Liebeszitate – Liebespassagen aus „Legends of Kain“ alias „Der Urvampir Kain“

Im Laufe der Jahre habe ich viel über die Liebe auch geschrieben. Und so möchte ich hier einige Passagen zum Thema der Liebe, Verliebtsein etc. zum Besten geben. aus meinem ersten Buch aus dem Jahre 2012. viel Spaß beim Eintauchen. Und bei Interesse, man kann es gratis auf meinem Blog lesen. Einfach unter gratis lesen oben mal gucken. 🙂

Ein Scheppern riss mich aus meinen Gedanken und ich fuhr herum.
Eine braune Pfütze, die schon kleiner wurde. Eine dampfende Serviette, deren weiß verschlungen wurde, durch ein Schwarz.
Milchschaum, der leise knisternd einzog und verschwand. Das
Tablett lag auf dem Boden, die Kaffeetasse umgekippt und leer auf
der Untertasse, während die Angestellte mit hochrotem Kopf die
Serviette da drauf beförderte.
Ich hätte meine Schadenfreude nicht verbergen, ein Lachen nur
schwer unterdrücken können, wenn nicht etwas Anderes meine
Sinne vollkommen gefangen hätte.
Ein Weiß, umrandet von lockigem Schwarz, dass ein grün gefangen
hielt, in das ich eintauchte und verloren ging. Es rührte mich an,
fesselte mich und ich konnte mich nur schwer lösen. Mit einiger
Willensanstrengung wanderte mein Blick weiter. Über rote, sinnliche Lippen, die fast farblos erschienen, ein leicht gerundetes Kinn, das über einem zierlichen Hals prangte, der nur weiterführte auf zerbrechliche Schultern. Die Schulterbeugen waren frei, das Kleid verdeckte nur die Hügel am Rand der Zierlichkeit und gab den Blick auf ein schwarzes Kreuz frei, das über einer Klippe schwang, die einfach zu verheißungsvoll war. Ich sah die Ränder eines schwarzen BHs mit Rosen bestickt, der durch die weiten Maschen des Kleides schien. Mein Blick wanderte weiter, über eine zierliche Taille, eine schmale Hüfte, deren Anblick durch ein weiteres schwarzes Nichts unter dem Kleid verdeckt wurde. Ebenförmige glatte Beine, die in schwarzen Stiefeln liefen und nur noch mehr Weiblichkeit ausstrahlten.
Diese Zerbrechlichkeit, dieser schwache Körper, rief in mir so ein
starkes Gefühl hervor, zu umarmen und Zärtlichkeit zu geben, dass
ich wie gelähmt nur da saß. Gebannt von der Intensität meiner
eigenen Gefühle, die einer Brandung gleich, immer stärker gegen
mein Innerstes schlugen und nur Chaos hinterließen.
(Seite 33 „Der Urvampir Kain“)

[…] Liebe auf den ersten Blick? Ich hatte davon gehört, es aber nie für möglich gehalten. Aber es als Liebe zu bezeichnen, war eigentlich falsch. Es war so viel mehr als das. Es war Leidenschaft, die hochkocht, ein Feuer entzündet, und nach der Feuersbrunst nur Leere hinterlässt, einen Wald voll des ausgebrannten Holzes. Es war Verlangen, zu besitzen, das Unerreichbare zu erobern und als das Eigene erfüllen zu können. Es war der Sonnenschein an einem Wintermorgen, der den Sommeranfang einläutet. Ein Versprechen auf Glück, ein Fenster in das Paradies. Was es genau war, dass mich damals fesselte, lässt
sich nur schwer erklären. Ich weiß nur noch, dass die seltsamsten Gedanken und Vergleiche in meinem Verstand aufblitzten und nur eine einzige Wahrheit und Erkenntnis zuließen. Sie und nur Sie alleine, wollte ich. […] (Auszug aus dem Tagebuch des Vampirs Azralot)

So sehr konzentrierte ich mich auf dieses doch unbedeutende
Geschehen, um nicht der Versuchung der Gefühle zu erliegen. Ich
wollte aufstehen, sie umarmen und die Berührung der Lippen
spüren, die mich in die Sinnlichkeit ziehen würden. Die Realität
holte mich zurück und ich wurde zum Gefangenen. Ich konnte mich
nicht umschauen, da ich nicht wusste, ob ich mich würde wieder
lösen können. Oder ob ich eine Dummheit beging, die nur in einer
Ohrfeige enden konnte. Und so wurde die Glasscheibe zum
einzigen Zufluchtsort für meine Freiheit.
