mikroskope und auch die Wissenschaft. Aber selbst die wusste nur zu erahnen. Der Stein stand niemals still. Im Innern auf winzigster Ebene bewegten sich ebenso auch Teilchen hin und her. Energie entlud sich und lud sich wieder auf. Nur so wurde die Existenz dieses fast unbedeutenden Gegenstandes erschaffen. Nun, man zeigte ihr erneut die Welt, die Natur, den Menschen. Alle waren auf kleinster Ebene aus Teilchen in Bewegung erschaffen. Nie stand etwas still und alles war auf kleinster Ebene nur reine Energie, die die Realität der Menschen erschuf. Es war eine umwerfende Erkenntnis und Nancy konnte nur fassungslos betrachten und versuchen zu begreifen. Denn so, wie man ihr diese Grundlage zeigte, so bedeutete dies noch etwas vollkommen Anderes. Nancy erahnte es bereits und konnte doch der Schwere des Begreifens noch nicht nachgeben. Aber natürlich zeigte man ihr auch das. Wenn alles im Innersten gleich war und nur die Struktur, genaue Form sich änderte, wie die Energie dort wirkte, so ließ sich Eines aus dem Anderen bilden. Ein Stück Holz konnte zu einem Stein werden. Ein Gebäude zu simplen Wasser. Und Erde konnte umstrukturiert werden zu einem Menschen, einem lebenden Wesen. Das war die Natur der Dinge. Das war die Magie zu der jeder Mensch nach dieser Erkenntnis fähig war. Realität und Wirklichkeit waren nur das Ergebnis der Interpretation des menschlichen Verstandes. Auch wenn er vereinfacht erblickte, hieß das noch lange nicht, dass es genau so auch war. Im Kern, im Innern, war alles gleich. Wie das Puzzle eines großen Bildes, konnte jedes Teil auch ein Anderes bilden. Die Menschen sahen das Gesamtbild, aber nicht mehr die einzelnen Teile. Das war der Preis für das Leben als Mensch. Der Tribut für eine blinde Freiheit und eine Realität, die keine Probleme im Verständnis produzierte.
Nancy schnappte nach Luft und in ihrem Innern wuselten die Gedanken durcheinander. Wenn alles so frei und fern jeder Realität war, so hatte auch sie nur blind gelebt. Sie hatte sich in Regeln und Normen als Außenseiterin abstempeln und abschieben lassen. Dabei hätte sie zu jeder Zeit einfach alles machen, alles erreichen können. Wie klein waren ihre Bahnen in Wirklichkeit gewesen? Wie unnütz war all die Trauer, die Momente an Seelenschmerzen und Tränen gewesen, die sie des Nachts alleine vergossen hatte. Nur weil niemand sie verstehen wollte oder vielleicht auch konnte. Verloren und eingesperrt hatte sie sich in diesem Leben gefühlt. Aber nur das hatte aus ihr die gemacht, die sie jetzt war. Prüfte einen so das Leben und die Schwierigkeiten? Wurde in der Bewältigung dieser kleinen Probleme, die dennoch ein Leben beherrschten, entschieden, wie viel an Freiheit und Erkenntnis man am Schluss erhielt? Musste man also erst blind für die richtige Realität aufwachsen, um ihre gravierende Bedeutung wie in einer Befreiung erst dann ganz erfassen zu können? Aber wer schrieb dann das Schicksal und die Prüfungen? Eine fremde Intelligenz oder die eigene Idee im Unterbewussten, die bereits zu Anfang wusste, was wir ertragen können und was nicht? Das alles, es war verwirrend, es war befreiend und gleichzeitig zerstörte es einfach nur alles, was sie aus dem normalen Leben mitgebracht hatte. Sie schloss für einen Moment die Augen und übte sich in Ruhe. Gedankenfetzen, Visionen, Bilder, Gefühle. Alles blendete auf und schwebte vorbei. Nichts mehr würde nach dieser Reise sein, wie vorher. Nicht so einfach zu sehen, zu erkennen und vor allem zu akzeptieren, wenn man bereits die Natur aller Dinge geschaut hatte. Nun kam das nächste Schriftzeichen, die nächste Größe und auch Wahrheit: Die Zeit. Von Außen betrachtet, auf den ersten Blick, glich die Zeit einem Fluss. Sanft bewegte sie sich fort von Vergangenheit, zu Gegenwart und schließlich der Zukunft. Ein ungeschriebenes Gesetz, eine Formel, der sie unterworfen zu sein schien