Pretender – Die Persönlichkeitsstruktur für alles Wissen – Rollen erschaffen

Wenn ich alles sein kann, die Rolle jedes Menschen annehmen kann, jedes Leben leben kann, habe ich dann nicht unbegrenzten Zugriff auf alle Erfahrungen? Und im Zuge aller Erfahrungen auch alles Wissen, dass aus den Erfahrungen jedes Menschen resultiert? Muss ich, um eine Technik zu beherrschen, die Technik an sich lernen oder eher anfangen zu denken, wie die Menschen dahinter, die diese tagtäglich durchführen? Könnte mir das Begreifen der Persönlichkeitsstruktur eines Individuums gleichermaßen auch Zugiff auf all sein Wissen ermöglichen? Alle Erfahrungen, die er machen wird, die er schon gemacht hat?

 

Ich weiss, ein Gedankengang, der etwas verquer schon fast verrückt zu sein scheint. Also lassen Sie uns langsam anfangen. Danach verstehen Sie unter Umständen meine Gedankengänge und die Schlussfolgerungen.

 

Um Ihnen verständlich zu machen, was ich mit den Thesen bezwecken will, wohin meine Überlegungen führen, müssen wir leider ein paar Umwege gehen.

Ist der Begriff Pretender Ihnen ein Begriff?

Bekannt sein dürfte er durch die gleichnamige Vox Serie. Ich habe Sie damals selber gerne gesehen, ob sie jetzt noch läuft, weiss ich leider nicht. Hier kurz ein Trailer, damit Sie mit der Materie vertraut werden:

Das sagt wikipedia zum Thema:

Zitat:

Pretender ist eine US-amerikanische Fernsehserie. Sie handelt von dem hochbegabten Jarod, einem von einer geheimen Organisation namens Das Centre gefangen genommenen Jungen. Seine Begabung äußert sich vor allem darin, dass er sich in jeden Menschen hineinversetzen kann, also auch vorgeben (englisch: to „pretend“, daher „Pretender“) kann, sie zu sein. Im Centre werden seine Fähigkeiten für die Durchführung verschiedener Experimente benutzt. Als er erwachsen ist, gelingt es Ihm jedoch auszubrechen. Er hilft jetzt den Menschen bei ihren Problemen und sorgt für Gerechtigkeit.

Eine schöne und interessant aufgemachte Geschichte. Aber das sind nur ein paar Infos für den Weg. Natürlich konnte ich keine stichhaltigen Beweise für die Richtigkeit und auch Hintergründe für reale Konsistenz finden.

Gehen wir in die Psychologie und deren Erkrankungen.

In der Borderline Erkrankung wird dies oft genannt. Diese Menschen haben die Fähigkeit, ihre Umgebung zu kopieren, Rollen anzunehmen, um nicht aufzufallen. So authentisch, dass es für real erkannt werden könnte.

Narzisten und Soziopathen, (antisozialen PS,dissozialen Ps….,) kann man diese Fähigkeit auch getrost zusprechen.

Etwas gravierender wird es da schon bei der multiplen Persönlichkeit. Sie zeigt uns beispielhaft, dass es möglich wäre, mehrere ausgeprägte Persönlichkeiten nebeneinander zu haben. Einziges Manko: Die fehlende Kontrolle.

Aber wenn wir das auf der Pretender – Schiene sehen, muss man nur die Persönlichkeit verstehen und eine beispielhafte Charakterstruktur erschaffen, nicht einen Menschen kopieren.

Was macht also einen Menschen und seine Persönlichkeit aus?

Sie sagen jeder Mensch ist einzigartig?

Ich sage: Nein, ist er nicht! Sicher, in der Charakterbildung kann man von einer einzigartigen Entwicklung sprechen. Aber ein Mensch, eine Persönlichkeit, die genauso aufwächst wie eine als Beispiel genannte Persönlichkeit, wird sich genauso entwickeln, wenn sie an Kernereignissen die gleiche Entscheidung trifft.

Danach folgt nur ein Weg, der eigentlich voraussehbar ist.

Was ist es also, was eine Persönlichkeit ausmacht?

Lassen wir die Kindheit jetzt einfach weg. Sicher, hat sie grossen Einfluß auf Menschen. Aber man braucht nur bestimmte Ereignisse zu kennen ,um jemanden zu verstehen, nachzuvollziehen, wie er denkt.

Das familiäre Umfeld, der gesellschaftliche Status, die Bildung, das sind Steckpunkte um den Rahmen einer Persönlichkeit.

Schauspieler, Schriftsteller machen so etwas oft und ständig. Sie versuchen zu fühlen und zu denken wie jemand anders. Wenn der Einstieg funktioniert,kann diese Rolle weitergefüllt werden und erwacht zum Leben. Sie entwickelt sich weiter und wird zu einem echten Abbild einer eigenständigen Persönlichkeit.

Ich weiss, Sie verstehen noch nicht den Sinn des Artikels, wo er Sie hinführen wird. Aber Geduld.

Als erstes nehmen wir uns einen Beispielmenschen, eine Rolle.

Psychologe bietet sich an. Was meinen Sie?

Er hat studiert, sich seine Stellung verdient und nach jahrelanger Arbeit sitzt er endlich auf seinem Stuhl und hat seinen Status.

Nehmen wir an, ich wollte einfach aus Jux und Spass heraus ein Psychologe sein. Denken wie er fühlen wie er und vielleicht noch sein Wissen besitzen.