Die Autos fuhren vorbei, ein Farbenspiel der Sonne, die über die
Glasscheiben tanzte, reflektierte, blendete und projizierte.
Fußgänger, die dazwischen über einen Zebrastreifen flüchteten, der
längst nicht mehr beachtet wurde. Ampeln, die monoton immer die
gleichen Farben wieder gaben. Die Zeiger der Bahnhofsuhr am
Turm, die sich nicht weiterbewegen wollten. Die Zeit stand still,
meine Sinne liefen Amok. Mit einer nie gekannten Intensität nahm
ich die Kleinigkeiten des Geschehens so schnell auf, dass mir
schwindelig wurde. Ich schloss meine Augen, kniff sie zusammen
und öffnete sie langsam wieder.
„Hi. Hier ist frei, nehme ich an?“ Raue Stimme, dunkel, tief und
doch sanft, berührte meine Sinne. Sie glitt in mein Ohr, hallte nach
und verklang langsam. Ich drehte den Kopf, wissend, wer nur so
eine Wirkung auf mich haben konnte.
Dort stand sie, diesmal nicht mal eine Armlänge entfernt und
schaute mich wieder an, viel zu tief. Trotz der körperlichen
Entfernung konnte sie mir nicht näher sein. Die Barriere der zwei
Körper schien durchbrochen durch die Stimme, die mich innerlich
berührt hatte. Auffordernd senkte sie kurz den Blick, zeigte durch
ein Nicken auf den Stuhl neben mir. Wie ein Sklave ohne eigenen
Willen, folgte ich der Bewegung zum Stuhl und betrachtete ihn.
Dann, viel zu langsam, erschien Klarheit für einen Gedanken und
ich verstand. Ich nahm den Eastpack vom Stuhl und stellte ihn links
von mir auf den Boden.
Meine Bewegungen erschienen mir träge, langsam. Ich kam mir vor
wie in Trance. Ich hörte Stoff über Holz rutschen, ein leises
Knistern, von aufgeladenem Material, als sich die Entspannung
entlud. „Stoff auf Polster“, erkannte ich dankbar und erleichternd
aufatmend für eine Idee, einen Einfall, der mir selber meinen
Verstand und Willen zeigte.
So direkt neben mir, dass ich mit jedem Atemzug ihren Duft
einatmete, brachte mir der Blick durch die Glasscheibe nichts mehr.
Ein süßer Duft, der mich leicht an Rosen erinnerte, rührte meine
Geruchsnerven an. Ich atmete durch den Mund um der Wirkung zu
entgehen, aber es schien, als schmeckte ich ihn nun.
„Lara, und Du?“ „Mark“, ein raues Ächzen erklang, das ich als
meine Stimme definierte. Ein kurzes Räuspern und ich widerholte
es. Ich guckte sie an, versuchte mich nicht gegen ihre Wirkung zu
wehren und es schien, als gewöhne ich mich daran. Langsam lichtete
sich ein Nebel und ich war fähig wieder Kontrolle zu übernehmen.
Es schepperte, diesmal nur leicht und eine Tasse mit dem wohligen
Aroma von Bohnenkaffee wurde vor mich gestellt. Sie bekam das
Gleiche, wie ich erkannte. Ich nahm den kleinen Löffel, wohl
platziert neben Zuckerpackung und Plätzchen auf der Untertasse,
und ließ ihn durch den Milchschaum wandern.
„Was meinst Du? Sind diese Plätzchen mit im Kaffeepreis enthalten
oder sind es Werbegeschenke, die so nur verteilt werden?“ Es
rutschte mir einfach so raus und ich stutzte. Wahrscheinlich hatte ich
mich jetzt zum vollkommenen Idioten gemacht. Sie lachte.