und eingezwängt folgen musste. Aber jeder dieser Zustände formte eine eigene Wirklichkeit dessen war war, was ist und was sein würde. Und wie die Realität, konnte jede Wirklichkeit auch ohne die Folgende und Vorherige existieren. Das hieß, dass die Zeit in Wirklichkeit Blasen war, die immer und immer wieder eine neue Realität gebar. Im Blick zurück, im Blick nach vorn und im Stillstand des Jetzes. Sicher baute Eines auf dem Anderen auf. Aber Zukunft konnte auch ohne Vergangenheit geboren werden. Das wurde Nancy an der Neugeburt eines Babys gezeigt. Vor seiner Entstehung existierte es bereits in den Gedanken der zukünftigen Eltern, bekam eine Vergangenheit, die es so selber nie erlebt hatte. Und dann wurde es geboren und eine Gegenwart erschaffen. Seine Gegenwart, das Jetzt des Babys, das so noch selber gar nicht wahrhnehmen konnte. Die Zeit war also nichts als Bewusstseinsmomente, die der menschliche Geist brauchte, um ihre Wahrnehmung in eine Ordnung zu packen, so dass er sie verstehen konnte. Der Natur selber, der Größe Zeit, war dies gleich. Sie erschuf in jeder Zeiteinteilung eine neue Blase an Sein, die niemals verging. So bildete sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Und auch wenn der Mensch sich seinem eigenen Erleben der Gesetzmäßigkeiten unterworfen hatte, seiner eigenen Ordnung der simplen Gleichung folgte, verging nie etwas oder verschwand. Wie seine Realität des Glaubens, streifte er nur die Natur dieser Dinge und ließ das Ganze für immer unberührt. Vergangenheit blieb bestehen. Wie die Formeln der Mathematik, war es nur das Auflösen von Variablen. Und befreite Geist sich von seinen eigenen Gesetzen, seinen eigenen Beschränkungen, so konnte er die immer bestehende Vergangenheit erneut besuchen. Das Ergebnis würde er selber als Paradoxon bezeichnen. Denn wenn auch gleich der Zeitenfluss sich seinen Weg nur weiter suchte, so oblag die freie Seele ihr nicht mehr. Sie schrieb die Zukunft um und bildete aus anderer Vergangenheit und niemals eintreffender Gegenwart, ihr eigenes Schicksal. Denn Realität, als auch Zeit, waren reine Größen der Wahrnehmung, die man entweder akzeptierte oder einfach sich selber alleine neu schrieb. Das einzig Ironische an diesem Zusammenhang war die Tatsache, dass ein Mensch im normalen Leben niemals Kenntnis über diese Möglichkeit bekam. Wie ein Fisch im Wasser, trieb er von fremder Kraft gesteuert, vom simplen Anfang zum vorhersehbarem Ende. Denn an Gesetzen und fremden Kräften, konnte nur bestimmen, was Seele selber nicht bewusst war. So betrauerte die Seele ihr Schicksal, ihre Pflichten und Sorgen, nicht wissend, dass sie nur aus Blindheit ihr auferlegt worden waren. Nancy wunderte bereits nichts mehr. Um so mehr sie begriff, um so mehr verstand sie, in welchem oberflächlichem Bewusstsein sie vorher gelebt hatte. Sie, wie auch jede andere Seele in ihrem Leben damals. Aber ebenso verstand sie die Last der Freiheit dieses Wissens. Von nun an trug sie alleine die Verantwortung für einfach alles, was in ihrem Leben passieren würde. Sie konnte sich nicht mehr hinter Unwissen verstecken, konnte keinem Teufel oder fremden Macht noch ein Übel zu schieben. Sie alleine, erschuf, verdammte und befreite sich und ihr Leben. Aber eine Frage quälte Nancy. Wenn das Wissen, das auch sie gerade erhalten hatte, schon immer existierte, warum war es dann nicht schon längst bekannt und in der Welt verbreitet? Sie auf jeden Fall, hatte noch nie etwas auch nur ansatzweise Ähnliches gehört oder gelesen. Die Antwort formte sich erneut in einer Vision und einem Schriftzeichen. Der Weg, den sie von nun an betreten würde, war der eines Auserwählten. Sie hatte die Fähigkeiten, Großes zu vollbringen und sie musste entscheiden, was zu tun war und was zu lassen. Was zu bewirken und was den Menschen zu zeigen.

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