Der Engel der Barmherzigkeit erzählt uns vom strahlendem Selbst im Angesicht seiner leuchtenden Existenz

In all ihrer Pracht steht sie im grellen Licht der Unschuld. Sie sonnt sich darin, und lockt all die zarten Wesen der Natur an. Denn wie die Motten zum Licht werden sie von ihr angezogen. Ihre Flügel breiten sich prächtig hinter ihrem Rücken aus. Ihr Blick, ihre Miene strahlt die Freundlichkeit der Reinheit aus. Sie ist kein Wesen von dieser Welt. Nur ein Besucher, der in all seiner Herrlichkeit dem menschlichen Auge sich präsentiert. Und so, wie sie unvergänglich ist, so endend sehnen wir uns nach ihr. Denn auch wenn wir sie erblicken dürfen, so reicht uns dies einfach nicht aus. Wir wollen sie erfühlen, erleben, in ihre liebkosende Berührung eintauchen und von ihrer Wärme seicht nur zudecken lassen. Denn so rein wie sie ist, so gütig ist sie auch. All der Fehl der Menschlichkeit ist kein Teil, kein Part, ihrer Existenz.

Sie muss all das Leid und die Sorgen des menschlichen, vergänglichen Lebens nicht ertragen. Sie entstammt einem Himmel, der in all seiner Pracht dort oben am Zenit thront. Dort ist die Welt noch in Ordnung. Und da es ein Abbild der Erdenexistenz ist, nur ohne den Makel der Schwäche oder auch des Bösen, kann man es leichtfertig als Paradies taufen. Und natürlich ist unser Engel dort nicht alleine.

Aber er hat sich einsam und verlassen in Mitten diese Welt gestellt, um uns daran zu erinnern, dass es noch mehr gibt als Mühsal und Last. Dass es Hoffnung gibt, die sich über die Menschlichkeit erhebt. Und dass es etwas gibt, das ewig bleiben, ewig existieren kann. Und all die Vergänglichkeit, die der Mensch als Last Tag ein und Tag aus mit sich erträgt, ist nur der Hort, der Ort, für etwas Höheres, das im Innern verborgen ist.

Und dieser leuchtende Kern, den man dennoch niemals erblickt in den Augen der Menschlichkeit, ist es, der zu höherem ermächtigt. Der leuchten lassen kann in Taten, in Worten, in Gesten der Warmherzigkeit. Der den Bruder neben die Schwester stellt. Der die Rasse in Verbundenheit eint, trotz all der Unterschiede. Trotz der Sorgen und Nöte, neben dem Rucksack eines menschlichen Lebens seiner Last, wird er zu höherem berufen. In einem Ton, in einem Singsang, den nur die leise Seele hört. In einer Schwingung, die den Engeln gleich, strahlt im prächtigsten Licht. Und da wir es nicht sehen können, da wir nun mal Erdenwesen sind, so hat man uns etwas gegeben, mit dem wir es erfühlen können, wenn wir einfach mal mucksmäuschenstill sind.

Und so verstehen wir die Anwesenheit des Engels der Barmherzigkeit. Er besucht seinesgleichen im wärmendem Licht. Er gibt den Seelen, die im Innern verborgen sind, ein Bild, das sie erblickend ohne Worte begreifen dürfen. Denn der Engel ist die Schwester und der Bruder der inneren Seele. Und so nur wie er leuchtet, so nur glimmt es in den Tiefen eines Selbstes. Das sich selbst als Engel der eigenen Existenz begreifen muss. Das sich selbst als eigenen Erlöser annehmen muss, der die unerschöpfliche Macht eines Himmels in sich trägt. Und zum Schluss nur begreifen wir, dass es nicht um Religion, nicht um Glauben geht, als viel um das unerschöpfliche Wissen um einen Selbst. Das in Wahrheit, das in Erkenntnis, den Pforten eines Himmel gerecht wird.

 

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