6.10– 17 Uhr – Psychiatrie Tagebuch

 

Ich war zu Hause. Was an für sich nichts Besonderes ist. Für Dich auf jeden Fall nicht. Für mich ist es wie ein Ausflug in eine andere Welt. Ich verlasse die Glocke der Ruhe, der Andersartigkeit, der Fremdartigkeit. Ein Raum, der seine eigenen Regeln hat, in der die Normalität nichts zu suchen hat. Ich bin ein Ausgestoßener im Verborgenen, so kann man es treffend umschreiben. Ich habe die Normalität verlassen, die Welt die den vernunftfolgenden Regeln unterliegt und mich wohin gegeben, wo erstens der Geist der König ist, aber auch das einzige Gefängnis.

Ich habe die Normen schon vor einem Monat verlassen und mich etwas unterjocht, dass dem Begriff Störung folgt. Was es im Genauen jetzt ist, muss hier nicht thematisiert werden. Aber auf jeden Fall hat es mich aus der gewohnten Bahn geschmissen. Den Alltag aus Job und Freizeit in Durchschnittsleben unmöglich gemacht.

Und so sitze ich hier außerhalb des Lebens, dass da draußen in seinen Bahnen und Störungen vorbeizieht. Seelen, die getrieben von Pflicht und Aufgabe so etwas wie erzwungene Achtsamkeit bräuchten, sich selber aber darüber nicht bewusst sind. Ich nun, habe eine Menge Achtsamkeit auferlegt bekommen. Gegenüber dem Moment, ein Kaffee kann schon eine Delikatesse werden, wenn man mal mit all seinen Sinnen darauf bewusst achtet. Der Zucker und die Milch, die ihr eigene Aroma im Gegensatz zum Bittergeschmack ausbreiten. Als auch gegenüber mir selbst. Ich beobachte mich selbst bewusst. Was ich denke und warum. Was ich tue, wohin meine Gefühle mich treiben lassen wollen und woher dies kommt. Ich bin mein eigener innerer Psychologe als auch nicht promovierter Arzt.

Auf den ersten Blick, hört sich das toll an. Aber das Wissen um warum und weshalb der eigenen Psyche vollzieht auch so etwas wie ein Gefängnis. Man ist hinter Gitterstäbe eingesperrt, die man zwar durchblicken, aber nicht durchschreiten kann. Das Wissen versklavt einem, denn es nimmt einem ganz einfach die Unbeschwertheit der Tat. Hinter jeder Ecke lauert das Unterdrückte, das Unaufgearbeitete. Der Knackpunkt, den man begreifen muss. So war es in den letzten Wochen auf jeden Fall. Bis ich erkannte und auch die Stimme einfach verstummte, die mich immerzu ermahnen wollte, dass nicht alles beleuchtet werden muss. Manchmal tut man einfach etwas, im Wissen, dass es eigentlich falsch ist und lernt dadurch etwas oder erlangt einen Gewinn, einen neuen Pfad, den man sonst niemals erfahren oder betreten hätte.

Deswegen ist Wissen nicht immer nur gut. Es kann auch zur Bürde verkommen, zu viel zu wissen. Zu viel zu verstehen und zu viel zu denken. Wer immerzu denkt, vor der Handlung, der nimmt sich die Freiheit der Spontanität. Gerade auch Wege zu beschreiten, die sonst niemals über den bewussten Verstand möglich gewesen wäre. Nur wer das Unbekannte sucht, der kann auch das finden, was er noch nicht kennt. Wer Fremden die Tür öffnet, der geht das Risiko der Gefahr ein, aber auch die Möglichkeit einer neuen Erfahrung. Deswegen muss man abwägen, wie viel Gewohntes, wie viel Neues man in seinem Leben wirklich haben will, wie viel man erst einmal verträgt.

Aber wir sind abgestreift. Vom normalen Thema, dass ich zu Hause war, haben wir einen Bogen in den Geist und das Leben gezogen. Ich weiß nicht, wie es im weiteren Verlauf des Buches so laufen wird, aber ich werden keinen Gesetzmäßigkeiten folgen. Frei heraus schreiben, was mir in den Sinn kommt, sich bilden will. Genau so, wie ich es bereits seit Jahren mache. Und diesmal wird daraus ein Buch …

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