18:43 – Unzufriedenheit macht sich breit – Psychiatrie Tagebuch

 

Ich bin erst ein paar Stunden zurück und schon fehlt mir mein freies Leben wieder. Zu tun oder lassen zu können, was man eben will. Sicher, auch hier bin ich nicht eingesperrt im eigentlichen Sinne, aber schon beschränkt in der Eigenbestimmung. Ich muss mich abmelden, wenn ich rauchen gehen will, dampfen tue ich eher im Moment. Und ich kann nicht frei irgendwo hin gehen, wonach es mir beliebt. Mal abgesehen davon, dass es gerade regnet und ich sowieso keine Lust hätte jetzt raus zu gehen.

Ich denke, es herrscht eine allgemeine Unzufriedenheit mit der Situation vor, die sich in der Konzentration auf solche Kleinigkeiten eben zeigt. Ich bin so weit entlassen zu werden und es störte mich bereits, dass ich doch wieder hier hin zurück musste. Würde es nach mir gehen, würde ich morgen bereits wieder in das freie Leben treten. Aber es geht eben nicht nur nach mir. Ich muss mich mit Ärzten und Therapeuten absprechen. Und das nervt schon etwas. Nicht freibestimmt handeln zu können.

Es nervt mich etwas, dass überall jemand herum wuselt und auch mit mir sprechen will. Sicher, ich bin auch sozial, aber ich habe meine Momente, wo ich die Zeit für mich alleine bevorzuge. Und die ist hier nicht gerade oft verfügbar. Immer ist jemand hier, immer will jemand reden, was erzählen, Informationen teilen oder auch nur Langeweile vertreiben.

Morgen habe ich Oberarztvisite und kann meine Entlassung ansprechen. Ich hoffe und rechne mit dem kommenden Mittwoch oder spätestens Donnerstag/Freitag. Dann war ich schon an die 6 Wochen hier und irgendwann ist es auch dann genug. Vor allem, wenn ich Symptomfrei bin. Stabil und auch sonst konzentriert in die Welt hinaus agiere.

Ich bin momentan etwas unzufrieden mit der Situation. Gerade erst hatte ich die freie Welt wieder und musste sie schon wieder verabschieden, mich quasi einschränken lassen in meinen Rechten. Sicher, außer der Vernunft zwingt mich keiner dazu. Und ich könnte auch nach vorne gehen und mich einfach entlassen lassen. Gegen ärztlichen Rat kann ich sofort gehen. Immer und jeder Zeit. Dafür bin ich auf der offenen Station. Ich habe dies vor 4 Wochen auch gemacht. Mich selber entlassen lassen und bin dann 3 Tage später doch wieder gekommen, weil ich eben akut war. Und irgendwie will ich diesen Schritt nicht schon wieder gehen. Sicher, diesmal bin ich stabil und werde mit Sicherheit nicht wieder kommen. Aber trotzdem hält der Anstand und die Vernunft mich noch zurück.

Normalerweise bin ich ein sehr positiver Mensch. Aber im Moment bin auch ich mal etwas negativ angehaucht. Die Kranken auf dem Gelände stören mich etwas. Die Klinik allgemein ist ein Ort im Moment, wo ich mich jetzt bereits schon nicht mehr sehe. Aber ich muss noch ausharren bis morgen und hoffen, dass ich bald entlassen werde. Schön wäre so bald, wie ich es mir erhoffe. Geplant ist im Anschluss dann Tagesklinik. Zeitnah, so, wie sich es einrichten lässt. Solange harre ich halt noch etwas aus. Versuche mich in Ruhe und Gelassenheit unter der Glocke der erzwungenen Ruhe und Abgeschiedenheit.

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