Angenehm, nicht zu schrill und ansteckend. Ich stieg darauf ein und
es löste meine innere Anspannung. Ein Stück weit fand ich meine
Ruhe wieder. Und ich fühlte mich ihr irgendwie verbunden.
Eine fremde Person, mit der ich gerade ein paar Sätze, noch nicht
mal das, gewechselt hatte und ich fühlte mich … ja wie? …
irgendwie stimmig. Als wenn man ein Puzzleteil sucht, ausprobiert,
eins findet, es passt und man weiß, es gehört nur genau da hin.
Mühelos passt es sich ein und verändert das Gesamtbild. Und ich
wusste jetzt schon, dass ich sie vermissen würde, wäre sie plötzlich
nicht mehr da.
„Nun ja, in der Praxis wäre dann wahrscheinlich auf der Rechnung
zwei Cent für die Serviette, zwei für den Zucker und auch etwas für
das Plätzchen. Dann noch Mehrwertsteuer und eine Rechnung, die
nicht mehr schön zu lesen wäre, läge als Ergebnis vor uns. Aber als
Geschenk getarnt freut man sich doch über so eine Kleinigkeit. Und
würde man es bezahlen, so könnte man es doch auch umtauschen?
Da reicht der Kaffee auf der Rechnung als Gesamtbild doch aus?“
Gab sie mir doch eine Antwort. „Und einem geschenkten Gaul
guckt man nun mal nicht ins Maul, nicht wahr?“ Gab ich ihr mit
einem Lächeln zur Konter. „Mit einem Gaul könnte ich nichts
anfangen, doch das Plätzchen nehme ich gerne.“ Wir prusteten
beide los. Sie öffnete ihre Packung und nahm das kleine bröckelige
Etwas heraus.
Zarte kleine Glieder, mit rotgestrichenen Nägeln tauchten es zur
Hälfte in den Schaum. Ließen es sich vollsaugen, bis es zu den
Lippen emporgehoben wurde und sanft abgebrochen zur Hälfte
verschwand. Als sie es ganz vernichtet hatte, gab ich ihr meines und
auch das verschwand. Dabei war sie so darauf konzentriert, dass es
schon fast andächtig erschien. Während ich sie beobachtete, sah ich,
dass sie auch am Ohrläppchen eine kleine Rose trug. Diesmal in
schwarz und von glänzendem Material umrandet, das ich als Eisen
erkannte.
„Du stehst auf Rosen oder ist das einfach nur Zufall?“ Fragte ich.
„Für einen Zufall zu offensichtlich, nicht wahr?“ Sie blickte mich
kurz an, als suche sie etwas in meinem Gesicht, verstummte und
fuhr dann nach einigen Sekunden fort. „Sanft welkend und doch
messerscharfe Stachel. Gibt es ein besseres Bild für das schwache
Geschlecht?“ Ihr Blick hielt den meinen weiter gefangen. Und
diesmal war ich sogar fähig standzuhalten, ohne mich abzuwenden.
„Deine Stachel kenn ich noch nicht und als welkend kann man Dich
ganz sicher nicht bezeichnen. Eher als aufgehend und blühend.“
„Ich nehme das als Kompliment“, sagte sie, kein bisschen in
Verlegenheit, lächelte mich an und fuhr fort: „Wenn Du willst, wirst
Du meine Stachel schon mit der Zeit kennenlernen. Aber ich warne
dich. Sie sind genauso scharf, wie unscheinbar.“
Irrte ich mich oder war da ein Angebot versteckt? Sie blickte mich
weiter von der Seite an, wollte anscheinend eine Antwort. „Wenn
Du am Ende stehen würdest, ginge ich barfuß durch ein
Rosenbeet.“ Diesmal lächelte ich nicht und senkte den Blick auf den
Macchiato, aus dem ich noch keinen Schluck genommen hatte. Ich
wusste, das war zu sehr die Wahrheit, als es sein sollte. Ich war kein
Romantiker, die Welt hatte mir das genommen. Es war mir einfach
so herausgerutscht. Und ich schämte mich dafür. Ein leichter
Versuch das Offensichtliche zu verstecken, indem ich mich in das
Schlürfen des Milchschaumes rettete.
