20:23 Uhr – Psychopharmaka – Tabletten in der psychiatrischen Behandlung – Psychiatrie Tagebuch

 

Tabletten. Ein großes Wort, dass mit allerlei Unbehagen, vielleicht auch Misstrauen behangen ist. Eines direkt zu Anfang. Dies ist kein Wikipedia Artikel, deswegen werde ich auch nicht rein theoretisch beleuchten, was es für Psychopharmaka gibt. Welche wofür wirken und welche man wann einnimmt. Meine Artikel sind eher wie Tagebucheinträge, was ja auch im Titel steht und deswegen sind es nur meine Gedanken, Meinung oder Erfahrung. Ich nehme bestimmt schon gefühlt ewig Psychopharmaka. Manche bekommen mir, Andere habe ich gar nicht vertragen. In Zusammenarbeit mit Klinikaufenthalten und auch meiner Psychiaterin konnte ich da ziemlich gut aussortieren, was mir nützt und wovon ich besser die Finger lassen sollte. Und Eines direkt zu Anfang. Sie verändern nicht die Persönlichkeit. Die Angst kann ich direkt nehmen. Sie beeinflussen die Persönlichkeitsbildung. So kann man es formulieren. In dem sie z.B. Impulse setzen an der rechten Stelle. In dem sie einen vielleicht gelassener machen oder die Vulnerabilitätsgrenze höher ansetzen. Wie empfänglich und verletzlich man gegenüber fremder Reize ist. Manchmal begünstigen sie auch die Gewichtszunahme. Und oft lassen sie einen auch sehr gut schlafen. Was sicher auch von Vorteil zum passenden Zeitpunkt ist.

Was man aber meistens sagen kann, ist dass sie Symptome behandeln. Weniger die Krankheit an sich. Sie wirken also nicht gegen eine Krankheit. Sondern gegen ihre Auswirkungen und helfen damit einen besseren Verlauf hin zu bekommen. So meine Erfahrung. Ich nehme keine Antidepressiva, deswegen kann ich das von mir behaupten. Diese wirken ja speziell gegen eine Depression. Obwohl sie auch nur Symptome lindern. Z.B. die Stimmung heben und so fühlt man sich besser und die Depression kann einen nicht so sehr herunterziehen. Wer mit Psychosen zu tun hat, der bekommt etwas gegen Stimmen hören, Reizüberflutung auch Wahnideen. Wie man sieht, merkt man an einem Medikament ob es bei einem speziell jetzt wirkt, in wie weit es die Symptome der Krankheit verschwinden lässt. Indem es sie unterdrückt, einen abschirmt oder auch die Stimmung und Empfänglichkeit für Reize herunterfährt. Manche Medikamente in hohen Dosen machen einen Gleichgültig bis hin zur Lethargie. In hoher Anfangsdosierung in der Psychiatrie kann einem öfter mal so etwas begegnen. Im Normalfall bleibt die Dosierung aber nicht so, sondern soll nur so schnell wie möglich bei Akutfällen helfen.

Zu sagen ist auf jeden Fall, dass eigentlich nie etwas ohne Absprache mit einem gemacht, entschieden wird. Man hat definitiv Mitspracherecht. Und das Feedback des Patienten ist von gravierender Bedeutung bei der richtigen medikamentösen Einstellung. Am besten ist es symptomfrei zu sein, mit wieder wachem Verstand und sonst auch keiner weiteren Beeinträchtigung. Dahin soll es laufen. Und die Ärzte und Patienten suchen zusammen den Weg dahin. Man ist auch in der Psychiatrie noch eigenverantwortlich. Man legt nicht sein Schicksal einfach in die Hände der Ärzte, sondern mitbestimmend wird zusammen nach den besten Lösungen, dem besten Weg gesucht.

Aber Tabletten muss man nehmen, wenn es mit dem Arzt entschieden wurde. Die Medikamenteneinnahme ist Teil des Patientenvertrages, ein nötiges Mittel zur Behandlung. Wer sich rigeros weigert Tabletten zu nehmen, der wird mit Sicherheit auch nicht lange in der Klinik sein. Sicher helfen Therapien und Gespräche. Aber Tabletten nehmen einen großen Teil des Weges zum Behandlungserfolg ein. So viel sei einmal gesagt.

Und diese Tabletten sind auch oft nicht von kurzer Dauer einzunehmen. Ich nehme meine schon fast so lange, wie ich denken kann. Über ein Jahrzehnt. Manche sind nur Bedarf in der Klinik. Wie Tavor z.B. meistens, da es abhängig macht. Man nimmt es, wenn man Ängste hat oder schnell herunterfahren, sich beruhigen muss in Stress Situationen. Andere wird man vielleicht sein ganzes Leben lang einnehmen. Deswegen ist es ja so wichtig, die bestmögliche Medikation zu finden, die es einem trotzdem noch erlaubt auch wieder zu arbeiten oder weiter zu arbeiten. Es ist nicht Ziel der Behandlung, einen auf lange Zeit Arbeitsunfähig zu halten, sondern eher das Gegenteil ist der Fall.

Damit habt ihr schon mal einen kleinen Einblick in die Theorie der Behandlung. Und vielleicht nimmt dem einen oder Anderen auch das die Angst davor. Es ist mit vielen Vorurteilen behangen, wie viel aus dem Bereich, zu meist aus Unwissen. Aber durch meine Artikel hoffe ich auch etwas Klarheit da zu schaffen. Und wo ich einmal damit angefangen habe, führe ich es auch eine begrenzte Zeit weiter fort. So viel sei versichert. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Translate »