Der Blogger – Der Versuch einen Moment des inneren Seins zu erschaffen

Es war ein Morgen, wie jeder Andere. Nur diesmal fühlte er sich besser. Er hatte gut geschlafen, so könnte man sagen. Und er war ausgeruht. Was auch immer heute kommen möge, er würde es in Angriff nehmen und sich all den kleinen Problemen eines Lebens stellen. So war der innere Pakt, den er mit sich selber schloss. Er trank sein morgendliches Ambrosia, das schwarze Getränk, Kaffee dem Namen nach. Und er ließ die Gedanken durch sein Leben streifen. 

Er brauchte eine Frau in seinem Leben. Ein weibliches Wesen, dem er sich anvertrauen konnte. Mit dem er Pferde stehlen konnte. Die er lieben durfte. Und die ihn natürlich auch lieben würde. In Gemeinsamkeit würden sie durch dieses Leben streifen und manches Problem würde nicht mehr so groß erscheinen, da sie es miteinander teilten. Sorgen und Nöte, aber auch das Schöne, wie die Freude über etwas. Dadurch würden die negativen Dinge schrumpfen und die guten Dinge noch wachsen. Eine schöne Vorstellung, wie er fand. Aber noch war er nicht mit sich selbst im Reinen. Er musste erst mehr über sich selber herausfinden, sich selber vielleicht erst richtig analysieren lassen, bevor er den Weg beschreiten konnte, seine Last der Existenz auch mit einem weiblichen Wesen zu teilen.

Er war niemand Besonderes. Kein großer Denker, keine kreative Seele. Und doch machte er sich manchmal dran und erschuf etwas. Über das Chromebook schrieb er Texte und publizierte sie auf seinem Blog. Das gab ihm etwas. Das war sein Mittel und Zweck, seine Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Er dachte, dass jeder kleine Artikel von ihm, ein Kieselstein in den Weiten eines großen Meeres war, der Wellen schlagen konnte, bis daraus eine Lawine der positiven Veränderung werden konnte. Deswegen machte er unermüdlich immer weiter. Schrieb Artikel um Artikel, formte Text um Text. Und ließ sie dann in den Weiten des Internets ihr Werk tun. Man könnte meinen, er hätte viele Stimmen, vielleicht auch Persönlichkeiten. Denn jeder Text war etwas Anderes. Ein anderer Blickwinkel auf die Welt, aus anderem Bestand eines Verstandes erschaffen. Dabei war jeder Text so etwas wie seine eigene Art der Kunst. Seine Art das Innere sprechen zu lassen und eine Fotografie des momentanen Selbstes zu erschaffen.

Niemand verstand ihn so richtig. Das lag daran, dass er fast schon ein Doppelleben führte. Das was im Internet stand und das Leben was er führte. Es war getrennt und nur durch ihn, nur durch sein Inneres verbunden. Das normale Leben, das Alltagsleben, wusste nichts über seine Bloggerei. Und so konnte er fast schon heimlich, und doch Publik im Internet, sein Werk tun. Ab und zu las auch mal jemand seiner näheren Menschen seine Artikel, fand sie gut, aber wühlte sich nicht mehr weiter durch die fast 1000 Artikel, die er schon hatte. Nun, ihn störte das nicht wirklich. Er machte es ja nicht für Ruhm oder Anerkennung. Es war sein kleines Hobby, seine Möglichkeit, sich einfach mal auszudrücken.

Und was da auch kommen möge. Er würde nicht aufhören, sein Ding zu machen. Dafür war es schon zu sehr in seinem Tagesablauf etabliert. Zu sehr gehörte es zur Morgenroutine dazu, auch einen manchmal tieferen Text zu publizieren. Und es über den Tag wirken zu lassen. Sicher, er hatte noch nicht so viele Besucher, aber doch auch schon einige Seelen, die durch die Seite surften. Aber auch das, war mit Nichten von Bedeutung. Alles was zählte, war sein Weg durch das Innere, seine eigene Art der Kunst Tag für Tag zu kreieren. Und ob es Beachtung fand, gelesen wurde oder auch nicht, das war von nebensächlichem Belang. Das war sein Weg zu innerem Frieden, den er kostbar in Momenten sammelte.

 

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