Momente

Das Haus verblasster Erinnerungen

Die Spinnweben der Vergangenheit verzieren das morsche Holz. Die Nacht der Einsamkeit erfüllt den Himmel. Ab und an da krächzen die Begleiter des Nachrufes in die weite Ferne. Wecken auf, aus der Trance verhüllter Erinnerung. Die Besucher dieses Gebäudes graben nach den Geistern der Vergangenheit. Voll bangem Schrecken begeben sie sich in dieses alte Haus, wissend, dass dort nur nichts Neues zu finden ist. Nur die Ängste von längst Verblasstem. Nur der Schatten einer einstmals lebendigen Seele. Und dennoch können sie sich selber den Eintritt nicht verwehren. Sie müssen graben und forschen in dem, was vergangen ist. Vielleicht nur, bringt es die eine Wahrheit zustande, die die aktuelle Realität ihnen noch verbirgt. Und so suchen sie in den Schatten, in der Dunkelheit, nach dem eigenen Licht. Dem Verstand nach, müsste es so leichter zu finden sein. Aber was sich hier präsentiert, ist der Friedhof der längst vergessenen Vergangenheit. (mehr …)

By Bruno Schelig, ago
Brainiac

Hauch an Erinnerung

Versuchen Sie einmal, eine Erinnerung, von einem Abend bis zum nächsten fest zu halten. Genau so lebendig, wie Sie sie eingefangen, aufgenommen haben, flüssig zu halten. Mit etwas Übung ist dies theoretisch möglich. Je nachdem wie wichtig, wie bedeutend, wie nahe gehend, fällt dies leichter, da es im Innern mit den entsprechenden Emotionen verbunden ist. Dazu kommen dann die schönen, manchmal schnöden und auch nervigen Einflüsse, die mancher einfach als Leben bezeichnen würde. Als den Trott, in dem wir Menschen nun mal gefangen sind. Ein Spaziergang durch die Stadt mit offenen Sinnen und Ihnen begegnen als erstes Gesprächsfetzen in jeder Facette. Manchmal aufgeregt, manchmal ruhig und betörend. Ein anderes Mal dagegen erheitert im Sing Sang eines Gelächters. Man nehme die Miene dazu, die Augen sprechen zu meist von alleine und sogleich kommt ein nächster Hauch der Geschichte eines fremden Lebens, das Sie nur in Sekunden streiften, dazu. Die Haltung, die Gestik, der Blick und die Miene. Im Strom durch den Bahnhof, auf dem Weg in die Stadt an einem Geldwochenende, ließe sich so ein Buch aus Schicksalen, aus Leben, aus Momenten schreiben, dass nur einen Schnappschuss der Stadt, eines Weges, eines kurzen Momentes einfängt. Und doch wäre es so mitunter an die 400 Seiten lang. So verlangt unser Alltag als Erstes das Vergessen, das Übersehen, das Wegsehen und vor allem die Ausblendung, das Ignorieren. Ihr Unterbewusstes, die gerade nicht bewusste Wahrnehmung, macht dies von alleine, würde sie sonst im Wust der empfangenen Emotionen einfach explodieren, an fast nur unnützen Informationen überschüttet werden. Wenn Sie wollen, probieren Sie es einfach mal auf. Fangen Sie auf, nehmen Sie auf, jeden Eindruck, jeden Gesprächsfetzen, jedes Bild und vielleicht noch die Miene, die Emotionen verewigt. Einmal und dann mit Sicherheit nie wieder, das verspreche ich Ihnen. Automatisiert blenden wir aus und sehen gar nichts erst, der altbekannte Tunnelblick hat so seinen eigenen Sinn. (mehr …)

By Bruno Schelig, ago
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