Kurzgeschichte

Bloodshot

Er sprang auf das nächste Dach und konnte sich in letzter Sekunde am Kamin
festkrallen, bevor er gestürzt wäre. Kein angenehmes Missgeschick.
Vor allem, da es dem Anschein nach, sein letztes gewesen wäre. Es ging mehrere
hundert Meter in die Tiefe und endete dort auf Kopfsteinpflaster.
Er suchte sich einen festen Stand auf der Höhe des Schrägdaches und kauerte sich
hinter den Kamin. Ein Blick daran vorbei, noch waren sie nicht zu sehen.
Er ließ das Magazin aus der Waffe gleiten und schob ein Neues nach. Kurz den
Bolzen zurückgezogen und sie war wieder einsatzbereit. Er fühlte sich mit der Waffe
sicher. Aber er war sich auch im Klaren darüber, dass es nur Einbildung war.
Dieser ganze Auftrag war der größte Fehler seines Lebens gewesen.

Blutdurst in Ewigkeit

Sie kommen. … Nicht, dass es ungewöhnlich wäre. Es passiert einfach zu oft und sie kommen immer wieder. Nicht die Gleichen, immer Andere. Aber eines haben sie alle gemeinsam. … Ihr Ende.

Sie betreten den Hauseingang, leise und schleichend mit gezogenen Waffen. Sie sprechen kein Wort, kein Flüstern. Selbst ihre Atmung unterdrücken sie. Doch es ist unnütz, auch wenn sie es glauben. Die zehn Stockwerke, die ich mich über ihnen befinde, trennen meine Sinne doch nicht von ihnen. Ich höre selbst hier ihr Herz, das Strömen, das mich so sehr ruft. Es drängt mich und nagt an mir, sie zu nehmen. Ein paar Sekunden nur und es wäre mein. Die Gier würde verstummen, …für eine kurze Zeit.

Die Gefallenen – Nephilim

Die Klingen sausten hernieder, benetzten den grauen Asphalt mit dieser rotglühenden Flüssigkeit. In Rinnsalen, kleinen Flüssen der verendenden Leben suchte es sich den Weg hinab zu den Gullis. Tief in den Unrat, in den Dreck dieser Zivilisation, die obwohl im Höchsten ihres Schaffens, sich niemals des Abfalls, erwehren konnte. Wie ein Gegenspieler zu der höchsten Natur im strahlenden Sonnenschein, sammelte es sich dort. Die verdreckten, beschmutzten Produkte, die des Abfalls und viel mehr des Vergessens noch würdig waren.

Des Todes Reiter

Es ist gut, wie es ist“. Ein Satz, den man mir oft sagte. Wie einer Beschwörung gleich, wurde er immer und immer wieder wiederholt. Anfangs zweifelte ich. Wie konnte es auch anders sein?

Als kleiner Junge fand man mich. Zerrte mich aus den Dunkeln der Gassen, die mein ZuHause geworden waren. Kämpfen um zu überleben. Nur der Stärkere gewinnt. Die Schwachen? Das waren die, die erwischt wurden. Auf dem Marktplatz ausgepeitscht, mit faulen Äpfeln beworfen und dem Sabber des Unrates beschmutzt. Glücklich konnten sie sich dann schätzen, wenn man sie danach gehen ließ. Dies war die Welt meiner Geburt, die Welt meines Kampfes und das Buch, aus dem ich das Schweigen lernte.

Blutroter Moment

Die Nacht ist mein Gefährte. Ich bewege mich in ihr und mit ihr und sie durchströmt meine ganze Existenz. Das schwärzeste Schwarz ist mein Sein, mein Ursprung, der Kern meines Innersten. Nein, ich bin nicht verloren, wie Du dies nun annehmen magst. Ich bedaure es nicht mal, kenne es nicht anders. Es ist so, es war so, schon immer. Ein immer, das bereits seit Jahrhunderten andauert.

Wie sich die Jahrhunderte drehen und Jahre abspielen, so bleibt die Welt für sich davon unberührt. Sicher, die Oberfläche ändert sich im Strom der Gezeiten, passt sich an und verändert sich, aber bleibt im Groben doch gleich. So, wie auch ich es tue. Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt. Ich beobachte, schmiege mich an, an den Fluss der Menschen, der über diese Welt nur streift. Aber auch ich nur, bleibe doch immer gleich. Das Einzige, das mich kettet und bindet als auch verpflichtet, ist nur das Blut. Der Durst danach, die Suche, die Jagd und dann das erfüllende Trinken. Ich bin ein Jäger, ein Raubtier, der ewig Durstende und werde niemals gänzlich satt. Auch das bedaure ich nicht, denn es gehört zu mir, ist auch ein Teil meines Seins.

