Ich war ja bei ihrem Auftritt, als sie hier in Düsseldorf in der ehemaligen Philipshalle am 30.09.2018 war. Und ich muss sagen, ich habe es sehr genossen. Ich kannte sie vorher, ihre Texte bereits. Und so ging ich ohne Erwartungen zum Auftritt. Ich muss sagen, ich wurde darüber hinaus noch positiv überrascht. Ich bin ja nicht so der Konzertgänger und so war ich fast noch Jungfrau. Aber die Stimmung bei dem Auftritt, die Tiefe der Texte, ihre eigene kleine Kunst, das hat mich in jeder Weise positiv überrascht.

Der Auftritt in der Mitsubishi Electric Halle / Düsseldorf:

So, wie ich das sehe, war die Halle randvoll. Jede Menge Fans waren da, als auch solche, die sich von ihr haben überraschen lassen. Und was mir direkt auffiel, war, wie menschlich sie das Ganze gestaltet hat. Sie war nicht fernab jeder Realität, als Star in ihrer eigenen Welt. Nein, sie hat das ganze auf normalem Level abgezogen. Ließ die Besucher Fragen stellen. Baute Witze, was Lustiges in die tiefenschwere Texte ein. War einfach jemand auf gleichem level. Und das, obwohl sie ja mittlerweile so einen Erfolg hat, wie sich unschwer beobachten lässt. Was ich schade fand, war dass ich in meinem Bekanntenkreis erzählte, dass ich Karten habe und auch beim Auftritt war, aber sie so wenig Leute wirklich kannten. Dabei würde ich sie schon fast als kleinen Star bezeichnen. Deswegen war ich überrascht, in meinen Kreise zu erfahren, dass sie da noch recht unbekannt war. Aber vielleicht dauert das noch einige Zeit. so sehe ich mich gezwungen, sie mit ihrer Arbeit erst einmal vorzustellen, bevor ich weiter schreibe.

Videos:

Ich habe ein Video in der Philipshalle gemacht. Aber nur ein recht kurzes, um den Moment am Ende einzufangen. Man hat sich vielmehr auf die Texte konzentriert und außerdem stand ja direkt auch auf der Karte, dass Videos und Bilder verboten seien. Dennoch habe ich ein Stück Erinnerung, das ich auf instagram und auch Facebook geteilt habe.

Des Weiteren gibt es noch ein kurzes Video von ihrer offiziellen Facebook Seite:

Das gibt Ihnen schon mal einen kleinen Einblick in die Größe von ihrem Auftritt. Widmen wir uns jetzt aber mal den Texten, damit Sie etwas von der Message mit bekommen:

Aber sie macht auch Musik, wie ich bei dem Auftritt erst so hautnah erleben durfte.

Jetzt sind Sie ein bisschen schon mit ihr vertraut. Und der Auftritt in der ehemaligen Phillipshalle war jetzt wortwörtlich vollgestopft mit solchen tiefen Texten. Man kann schon fast sagen, es war zu viel, um alle Botschaften aufzunehmen. Komprimiert wurden die Gedichte, lyrischen Texte vorgetragen und man folgte ihr an den Grund so mancher Wahrheit, die dabei noch nah am Menschen blieb.

Ihre Bücher

Wie sollte sie es sich auch nehmen lassen, so hat sie auch so manches Buch bereits veröffentlicht, in denen sie ihre Texte dem Leser näher bringt. Am Ende werde ich sie noch verlinken. Und auch ich ließ es mir nicht nehmen, nach dem ich von dem Auftritt so geflashed war, mir eines zu kaufen. Ich habe mich ersteinmal für „Jetzt, Baby“ entschieden. Ihre Reihe baut auf dem Erfolg eines Auftrittes her, der unter dem Titel „Eines Tages Baby“ bekannt wurde.

Wer den Auftritt, der ihr den Durchbruch brachte, nicht kennt:

Danach dann wurde sie der breiten Masse bekannt, da ihr Text so viele verschiedene Menschen ansprach und zum viralen Hit mutierte. Mittlerweile kennt fast jeder diesen einen Text von ihr, hat ihn wenigstens mal gehört.

