Wenn eine Freundschaft zur Last wird – Psychisch Kranke im Freundeskreis

Freunde sind dazu da, einen zu unterstützen, mit einem die Zeit zu verbringen, vielleicht auch durch dick und dünn zu gehen. So sollte es sein, aber nicht immer ist es so. Dann wird ein „Freund“ zur Last und man trägt am Kontakt mit ihm schwerer, als ohne ihn. Kommt noch hinzu, dass er psychisch krank ist, und in Phasen wirklich anstrengend ist (z.B. durch emotionale Erpressung), dann werden die verstreichenden Jahre einen vielleicht dazu bringen, dass man den Kontakt überdenkt. Sicher, man versucht immer wieder. Und über Jahre hinweg wird man es mit sich mitschleppen. Aber irgendwann wird man den Entschluss fassen, das es reicht und den Kontakt auf Eis legen. So, wie es auch mir ergangen ist.

Die reine Bloggerei

Ich habe vor, auf meinem Blog ein paar Änderungen einzuführen. Bloggen ist an für sich ja so etwas wie Tagebuch führen. Ich persönlich habe es ja so gehalten, dass ich meine Freischreiberei hier publiziert habe, vielleicht ein paar Gedanken, aber mir persönlich fehlte das reine Ungeordnete, Echte, Persönliche, freie Schreiben. Und das habe ich vor, wieder zu machen. Dies als kleine Ankündigung. Ein bisschen mehr aus meinem Leben, mehr authentisches, mehr konfuses Echtes. Wir werden sehen, wie ich dies umsetzen kann, wie es sich dann im wahren Alltag auch einlebt.

Aber zurück zum Thema.

Die belastende Freundschaft

Ich will nicht zu sehr aus dem Nähkästchen plaudern, mir ist ja bewusst, dass es im Internet steht und für jeden so eingelesen werden kann. Aber dennoch will ich ein paar Gedanken hier sortieren und sie für mich persönlich so ordnen. Und vielleicht ist für den Einen oder Anderen auch dann etwas dabei, wo er nachempfinden, sich einfühlen kann und den einen oder anderen Gedenkanstoß gibt. So viel zum Rahmen.

Wann wurde die Freundschaft zur Last?

  1. Wurde sie es, als ich erkannte, dass ein „Freund“ sich hinter der psychischen Krankheit versteckt? Sie immer wieder als fadenscheinigen Grund vorschiebt, um keine Verantwortung zu übernehmen oder sogar Mitleid dafür erwartete? Wenn er sie als Freifahrschein ausnutzte, um sich einfach alles zu erlauben? Sogar beleidigend und ausfallend zu werden? Nur, um hinterher dann wieder anzukommen und auf Mitleid und Vergebung zu hoffen? „Ich kann ja nicht anders, das musst du verstehen. Ich bin ja krank. Und alles was ich tue, muss auch damit begründet und entschuldigt werden.“
  2. Wurde sie es, als ich erkannte, dass dieser „Freund“ gar nicht in der Realität lebte. Dass er sich Traumschlösser erbaute, rosarote Welten in seinem Verstand produzierte und diese als seine Zukunft anzielte. Nur, um phasenweise immer wieder etwas Neues zu produzieren? Nichts hielt Woche, Monate. Es musste immer wieder etwas Neues her, da er ein Loch in seinem Innern hat, einen Hunger, den er nicht stillen konnte, da er keine Bestimmung, keine Erfüllung, keine Aufgabe in seinem Leben hatte. Und immer wieder zog er sein Umfeld mit da hinein. Immer wieder erzählte er von neuen Ideen, die er sich wieder ausreden ließ, oder nur sogar Tage hielten, bis etwas Neues aufkam.
  3. Wurde sie es, als ich erkannte, wie krank dieser „Freund“ wirklich ist? Als alles darin gipfelte, dass ein Kontaktabbruch ihn vollkommen aus der Bahn warf? Sicher, ich war für ihn da. Zuerst hatte ich so etwas, wie mich einfühlen können. Dann ist er halt emotionaler und es wirft ihn aus der Bahn. Aber mit den Jahren wurde es dann immer kränker. Er sah nur noch die Vergangenheit und diese eine Person. Dabei malte er sich die Vergangenheit rosarot und die Zukunft wurde als Erfüllung all seiner Träume, in dem er etwas tut, als glänzender Held und diese Person dann wieder ankommt und man sich wieder verträgt. Wobei nie Streit bestand, nur in seinem Verstand. Einfach ein normaler Kontaktabbruch, wie er in jedem leben nun mal vorkommt. Dann gesteht er, dass er in sie verliebt sei, dann wieder nicht und nur Freundschaft. Und nichts Anderes hat noch Wert, als das, was diese Person über ihn denkt. Auch wenn sie gar nicht mehr an ihn denkt, über ihn nachdenkt, da das ganze schon Jahre her ist und nichts als Vergangenheit. Aber das sieht er nicht, kann er nicht leben. Und so hängt er fest. Die Vermutung Liebeswahn habe ich da schon sehr lange und die ewige Gegenwart trifft auch auf ihn zu.
  4. Wurde sie es, als ich die Kollision unserer Leben bemerkte? Sicher, ich habe auch mein Päckchen zu tragen und mitunter sehr groß sogar. Wer ist schon normal? Aber ich habe einen Job in Führungsstellung und stehe meinen Mann, was auch immer anliegt oder egal wie es mir geht. Und dann zu sehen, dass er sich nur krank meldete, weil er mal nicht gut schläft. Oder sich nur noch krank meldete und die psychische Krankheit wieder als Grund vorschob. Sicher, ich bin kein Unmensch. Es kann sein, dass es einem mal nicht schlecht geht. Und im Notfall meldet man sich dann auch mal krank. Aber es gar nicht erst zu versuchen, sich direkt der Schwäche hinzugeben und jeden nur seichten Grund zu benutzen, um eben keine Leistung bringen zu müssen und Nachsehen und Mitleid zu erwarten. So eine Person kann ich nicht akzeptieren, gerade, da ich so vollkommen anders bin. Ich leiste noch, egal, wie es mir geht. Und beiße mich dann auch durch. Aber das ist auch eine Folge meines schweren Lebens, das ich hatte. So viel nur am Rande.