Als ich die Tasse wieder abstellte, bemerkte ich, dass sie mich weiter
ansah. Sie strich mir sanft über die Wange. Ein leicht kratzender
Strich des Nagels über meinen Bartschatten, der mir eine Gänsehaut
über den Körper schickte. „Ich würde Dich niemals durch ein
Rosenbeet schicken.“ Der Schauer verklang langsam, aber der
Nachhall war so sehr in mir, dass ich mir wünschte, er würde nie
mehr verschwinden. Und ich wusste, dass ich ihr verfallen war. Was
auch kommen würde, ich lief geradewegs darauf zu, ohne die
Möglichkeit das Steuer ergreifen zu können. Aber es machte mir
nicht aus.
Mein Verstand? Innerhalb der letzten Minuten, hatte er sich dem
unterwerfen müssen, was ich vorher so noch nie erlebt hatte. „Lass
uns gehen“, platze sie heraus. Ihre Augen leuchteten dabei in einem
Feuer, das auch auf mich übergreifen zu schien. „Wohin?“ Fragte
ich aus meinen Gedanken gerissen. „Eigentlich egal“. Sie sprang
vom Stuhl, ergriff meine Hand und zog mich mit sich. Im Reflex
packte ich meinen Rucksack und fiel beim Stolpern ins Laufen über,
um ihrem beschleunigtem Tempo folgen zu können. Sie schwang
die Glastür auf, raus aus diesem Café, zwischen hupenden Autos
hindurch, an schimpfenden Passanten vorbei, die wir einfach zur
Seite stießen. Der Weg führte quer durch die eilende
Menschenmasse, die zum Bahnhofeingang strebte, über ein paar
rote Ampeln bis zu einer Seitengasse, wo sie abrupt stehenblieb und
auch meinen Lauf stoppte.
Sie lehnte sich an die Hauswand und brach in schallendes Gelächter
aus. Ich war noch zu perplex, versuchte die groteske Situation zu
verarbeiten und zog mir meinen Rucksack an. Mit so einem
willkürlichen Verhalten hatte ich nicht gerechnet. Aber es gefiel mir.
„Und was ist mit der Rechnung?“ Fiel es mir viel zu spät ein. „Sollen
sie es auf die nächsten Plätzchen hauen.“ Dann machte sie einen
Schritt nach vorne. Sie stand jetzt direkt vor mir, ihr Körper
berührte den Meinen. Durch den Stoff konnte ich ihre Rundungen
sehr genau fühlen, atmete den Duft ihrer Haare ein. Dass sie einen
Kopf kleiner als ich, merkte ich erst jetzt. Dann hob sie ihr
hübsches Köpfen ein Stück an, öffnete leicht den Mund und schloss
die Augen.
Meine Lippen berührten die Ihren, in einer so tiefen Vereinigung,
wie ich sie noch nie erlebt hatte. Wir liebkosten uns in nur sanfter
Berührung und dann löste sie sich. Leicht verträumt sah sie mich an.
Mir ging es ähnlich. Die Rechnung war nicht wichtig. Die Passanten,
die vorbeiliefen, die Autos und die ganze Welt, die um uns
weiterfloß, vollkommen unbedeutend. Dieser eine Moment war die
Offenbarung einer Ewigkeit, die auch ich für immer wollte. Mit ihr.
„Ich nenne Dich Rose, das passt wirklich.“ Ich wollte nichts sagen,
wollte nicht, dass dieser Moment vorbeiging. Aber Rose, das passte
einfach und war wie ein Begriff für ein Gefühl, von dem ich nie
genug würde bekommen.
„Komm“, sie ergriff wieder meine Hand und zog mich mit sich.
Aber es war kein Ziehen, eher ein Führen, denn wo sie hinging, da
wollte nun auch ich hin. Und zwar endgültig, ohne Kompromisse.
Es ging wieder über die Straße ohne auf die Ampeln zu achten. So
beiläufig, als würde sie es nie tun. Hinein in den sich schließenden
Spalt einer Tür, die nach uns zuschnappte und der Bahn die
Weiterfahrt ermöglichte.