Zur schwarzen Nacht

Der Wind fegt durch die Gassen, wirbelt umher, treibt hinauf und lässt dann hernieder. Leise säuselnd folgt er seinen Pfaden durch die menschenleeren Gassen. Ausgestorben, ein Niemandsland, so erscheint nun diese Stadt. Die letzten erleuchteten Fenster dimmen ihr Licht herunter und dann löschen sie es ganz. Das Schweigen, die Stille und ebenso das Dunkel der Schwärze, bestimmen nun diese Stadt. Vereinzelt leuchten die Straßenlaternen für den einsamen Wanderer, der übrig geblieben, verspätet und eilig seinen Pfad nach Hause sucht und letztendlich auch findet. Ein Schlüsselklappern, das harte Knacken des Schlosses und nachdem die Tür ins Schloss fällt, die erneute alles beherrschende Stille.

Vom weißen Reiter

Schnaubend senkte sie ihr Haupt hernieder, stupste ihn sanft in die Seite und er konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. Er schickte die Gedanken zurück in den Kerker des Innern und wandte sich seinem liebsten Gefährten zu. Beruhigend streichelte er die Stute und ging dann um sie herum, um sich auf den Sattel zu schwingen.

Alien Vasion

Er blickte wie immer auf die Monitore. Es war unnütz, das wusste er. Aber er konnte sonst nichts tun, als nur zu beobachten. Es gab nichts zu sehen. Wie immer, bildete sich draußen die Silhouette an Bergkratern ab. Gespenstisch, mehr in Dunkelheit, denn noch in Helligkeit getaucht. Noch taten die Scheinwerfer da draußen ihren Dienst. Höchstens die Hälfte konnte noch intakt sein. Seit ihrem letzten Angriff waren höchstens 20 Minuten vergangen. Aber es war kein Angriff gewesen. Keine faire Schlacht. Es war ein Spiel mit der unterlegenen Beute.

Erwachen, neben ihr

Im Schlaf versunken, da liegt sie noch neben mir. Das Gesicht, von der Nacht gezeichnet. Turbulent, verwuselt, im Chaos die Haare, so würde sie es nennen. Und so bald sie sich räkelnd erhebt, wird der erste Griff der Hände, sich genau dort wieder finden. In den Strähnen der goldig blonden Haare, die jetzt noch vereinzelt bis in das Gesicht hineinfallen.

Die Maschine Betriebsamkeit

Ich bin die Maschine Deiner Existenz. Ich bin das Gerät, das aus Mehreren nur eine Einheit formt. Ein Teil, das sich dem Gebrauch nach Maschine schimpft. Du benutzt mich am Tage, zur Nacht und ebenso zur frühen Morgenstunde. So bin ich Dir zu Diensten und gebe Dir immer genau das nur, wonach Dir ist. Ich verlange nicht viel dafür. Nur Einiges, das zur Masse Du sowieso verschwendest. Die Reine an Energie, die Elektrizität, nicht mehr an Teilchen in Bewegung, die eben dieses nur wieder an mich transferieren. So bleibt Eines stehen und etwas Anderes produziert dafür.

Die Frau ohne Gesicht

Es mochte Jahrzehnte her sein, dass zuletzt ein Sterblicher ihr Gesicht gesehen hatte. Damals, zu Lebzeiten, als sie noch voll blühender Farbe gewesen war, da hatten sie die Männer verehrt. Sie waren ihr nachgerannt, hatten sie angebetet, angeschmachtet. Sie war das Gesprächsthema Nr. 1 der Stadt gewesen. Was sie tat, begehrte, vernichtete oder auch ignorierte …

Die Zeilen der hiesigen Presse verewigten nur Alles in jeder Kleinigkeit. Nun aber, konnten selbst Geister, Götter, Dämonen, Engel oder Teufel nicht mehr ihr Gesicht ansehen. Denn so, wie ihr Leben entschwand, ihr Ruhm durch Tod aufgelöst wurde, genau so, verlor sie ihr hübsches Gesicht.

