6:06 Uhr – Morgengedanken – Die Maske und das Einstehen für einen selbst – Psychiatrie Tagebuch

 

Wir haben mal wieder sehr früh am Morgen. Ich befinde mich wieder im BEN. Belastungserprobung Nacht. Den Ausgang konnte ich noch herausholen vor meiner Entlassung in 4 Tagen. Der Arzt wollte erst nicht, aber ich konnte ihn dann doch noch quasi überreden. Und es hat mal wieder gut getan, die freie Welt zu schnuppern. Obwohl es ja bald wieder zur Gewohnheit verkommt und dann nichts Besonderes mehr ist. Habe ich mich einmal wieder daran gewöhnt in meiner wiedererlangten Freiheit zu leben, wird das sehr schnell wieder zum Alltag werden. Genau deswegen gefällt es mir auch, so in Tagebucheinträgen zu schreiben. So habe ich Erinnerungen an eine Zeit, die abseits der normalen Welt, mich auch andere Dinge hat denken lassen. Sosehr in einer anderen Welt zuhause, gehen mir auch andere Dinge durch den Kopf. Und da ich mich einmal als psychisch Kranker geoutet habe, besitze ich auch alle Freiheit zu schreiben, was auch immer ich will. Natürlich muss ich im Rahmen bleiben, aber ich muss mich hier zumindestens nicht mehr hinter einer Maske verstecken. Und das gibt mir einen Raum auch in Zukunft, wo ich ganz ungeniert ich selber sein kann, wie ich es im Innersten bin. Egal, was man von mir denken mag. Und in einer Welt, die die Maske mehr liebt als die Natürlichkeit, Authentizität und Ehrlichkeit, ist das ein sehr wertvoller Schatz, den ich mir da eröffnet habe. Und ein bisschen bin ich auch stolz auf mich, dass ich diesen Weg eingeschlagen habe.

Ich selber mag meine Texte. Egal, wie verdreht oder abseits der Norm sie auch immer sein mögen. Und im Grunde ist es mir egal, was man von mir denken mag. Ich gehe meinen Weg. Auch wenn ich ihn alleine gehen sollen sollte. Da habe ich kein Problem mit. Natürlich mache ich dies unter dem Deckmantel meines Synonyms. Aber auch so über die Links und Bücher lässt sich schnell herausfinden wer ich wirklich bin. Und irgendwie denke ich, zeichnet mich das auch aus. Dass ich hier einfach ich selbst bin. In Worten, in Gedanken einen Raum meiner eigenen Präsenz erschaffen habe. Und im Moment noch mehr als vorher jemals.

Gleich mache ich mich wieder auf den Weg in die Klinik. Ob ich will oder auch nicht, ich muss es einfach. Die letzten paar Tage schaffe ich auch noch. Ich war ja immerhin sechs Woche da. Was machen da ein paar Tage. In der Arztvisite hat der Arzt noch etwas interessantes zu mir gesagt. Er meinte, es hätte ihn nicht gewundert, dass ich nicht unter den ersten bei der Visite war. Dass ich mich eher zurückstelle als mal meine Rechte einzufordern. Und da hatte er vollkommen Recht. Es ist ein Leichtes für mich für etwas einzustehen, wenn es um andere Menschen geht. Aber dreht es sich mal um mich selber. Um meinen Vorteil oder Rechte, dann stecke ich zurück. Dann ertrage ich es zu warten oder auch mit weniger auszukommen. Da ich es einfach kann. Und es mir nicht so wichtig ist, da es sich um mich selber dreht. Eine Aufgabe, eine Prüfung für meine eigene Zukunft. Auch mal für mich selber einzustehen. 🙂 Ich werde es üben in den nächsten Tagen und mal sehen, welche neuen Erfahrungen es mich lehren wird.

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