In der Bahn war es gerammelt voll. Aber mich störte nicht das
plärrende Kind hinter uns, die sich laut unterhaltenen Fahrgäste
oder der alkoholschwere Atem des Passagiers zu meiner Rechten,
denn ich stand ihr wieder ganz nahe. Ich nahm nur sie auf. Alles
andere war unwichtig.
Wie viele Haltestellen wir fuhren, wie viel sich an uns
vorbeiquetschten, im Austausch rein und raus, ich nahm es einfach
nicht mehr wahr. Alles was wichtig schien, alles was zählte, umarmte
mich die ganze Zeit und würde ich nie wieder gehen lassen.
(S. 37-40)

Rose stand am Wasser, die nackten Füße wurden umspielt und
leichte Windstöße ließen ihr Kleid flattern, hoben es an und
drückten es wieder hinunter. Wie eine Liebkosung streichelte die
wilde Natur sie. Wer konnte sie auch nicht einfach nur lieben? Ein
umwerfender Anblick.
Sie, so zerbrechlich im Mondlicht, inmitten des Wassers und des
Windes. Alles passte sich ihr an, gab ihr Freiraum und glitt an ihr
vorbei, ohne sie als Widerstand zu empfinden. „Meine Königin der
Nacht“. Majestätisch, eindrucksvoll und doch so zerbrechlich.
(S. 41)

So verging die Zeit, ohne dass ich irgendeine Spur fand. Ich verstand
die Welt nicht mehr. Was war das gewesen? Alles nur ein Traum? So
tiefer ich in den Wald kam, umso leiser es wurde, so mehr kam es
mir so vor. Schließlich war ich auf der anderen Seite durch und
landete auf einer Straße, auf der weit und breit nichts zu sehen war.
Nichts fuhr um diese Zeit hier vorbei.
Unter der wachsenden Erkenntnis, dass ich sie nie wieder sehen
würde, ließ ich mich einfach in den Straßengraben fallen. Was hatte
sie gesagt? Ich solle sie nicht suchen. Wie auch? Ich hatte nur einen
Vornamen, wusste sonst nichts. Ich konnte sie gar nicht suche,
geschweige denn finden. Und diese Erkenntnis raubte mir die Kraft,
Müdigkeit und Erschöpfung machten sich breit. Ich wandte mich
wieder zum Wald, irrte den gleichen Weg zurück. Was, wenn sie dort
auf mich wartete? Ich rief ihren Namen, immer wieder. Doch nur
Eulen antworteten mir. Als ich den Strand erreichte, lag er genauso
leer da, wie ich ihn verlassen hatte.
Keine Rose, keine Königin der Nacht. Wie hatte ich auch denken
können, dass es was mit Zukunft werden könnte? Mit mir? Ich
spürte langsam eine Träne herunterlaufen. Als die Gewissheit zur
Traurigkeit wurde, gab ich nach und ein Schluchzen, spülte meine
Träume, das verlorene Glück wieder weg. Den freigewordenen
Gefühlen, folgte so eine tiefe Erschöpfung, dass ich einfach nachgab
und mich fallen ließ. Mit der Hoffnung, sie zu sehen, wenn ich
erwachte, schließ ich erneut ein. (S.44)

Ein Lächeln empfing mich und ich vergaß den aufkeimenden Ärger.
Der Griff lockerte sich, löste sich und begab sich wieder in den
eigenen Bereich.
Ein Blick, und ich wusste, wen ich vor mir hatte. Ich kannte sie und
in einer anderen Zeit, ohne die Erlebnisse der letzten Woche, hätte
mein Herz Sprünge gemacht. Der letzten Woche war eigentlich
falsch. Denn was das Bild jetzt trübte, der Schönheit ein Stück weit
den Glanz stahl, das war nur ein Tag gewesen.
Blaue Augen, blonde schulterlange Haare, die in Strähnchen gefärbt
auch ein Braun begleiteten. Ein schwarzer Mantel, der wie auch der
Kittel sonst, vieles verdeckte, aber manches erahnen ließ. Schminke,
die die durch schwarze Striche an den Konturen, Augen größer
schienen ließ. Puder, das die Haut brauner machte und Lippenstift,
der dem Gesicht ein neues Zentrum der Sinnlichkeit gab.
