7.10 – Psychiatrie Tagebuch

 

7.10-10:22 Uhr

Wir haben morgens, und obwohl noch früh, hat mich bereits der Trubel des Tages gefangen genommen. Ich habe bereits den Kaffee gekocht, als alles noch im Schlummer gefangen war. Und als erster schon fast, durfte ich den Koffein Ambrosia schlürfen. Beobachten, wie meine eigene Sucht nach diesem Nektar gestillt werden konnte. Und natürlich hat es den Geist hoch fliegen lassen und mich auf die Ebene des reinen Geistes geschickt. Ich habe meine eigene Art der Querdenkerei in ein paar Zeilen gefangen gehalten. Wissend und erahnend, dass ich vielleicht der Einzige bin, der dieses Rätsel lösen kann. Aber darum geht es auch nicht. Nicht das Lösen einer Gleichung ist das Geheimnis ihrer Wirkung, sondern ihr Erschaffen, ihr Bestehen und weitergehend auch noch das langsame Lösen ihrer eigenen Formel, die den Geist auf die verschiedensten Bahnen lenkt. In Gefilde, die man vorher nicht einmal erahnen konnte. Auch so lernt man durch eine simple Formel, Losung, die keiner gewohnten Gesetzmäßigkeit unterworfen ist, bereits wieder Neues, vorher Unbekanntes.

Denn wir und unser Geist brauchen zumeist nur erst einmal einen Funken, den wir schüren können und zur Feuersbrunst wachsen lassen dürfen. So einen Funken zu finden, der unserem Innern gerecht sich anpasst und Explosionen an Gedankenwelten zulässt, ist eine Kunst. Denn wie der Schlüssel nur auf ein gleiches Schlüsselloch passt, so sind wir nicht mit jedem Funken kompatibel. Wir brauchen etwas, dass genau im rechten Moment, das passende innere Umfeld vorfindet. Nur dann, kann es auch zur Explosion in einem Innern kommen. Wandelbar, wie wir nun mal sind, kann in einem Moment etwas bewirken, im nächsten Moment nur auf taube Ohren stoßen. Deswegen ist so ein passender Funke ein Einod, dass es zu suchen, zu finden gilt.

Der Perle eine Muschel gleich, suchen und tauchen wir ab, wissen nicht, was wir finden werden. Aber haben wir es gefunden, können wir die Gleichung in Selbstauflösung so nicht mehr stoppen.

16:59

Ich habe mich ausgeruht. Vom Nichtstun den Geist sich erholen lassen. Obwohl man ja nie wirklich nichts tun kann. Immer ist der Geist mit etwas beschäftigt. Mit Gedanken der Vorahnung, ob nun schlecht oder auch gut. Immer ist der Verstand in Aufruhr, wenn etwas die angelernten Gedankenmuster erweckt, die uns auf immer ähnliche Weise reagieren lässt. Denn wir sind sehr geschulte Menschen. Wir haben durch unseren Lebensweg Manches gelernt, Anderes übersehen in gekonnter Blindheit und noch mehr einfach aufgenommen in die Tiefe unseres Innern. Fast ungefiltert fließt es in uns hinein und hat die Macht unser Inneres für immer zu verändern, in andere Töne einzufärben. Und wir sind wie Marionetten der Umstände, wenn wir uns fremden Mächten unterwerfen, ohne selber das Ruder zu ergreifen. So treiben wir von Begebenheit zu Begebenheit. Verändern uns, passen uns an. Und lernen unbewusst als auch bewusst, so nur niemals aus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Translate »