Psychisch Kranke als Freunde

Man kann nicht alle über einen Kamm scheren. Es gibt da draußen sehr Viele, die sich Tag ein und Tag aus abmühen. Mit sich selber kämpfen, um sich ihren Platz in der Gesellschaft zu verdienen. Und jedem geht es mal schlecht, das kann nicht anders sein. Aber wenn jemand für ein anderes Leben zur Last wird? Wenn er etwas lebt, was man selber nicht mal ansatzweise akzeptieren kann? Wenn er nicht einmal versucht, etwas zu leisten? Und auch noch durch emotionale Erpressung andere versucht da hinein zu ziehen?

Psychisch Kranke sind zumeist ein sehr nettes Volk. Denn sie wissen, wie es ist selber leiden zu müssen. Sie verstehen, woran man zu tragen hat. Und im stillen Einverständnis nickt man sich auch zu. Aber es kann auch sein, dass sie eben zu einer Last werden. Und dann muss man ganz objektiv als auch subjektiv die Entscheidung treffen, ob man bereit ist, diese zusätzliche Last zu trage, ertragen. Es erinnert schon fast daran, als wenn man ein Kind zusätzlich hätte. Sieht man, dass das Kind an sich arbeitet, dann ist man gerne bereit auch unterstützend zu helfen. Aber sonst?

Eine langjährige Freundschaft

Ich persönlich musste jetzt die Entscheidung treffen eine langjährige Freundschaft zu beenden, da sie mir nicht gut tat und mich nur emotional als auch geistig zu sehr forderte. Man muss an erster Stelle auf sich selber achten und dass man selber nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Erst kommt man selber und dann alle Anderen. Denn hat man diese Fürsorge nicht für sich selber, so kann man auch nicht für Andere da sein.

Und psychisch Kranke in meinem Umfeld? Ich habe noch Einige, die nicht so anstrengend sind. Die ihren eigenen Kampf Tag für Tag kämpfen. Und doch werde ich in Zukunft sehr vorsichtig sein, wen ich in mein Leben hinein lasse. Wobei es in diesem Fall auch Jahre gedauert hat, bis alles in Untragbarkeit gipfelte.

Wie seht ihr das? Habt Ihr auch solche Erfahrungen machen müssen? Habt ihr so jemandem in eurem Freundeskreis? Was denkt Ihr über psychisch Kranke allgemein? Lasst mich gerne an Euren Gedanken teilhaben. Bis zum nächsten Eintrag meines Online Tagebuchs eigener Gedanken, Welten, Erleben.

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