Eine Existenz abseits des Normalen. Gefangen in einer Welt, die das Licht meidet, umrandet aber nie berührt. Keine feste Form und allgegenwärtig. Die Schatten als Raum einer Lebenszeit.

Der Preis ist hoch. Ganz sicher bekommt man eine Menge dafür. Abseits des normalen Stromes, außerhalb der Bahnen die das Leben so geht, fristet man eine Lebenszeit oder auch mehrere.

Man sieht mehr, erkennt mehr und versteht mit der Zeit einfach alles. Dort in diesem Raum, in einer zeitlosen Form, erreichen einen die Trubel nicht. Aufregung, Hypes, vergehende Bewegungen, Regierungen, Führungen, Auf und Abs der Wirtschaft, Armut und Reichtum, Geburt und Tod. Dort hat es keine Bedeutung.

Die Zeit steht still und bewegt sich scheinbar nicht weiter. Das hört sich verlockend an. Aber es ist gleichzeitig auch ein Gefängnis.

Emotionen, Gefühle menschlichen Bahnen, werden nicht mehr berühren. Sie können einen nicht mehr erreichen. Man lebt direkt im Strom, ist aber abgekapselt. Man sieht alles, beobachtet, aber weiss, dass man es nie erleben wird. Statt dessen gibt es nur Gleichgültigkeit, eine Eises Kälte, die dort wohnt, wo des Menschen Seele sitzt. Der Körper wird rein, der Verstand glasklar, die Wahrnehmung verändert. Nichts lenkt einen mehr ab, keine Frequenzen eine Menschlichkeit wird noch verunreinigen. Schwäche und Verfall sind abgefallen von der eigenen Existenz.

Ist man einmal drinnen, wird man keinen Weg mehr heraus finden. Es ist eine Entwicklung, ein Weg, der einmal eingeschlagen, nie mehr zurück führt. Versucht man es, versucht man wieder in die Bahnen einzukehren, so wird man es ganz sicher schaffen. Man kann eine zeitlang normal wie ein Mensch unter Menschen leben. Aber mit der Zeit bemerkt man, dass es nur von kurzer Dauer ist. Es ist nicht eine Entscheidung, die mal eben so getroffen wird und dann alles verändert. Es sitzt viel tiefer und ist dort verankert, fest mit einem Selbst. Was heisst, dass selbst wenn man dem Anschein nach normal lebt, die Schatten weiter in einem existent sind. Und sie werden es einen spüren lassen. Mal hier, mal dort werden sie Einfluß üben und die Bahnen umkehren. Wer die Dunkelheit gewählt hat, kann sich nicht einfach ins Licht stellen. Es wird einen Schwächen, einen behindern, da man ein Fremdkörper ist, der dort nicht mehr hingehört.

Das Leben zieht vorbei und man sieht es wie durch eine Glasscheibe. Klar und deutlich, aber versucht man es zu packen, es zu berühren, so ist es wieder weg und unerreichbar. Die Schatten beschützen aber sperren auch ein. So wird der Weg in die Schatten zu einem Weg in das eigene Gefängnis, das nie mehr verlassen werden kann.

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Bruno Schelig

Schriftsteller, Schreiberling und kreative Seele. "Sag mir, wer ich bin und ich sage Dir, was Dein Denken Dir erlaubt. Male das Bild meiner Persönlichkeit und ich male Dir Deine Seele. Denn was Du in mir zu erkennen glaubst, ist das Spiegelbild Deiner Selbst. Meine Handlungen unterliegen nur Deinen Deutungen, Deinem Denken und dem halbblinden Augen des Betrachters, der mein Ich nur als sein Wesen akzeptieren kann."