Sie könnten jetzt anfangen, etliche Bücher zu lesen, Lexika, dicke Wälzer. Wenn Ihnen dabei nicht die Lust vergeht, wenn Sie dabei nicht einschlafen, herzlichen Glückwunsch. Sie sind kein Psychologe und das Wissen ist zu trocken.

Was machen Sie also?

Sie suchen sich Ihre “Eckdaten”. Sie suchen sich Momente, in denen Sie einsteigen können, in die Rolle, in die Persönlichkeit.

  • Sie stellen sich vor, wie ein Psychologe eine Patientin vor sich sitzen hat. Wie er sich die Geschichte, all das Leid anhört.
  • Dabei geht er im Verstand die verschiedenen Kriterien durch, durchforstet die Bücher, nach Diagnosekriterien, nach Ausschlussverfahren.
  • Er versucht sich in seine Patientin einzufühlen, zu verstehen, muss dabei aber eine emotionale Grenze ziehen. Private Gefühle dürfen keinen Einzug haben.
  • Er ist ein Übertragungsprojekt. Sein Gegenüber projeziert Erlebnisse und ihre Gefühle dazu auf einen selber. Diese muss er wahrnehmen und verstehen.
  • Er sieht in den Menschen mehr als Andere. Ihre Verhaltensweisen, ihre Denkweise, sind Folgen einer erlebten Vergangenheit, ob nun schlecht oder auch nicht.
  • Er kann im Gesicht von Menschen lesen, welche Regungen, Gefühle werden zu unterdrücken versucht.
  • Seine Motivation. Wie muss ein Mensch denken, der sich von sich aus, der Arbeit verschreibt, anderen Menschen in ihren Krisen zu helfen.
  • Warum hat er den Job gewählt? Erfahrungen in der Kindheit? Höhere Ziele? Jemanden der gestorben ist, dem er nicht helfen konnte? Wiedergutmachung?
  • Das Eheleben. Wohnt er alleine, ist geschieden? Kriselt es? Wegen Anrufen von Patienten mitten in der Nacht? Ist er außer auf der Arbeit sozial verarmt?
  • Ist er ein Einzelgänger?
  • Welchen Weg ist er gegangen? Privatpraxis? Psychatrie oder Forschung?
  • Freunde, Familie. Verachten oder bewundern sie ihn? Musste er sich gegen Widerstände durchsetzen, um den Beruf zu erreichen?

Ich kann diese Liste fast unendlich fortführen. Dabei müssen Sie keine Antworten auf diese Fragen finden. Sie müssen nur verstehen, warum und weshalb diese Person so ist. Die Antworten entstehen in Ihrem Verstand. Dadurch wird diese Persönlichkeit zur Form, sie wächst und bekommt Gestalt. Vielleicht könne Sie jetzt schon zu Ihr werden?

Aber jetzt brauchen Sie etwas Fachwissen. Sie lesen und überfliegen Texte. Und als Ihre unfertige Persönlichkeit können Sie schon differenzieren, was interessant ist und was nicht. Sie selektieren. Ihre Wahrnehmung ändert sich demetsprechend, wie Sie denken und etwas sehen wollen.

Filme, Bücher und gerade Kurzgeschichten bieten Ihnen Momente, in denen Ihre Persönlichkeit sich in Ihrem Verstand entfallten kann.

Als diese Persönlichkeit fällt es Ihnen nicht schwer, ziemlich schnell alles Wichtige als Psychologe zu lernen. Denn Sie sind es schon.

Sie spielen Rollen in Ihrem Leben. Ehefrau, Mutter,Ehemann, Tochter,Angestellter,Chef,Student etc..

Sie machen es schon Ihr ganzes Leben, dass Sie sich definieren. Nach den Umständen, Ihren Freunden, Beziehungen.

Meinungen, Sichtweisen ändern sich je nach Lebensabschnitt. Sie definieren sich nachdem, was Andere von Ihnen erwarten. Und das sehr gut.

Verstehen Sie die Sichtweisen, die äußeren Einflüsse Ihrer Person, so können Sie auch andere Personen verstehen.

Sie könnten sich selber als das definieren, was Sie möchten.

Vielleicht haben Sie verstanden, was ich mit dem Artikel bezwecken wollte?

Sie auf Ihr Ich hinweisen. Es muss nichts und Sie können alles werden, als das Sie sich definieren. Vielleicht brauchen Sie dafür eine psychische Vorbelastung? Na ja, fast kein Mensch ist in den Augen der Psychologie vollkommen gesund. Wir tragen alle unseren Rucksack. Ob klein oder gross.

Aber was ist das mit dem Pretender?

Eine Persönlichkeitsbeschaffung, die jede Rolle annehmen kann. Nur Training behaupte ich.

Ein andere Gedanke kam mir zu dem Thema. Deswegen auch die Überschrift.

Wenn ich jeder Mensch sein kann, habe ich dann nicht Zugriff auf alles Wissen?

Wissen wurde von Menschen aus Erfahrungen heraus gebildet und niedergeschrieben. Kann ich jetzt jeder Mensch werden, so kann ich doch auch jedes Wissen erschaffen? Das heisst, die ultimativen Erfahrunge, das ultimative Wissen würde ein Pretender besitzen, der schon alles einmal war? Schade, dass es ihn nicht gibt, kann man da sagen. Ich habe auf jeden Fall keine Spur gefunden.

Dieser Text bietet viel Material zum Diskutieren, machen Sie es ruhig. Auch wenn es nur ist, dass Sie es vollkommen abwegig finden, was ich schreibe.

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