Lucy. Ich sah sie regelmäßig auf der Arbeit und genoss die
Begegnungen immer sehr. Sie hatte mich bezaubert, ihr Parfum
mich betört. Aber jetzt spürte ich…nichts. Ich sah, wie schön sie
war, was für eine gute Partie, ein gelungener Fang, sie sein könnte.
Aber es war mein Verstand, der mir das sagte. Gefühle wollten sich
nicht einstellen. Und ich merkte, wie ich sie mit Rose verglich. Ein
Vergleich, bei dem sie nur verlieren konnte.
„Hi. Ich habe Dich länger nicht gesehen. Hattest Du Urlaub?“ Sie
fragte es mich, begleitet von einem schüchternen Lächeln, das nur
ihre Verlegenheit verdecken sollte. Aber was machte ich auch hier?
Ich musterte sie offen, ohne Mienenspiel, dabei hatte sie mich
angesprochen und die Grenze von Arbeitskollegen fast schon
berührt. Außerhalb der Arbeit war sie auf mich zugekommen und
musste sich ganz sicher ein Herz fassen dafür. Verlegenheit passte so
gar nicht zu ihr. Bei ihrem Aussehen lagen ihr die Männer doch
sicher zu Füßen? Und doch erkundigte sie sich nach mir. Es war ihr
sogar aufgefallen, dass ich gefehlt hatte. Eine Kleinigkeit mit
Bedeutung oder auch nur Überinterpretation meines Verstandes?
„Nicht ganz. Es gab ein paar Probleme und ich war gewissermaßen
freigestellt.“ Ich zwang mich dabei zu einem Lächeln, um ihr
entgegenzukommen. Und ein Stück weit, fand es sogar innerlich
Anklang. Ihre Miene wechselte, die Züge entspannten sich und ihre
Augen zeigten Sorge. „Was ist passiert? Was Schlimmes?“
„Nein, nein. Nur ein kleiner Streit mit dem Chef, der nicht so ganz
toll ankam.“ Sie war echt an mir interessiert? Ich hatte es immer
gehofft, aber nie in der Realität für möglich gehalten.
„Ja, ja. Nur Arschlöcher werden Chefs. Oder ist das eine
Voraussetzung für die Anstellung?“ Sie lachte. „Du und Dein
Mundwerk.“
Ich lächelte. Nach der kurzen Unterhaltung eben, war mein Bild von
Herrn Schaber leicht ins Wanken geraten. Vielleicht tat er auch nur
so, als wäre er übermäßig streng, um sie im Zaum zu halten? „Ja, das
war es mal wieder. Ab Montag darf ich hier wieder antanzen, im
Paradies für ehemalige Arbeitslose.“ Sie lachte wieder, diesmal klang
es echter. Ich konnte mich aber nur zu einem weiteren Lächeln
bewegen.
„Du hast Schluss, oder fängst an?“
„Bin grad raus. War nur noch bei Saskia gewesen“, sie zeigte mit
einem weiß behandschuhten Finger in die Markthalle. „Da sah ich
Dich aus dem Büro kommen.“
„Hab Dich gar nicht gesehen, Sorry.“
„Ja, das war nicht zu übersehen. Du warst ja so in Gedanken
versunken. Ich habe Dir sogar gewunken.“ Diesmal strafte mich ihre
Miene mit leichtem eingeschnappt sein. Aber es war nur gespielt und
sie ließ es nach einigen Sekunden wieder verschwinden.
„Wolltest Du da rein?“ Sie deutete mit einem Nicken zum
Buchladen.
„Ja, ich überlegte es gerade. Irgendetwas für den kalten Abend.
Immer noch besser als nur zu fernsehen und den immer gleichen
Serien und Wiederholungen zu folgen.“
„Ja. Da hast Du Recht. Vor allem, wenn man sie alleine verbringt.
