Muss man alles wirklich teilen? – Schnappschüsse aus Erinnerung

In der heutigen Zeit ist es schwer, nur was für sich alleine zu machen. Einen Moment auszukosten, ohne ihn mit aller Welt zu teilen.

Es ist einfach und es geht verdammt schnell. Mal eben das Eis fotografiert, ein Selfie mit Partner oder Gegenüber und dann ab damit in die sozialen Netzwerke mit entsprechenden Hashtags. Dann darf man sich über Kommentare und Likes als auch Follower freuen.

Dabei sind diese Likes ohne entsprechenden Wert oder Gegenwert und nur fadenscheinig kostbar. Erst im Vergleich mit Anderen fühlt man sich „Fame“ oder als Influencer mit entsprechender Followerzahl.

Und echtes Geld?

Das verdient man erst, wenn man sich auf Konsumart verkauft. Ein Produkt gegen Gegenwert anpreist oder auch irgendwelche Zusendungen bekommt oder bei YouTube entsprechende Followerzahl als auch Aufrufe erreicht.

Aber hat man diese magische Grenze der Monetanisierung überschritten, gibt es kein Zurück mehr. Das leichte Spiel mit der Aufmerksamkeit ist vorbei. Statt dessen nimmt Marketing und geschickte Vorgehensweise den Platz der Unbescholtenheit ein. Ein Stück weit hat man sich und sein Gedankengut verkauft.

Zurück zum Thema.

Heutzutage ist es ein Lob dem Gegenüber wenn man seine Aufmerksamkeit, seine Zeit nur ihm widmet. Sich nicht ablenken lässt von sozialem Geschehen eines schnell wechselnden Internets. Aus Stars und Sternchen, die in nächster Minute schon wieder out sein können und keiner mehr ihnen folgt oder HashTags zum Thema in der Versenkung verschwinden. Dem Detektiv gleich braucht man ein Gespür für aufkommende Themen, will man an vorderster Front mitschwimmen.

Dem Alltagssurfer ist das alles egal. Er will Promis und Sternchen, hübsche Frauen, die dem Himmel entstiegen zu sein scheinen und obwohl greifbar im Foto und Stream, doch in unerreichbarer Höhe schweben. Er tut seinen Teil dazu sie auf dem Treppchen zu halten, in dem er Fan Accounts eröffnet und sich über Likes von Gleichgesinnten freuen darf. Er kurbelt unbewusst die Maschinerie Konsum und Marketing an, in dem er ein Produkt Mensch zum Idol hochhebt, das der Normalsterbliche nur bewundern kann und brav das Merchandising kauft, auf dass er in der Vorstellung diesem Star ein Stück näher kommt, sich auch mal als Star fühlen darf.

Dabei spielt es keine Rolle, ob man Bilder oder Texte anpreist. Jeder will auf jeden Fall unbewusst die Follower und Likezahl steigen sehen. Das streichelt das unsichere Ego. Das festigt das schwammige Selbstbildnis. Und dann und wann, dann fühlt man sich Fame. Bis man bemerken muss, dass die Likes keine Rechnungen bezahlen. Auf jeden Fall noch nicht, wenn man sich nicht erfolgreicher Influencer schimpft und den oben beschrieben Weg beschritten hat.

Kein Like, kein neues Abo, kann eine wertvolle erlebte Sekunde aufwiegen. Aber andersrum betrachtet, kann ein Schnappschuss eines Momentes, die Erinnerung an Erlebtes festhalten, einfrieren. Wann auch immer man das Bild, ob bewegt oder unbewegt, betrachtet, erlebt, berührt es die Tiefe des Empfundenen dieses Momentes. Und das, die Tiefe der eigenen Bedeutung kann kein Like oder Follower ganz verstehen. Nur man selber kann es. Und so verkommt das egal welche soziale Netzwerk zu einem Bilderbuch der Schnappschüsse besonderer Momente, die ihren wahren Wert nur im eigenen Selbst verewigt halten und jeder Fremde sie nie so erfahren, sie nie so verstehen wird, wie man nur alleine selber.

Author: Nismion LeVieth

Schriftsteller, Schreiberling und kreative Seele. Des Sprechens niemals müde, des Schreibens nur in Liebe geknechtet, so gibt es Vieles, Manches noch mehr, im Namen der Dreien, die als dann nur Einer sind: Bruno T Schelig; B.T.Trybowski; Nismion LeVieth. Spuren, denen man folgen will, die findet man rein selber. Der Instinkt, an Neugier gebunden, er weist den richtigen Weg.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.