6:10 Uhr – Gedanken am Morgen – Im BEN – Belastungserprobung Nacht – Psychiatrie Tagebuch

 

Wir haben noch sehr früh am Morgen. Ich bin vor einer halben Stunde aufgewacht. Und das, obwohl ich gestern Abend bis 00:00 Uhr wach war. Ich befinde mich im Ausgang über Nacht. BEN heißt das abgekürzt, ausgesprochen, Belastungserprobung Nacht. Und wenn man schon draußen ist, das freie, das normale Leben wieder schnuppern darf, dann will man so viel wie möglich wach sein, um die so gewonnene Zeit nicht zu verschwenden. Man will aktiv den Tag gestalten und ihn mit so viel lebendiger Zeit füllen, wie es nur geht. Im Normalfall würde das bedeuten, dass man sich viel mit anderen Menschen trifft und auch unternimmt. Dabei muss es sich natürlich die Waage halten, zwischen Zeit für sich und mit Anderen, um Ruhephasen einzubauen. Denn man ist immerhin noch nicht ganz belastbar. Ich persönlich, habe meine freie Zeit, mit sehr viel Spielzeit gefüllt. Ich habe am Laptop mit Anderen gespielt. Z.B. WOW, World of Warcraft, dabei noch über Discord mit einer Gilde connected, wo ich die ganze Zeit mit Anderen aktiv gesprochen habe und auch gespielt. An für sich eine sehr lebendige Erfahrung. Nur setzt mich persönlich das wieder etwas unter Druck. Ich kann z.B. nicht einfach off gehen, ich muss den Anderen Bescheid sagen, dass ich jetzt weg bin. Und man weiß nie, obwohl man eigentlich so weit ist, dass man aufhören will zu spielen, ein Anderer nicht gerade anfragt, ob man zusammen levelt. Außerdem bin ich noch sehr unsicher im Spiel, da ich noch Newby bin. Ich habe schon Ahnung, hab einen Charakter auf Level 116 mittlerweile. Aber es fehlt mir noch viel an Wissen um ein Pro Gamer zu sein, wie die Anderen. So ist es einerseits eine sehr aktive Erfahrung, man kann sich austauschen, als auch eine etwas in der Luft hängende, da ich noch teilweise etwas unsicher bin. Im großen und Ganzen aber macht es mir eine Menge Spaß. Ich bin über einen ehemaligen Patienten in die Gilde gekommen, der dort auch Offizier ist und mich eingeladen hat. Ab und zu, wenn die Wellenlänge stimmt, nimmt man auch Menschen aus der Klinik mit in das private Leben, auf dass daraus Freunde werden können. Mit denen man über quasi alles sprechen kann, da sie einen außerhalb des normalen Lebens kennen gelernt haben. Man muss sich ihnen gegenüber weniger verstellen, als dem normalen Volk gegenüber, dass immer etwas von einem erwartet, bei dem man unter Umständen das Gefängnis einer Maske tragen muss.

Des weiteren habe ich noch was an der Playstation gespielt und das Eine oder Andere Video für den YouTube Channel erstellt. Ich mag es mein Gameplay festzuhalten und auf YouTube zu sammeln. Sind es doch kleine Erfolge, die ich da gemeistert habe. Gerade in Destiny 2 geht es oft sehr heiß her und ich gucke mir selber gerne an, was ich da gemeistert habe, trotz, dass es unglaublich schwer war und mega viel Aktion.

Ich war einkaufen, bei Netto, bei Saturn. Musste ein neues Headset besorgen, da ich keins mehr hatte. Hatte meine alle meinem Sohn vermacht und jetzt auch für die Gilde und die Playstation als auch Laptop, brauchte ich ein Vernünftiges. Es gab keine Reizüberflutung und auch sonst hatte ich keine Probleme. Bin schon sehr stolz auf mich. Klopfe mir selber auf die Schulter. 🙂

Es ist schon absurd, wie die kleinen Dinge, zu etwas Besonderem werden können, zu einer Prüfung, wenn man mal nicht mehr so einfach mit ihnen zu Recht kommt.Wie kleine, vorher nebensächliche Dinge zu etwas werden können, dass einen quasi vor eine Aufgabe der Meisterung stellt. Der normale Einkauf, wird zu einem Erlebnis. Die ganzen Menschen, die ganzen Eindrücke, Töne, Farben, Gerüche und so weiter. Man schottet sich innerlich etwas ab, wappnet sich, falls es doch zu viel werden sollte. Nimmt trotzdem alles auf und erkennt dann mit der Zeit dankbar, dass man vielleicht wirklich so weit ist, wieder in die normale Welt zu treten. Als einer unter Vielen. Nicht als abgestempelter Kranker in einer psychiatrischen Einrichtung. Und all die Leute da draußen, die einem begegnen, die wissen nicht, wie scheinbar schwer es einem ergehen mag. Man denkt, es steht auf der Stirn geschrieben und jeder würde es einem ansehen, wenn es einem schwer fällt. „Warum guckt der mich so an?“ „Lacht der jetzt über mich“ „Nein, natürlich nicht. Er kennt Dich gar nicht. Das ist ganz normal“. Findet dann die innere Unterhaltung statt. Und für die da draußen, bist Du nicht mehr als ein vorbei streichender Mensch. Der nicht beachtet wird oder auch doch, weil man ihn vielleicht sogar sympathisch findet. Das ist das Problem an psychischen Krankheiten. Sie finden nur im Verstand statt. Und können die ganze Wahrnehmung, die Deutung der Wirklichkeit und Realität vollkommen absurd verändern. Bis man sich nicht mehr ohne Weiteres zu Recht findet und den Weg zurück mühsam üben muss.

Ich merke, dass die neue Art zu schreiben, wie in einem Tagebuch, mir sehr gefällt. Es ist befreiend, einfach niederzuschreiben, was einem durch den Verstand fließt. Und natürlich ist es ein provokantes Thema, Psychiatrie Tagebuch. Eins, durch das ich mich oute, nicht ganz normal zu sein. Wer meine Texte so im Groben so Einige gelesen hat, der vermutet vielleicht sogar, dass ich nicht ganz normal sein kann. Auf jeden Fall anders im Denken und Schreiben manchmal. Und ich finde es nicht schlimm, mich so ins Abseits zu stellen. Ich sehe das als Beweis an, dass man auch auf eigene Weise verrückt sein kann und trotzdem Glanzleistungen im Versand erreichen kann, die vielleicht sogar über den Durchschnitt hinausgehen. In gewisser Weise arbeite ich so gegen Vorurteile, in dem ich mich mit all meinem Wissen dahin stelle und zugebe, dass auch ich so die eine und andere Diagnose habe. Und obwohl ich von der Oberflächlichkeit als verrückt abgestempelt werden mag, weiß ich doch mehr als der normal Bürger, der sich nie Gedanken macht. Und trotz all meinem Wissen, bin auch ich nicht gegen eine Krankheit gefeit. Sie kommt, sie geht. Und mit Medikamenten, falle ich im normalen Leben nicht einmal auf. Bin sogar Führungsperson im normalen Job, den ich auch weiter ausüben werde. Das soll es aber für heute morgen mal gewesen sein. Ist ja schon Einiges zusammengekommen. Danke fürs Folgen in den Zeilen. Bis zum nächsten Artikel. 🙂

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