Ich komm mit, brauch auch irgendwas.“
Eine Anspielung? Was war denn mit den Frauen los, dass sie direkt
etwas ansprachen, ohne zu warten, bis der Mann die beiläufige Frage
stellte, die Chancen abwägen sollte. Sie wartete augenscheinlich auf
eine Antwort. Wahrscheinlich sollte ich jetzt auch einfließen lassen,
dass ich Solo war und im weiteren Verlauf wäre dann ein Treffen
drin, aus dem sich mehr entwickeln konnte. Aber den Weg wollte ich
noch nicht gehen.
Ich hatte gerade erst eine kleine Krise überstanden und wollte mich
nicht auf was Neues einlassen. Was Neues. Ich schmunzelte
innerlich. Ein Tag war es gewesen. Ein Tag, der mir sehr viel
bedeutet hatte, mich was spüren ließ, auf das ich wartete ohne es
selber zu wissen. Ich spürte einen Stich im Herzen und die
Sehnsucht setzte ein. Ich schob meinen Blick an ihr vorbei, schaute
auf die Uhr, während ich das Aufkeimen dieses Strudels verhinderte.
Ich hatte mich zu sehr darauf eingelassen, zu viel erhofft und war es
selber schuld. Aber sie wäre es wert gewesen.
„Ich dachte, Du hättest einen Freund? Robbie oder so ähnlich, mein
ich? Hat mir irgendwer erzählt.“ Die Worte sollten meinen Verstand
einschalten und das abwenden, was erwachen wollte. „Ist aus, seit`n
paar Wochen. Er glaubte neben mir noch ein paar Andere haben zu
können.“ Ich sah ein kurzes Huschen von Enttäuschung über ihr
Gesicht fließen, das sie gekonnt durch ein Lächeln verdeckte. „Das
tut mir leid.“
„Muss es nicht. Er war ein Arschloch, das mich nur benutzt hat.
Lass uns reingehen. Ich brauch Ablenkung, sonst reg ich mich nur
noch mehr auf.“
Sie ging an mir vorbei, ihr Parfum kitzelte meine Nase. Bruno
Banani, pure woman, oder so ähnlich. Ein Traum für die Nase und
der pure Duft von reinster Weiblichkeit.
Lucy verschwand im Reich der Träume, das mehr Illusionen
bereithielt, als es sich ein Mensch alleine jemals wünschen konnte.
Man musste nur seine Nische finden, das was man wollte, das was
man sich wünschte. Irgendeines dieser Werke würde einem den
Traum erfüllen und sei es nur für ein paar Abende. Eine Illusion der
Worte.
Ich zögerte kurz.
Eigentlich wollte ich lieber alleine sein, mich den Gedanken
hingeben. Es tat mir leid, dass ich sie so sehr hatte abblitzen lassen.
Sie war mal ein Traum von mir gewesen. Und nun? Rose sah ich
wahrscheinlich nie wieder. Aber Lucy war hier. Sie hatte fast ein
Angebot gemacht, auf das ich nie gehofft hätte und ich Trampel war
nicht darauf eingegangen.
Hatte ich sie verletzt? Es tat mir schon wieder leid. Ich wusste
einfach nicht, wo mir der Kopf stand. Was war nur los mit mir?
Einer Frau, die ich noch nie gesehen hatte, legte ich mich
vollkommen zu Füßen. Eine andere Frau, auf die ich schon ewig
gewartet hatte, ließ ich abblitzen. Ich seufzte innerlich und ergab
mich dem Schicksal, wo immer es mich auch hinführen würde. Lucy
war schon im Laden und ich beeilte mich, ihr zu folgen, unwissend
aber auch gespannt, auf was für Wege man mich schickte. (S. 61-64)

The End

Ich wollte mit diesem Artikel auch zeigen, oder habe es nebenher, dass mein Legends of Kain nicht nur ein reines Vampir Buch geworden war. Es war so viel mehr aus der kleinen Idee damals erwachsen. Und die Liebesgeschichten, die ich erschaffen habe, unter dem Deckmantel des Bösen, des Horror, der anderen Moral manchmal, wenn man die dunklen Wesenheiten darin in den Vordergrund zieht, die können sich lesen lassen. Werft mal einen Blick rein. 🙂

 

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