Das Spiel einer Welt …

Sie nennen es Nacht, wenn die Finsternis sich ausbreitet. Die Sonne zieht ihre Bahnen in einen anderen Winkel, formt woanders das Schauspiel aus glitzernden Funken, das dann und auch wann eine Seele erleuchten lässt. Hier aber zieht auf, was Mensch Dunkelheit nennt. In den Schatten, in dunkelsten Ecken, wo ein Licht nur verkümmert sich blicken lässt, dort lauert das, was Träume gebären.

Das Chaos

Ich bin, ich werde sein und gleichermaßen, bin ich doch niemals. Ich war vor allem, bin dahinter und auch zwischendrin. Ich bin Macht, Potential, Quelle der größten Kraft und doch bin ich auch nichts davon. Ich beherberge das Alles, wie das Nichts. Das Dunkel, das Licht, die Schatten und jede an Farbe. Zeit, die besitze ich und doch auch wieder nicht. Keine Regel und gleichermaßen auch Alle. Ich bin, ich werde sein und ich war bereits.

Der Prinz der Dunkelheit

Ich lebe seit Jahrhunderten, seit Jahrtausenden. Vom Anbeginn der Zeit, mit der Entstehung des Lichtes, wurde ich geboren. Die Dunkelheit, die Schatten und die ewige Verdammung sind meine Heimat. Es stört mich nicht, Bedauern ist mir fremd. Denn so wurde ich erschaffen und anders sollte es auch nicht sein.
Ich habe alle Kreaturen dieser und jeder anderen Welt kennen gelernt und erleben dürfen. Jede kam ab und zu auf mich zu. Verfiel der Dunkelheit und fand sich an meinem Thron wieder. Manchem verlieh ich Macht, Andere benutzte ich, um sie ewiglich in meinem Reich zu verdammen.

Sie geht vorbei

Ein einziges Mal. Eine Ewigkeit, zur Sekunde geformt, die nicht länger mehr dauern könnt. Aber nicht ihr Dauern verzehrt mich, frisst sich mit würgendem Griff in meine Eingeweiden. Nein, es ist das Wissen: „Es geht vorbei.“ Und während die Zeit sich des Vergehens schuldig macht, so nimmt es sie auch wieder mir. Ein Herr der Zeit? Ich würde meine Seele dafür verkaufen. Man fragte mich aber nicht. Ließ mir keine Wahl, sondern stahl mir im Preise der Sekunde, mein Höchstes, das nun in heißesten Flammen nur lodert: Mein Herz. Es ist ein Preis, sowie Lohn, der mir doch nur die Belohnung vorenthält. Die Erfüllung meiner Träume, das Sehnen und Begehren, das mich des Nachts mit Bildern hin und her wälzen lässt. Und wie der Traume mir am Anbruch des Tages mir nur immer entschwindet, so tut es auch sie, … in nur einer Sekunde, die am Tage meine Ewigkeit nur wird. Eine Ewigkeit, auf die ich vom ersten Tageslicht an schon warte.

Aeternita – Die Scheinwelt zur Freiheit

Ich guckte noch einmal nach, ob ich auch alles eingepackt hatte. Ich öffnete meinen Rucksack, Arbeitsklamotten, Schlüssel, was zu trinken. Alles dabei. Eine Angewohnheit von mir. Bevor ich die Wohnung verlasse, egal, wie sicher ich mir bin, ich muss es einfach immer überprüfen. Ich schlüpfte in die Jacke, zog den Schlüssel von der Tür ab, schwang sie auf und warf noch einen Blick zurück.

Überweisung – Geld in die Liebe

Ich öffnete die Tür. Ging nach links, zum ersten Terminal. Das einzige hier, so wie es aussieht. Ansonsten gab es hier nur noch zwei Automaten zum Geld abheben. Vor einem stand ein Mann. Er guckte gespannt auf den Monitor. Drückte eine Taste. Eine Schweissperle rann ihm die Stirn herunter. Er wischte sie weg. Es war eigentlich nicht zu warm hier. “Vielleicht hatte er nicht genug Geld für diesen Monat? Zwei Wochen waren noch zu überstehen. Er bangte sicher darum, wie er die nächsten Wochen aushalten sollte. Zu Hause wartete bestimmt seine Frau, vielleicht mit zwei Kindern?