„Jetzt,Baby“

Ich beleuchte nur mal kurz jetzt dieses eine Buch, da es das ist, was ich jetzt zur Hand habe. Mich sprach der Titel an, da es eher dazu aufforderte, jetzt etwas zu machen. Ich muss dazu sagen, dass mich nicht jeder Text in dem Buch anspricht, etwas für mich bereit hält. Aber ich denke, das ist normal. Es ist ein bunter Mix aus den verschiedensten Bereichen, die zum Leben, zum Nachdenken, zum Umdenken auffordern. Und so mancher Text hat die Tiefe, die wir von ihr gewohnt sind.

Hier mal ein kleiner Auszug, wie ich ihn einer Leseprobe im Internet entnehme. Deswegen denke ich, es ist ok, wenn ich ihn hier veröffentliche.

INTRO

Ich lebe in den Tag hinein,
und mittags werde ich wach.
Nach dem Frühstück ist es wichtig,
dass man eine Pause macht.
Es dämmert vor den Fenstern –
was, oh Gott, es ist schon acht?
Ach, könnt ich noch mal leben,
ich wär früher aufgewacht.

LIEGST DU NIEMALS NACHTS WACH?

Liegst du niemals nachts wach,
vom Angstschweiß ganz nass,
und fragst dich,
was du da eigentlich machst?
Und wofür überhaupt?
Warum gibst du nicht auf?
Liegst du niemals nachts wach
und resümierst noch den Tag
und fragst dich,
wie das die anderen machen?
Und wer die anderen sind?
Wo führt alles hin?
Liegst du niemals nachts wach,
hast dein Smartphone ganz nah
und fragst dich,
was du wohl alles verpasst?
Und ob du morgen noch weißt,
was du jetzt gerade likst?

Liegst du niemals nachts wach
und starrst an die Wand
und fragst dich:
»Warum hab ich all das gesagt?«
und »Warum ist das passiert?«
und schämst dich dafür?
Liegst du niemals nachts wach,
dein Herz schlägt so krass,
und fragst dich:
»Okay, wenn ich jetzt sofort schlaf,
sind drei Stunden genug?
Und was soll ich sonst tun?«
Liegst du niemals nachts wach,
bis du über dich lachst,
weil du raffst, dass du das,
was du immer gern machst,
gar nicht immer auch tust,
und dann fühlst du den Mut?
Liegst du niemals nachts wach,
bis du Vorsätze fasst,
und sagst dir,
dass du ab morgen aufpasst,
nie mehr Zeit zu verschwenden,
um dann doch zu verpennen?

Liegst du niemals nachts wach,
und dann enden die Fragen,
und dir wird alles klar,
wieso alles so war,
und wieso alles so ist,
nur, dass du’s später vergisst?
Nein?
Machst du nie?
Mach nur ich?
Dann bist du nicht normal –
oder ich bin’s nicht.
Denn ich liege wach,
es ist vier Uhr acht,
die letzten fünf Stunden
haben gar nichts gebracht.
Nur Wälzen im Laken,
knurrenden Magen,
drastische Fragen
und wachsende Panik.
Davor, dass ich echt einfach so da bin.
Ich hab mein Smartphone umklammert
wie die Hand eines Partners.
Doch da ist niemand anders,
ich hab nicht mal ’nen Hamster.
Der nächstgelegene Mensch
ist mein oberer Nachbar.[…]

Die Texte

Ich muss ehrlich sagen, ich lese noch darin. Immer zwischendurch nehme ich mit einen Text, tauche ein, folge den Worten und lasse mich auch verzaubern. Und dann nehme ich die Botschaft mit in den Tag und lasse sie in Gedanken nachklingen. Denn nichts davon ist oberflächlich oder rein runtergetippt. Das zeichnet sie vielleicht auch einfach aus. Sie hat auf dem Auftritt gesagt, als einer die Frage stellte, wie lange sie für einen Text brauche, dass sie 24 Stunden bis zu einem Jahr an einem Text arbeite. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass sie sie einfach so frei aufsagen kann. Denn wenn man so lange einen einzelnen Text mit sich trägt, wie ein eigenes Baby, dann wächst der mit einem zusammen, mit der Person und auch Seele.

Natürlich sind die Texte modern. Es ist kein Goethe, der markant in einigen kurzen Sätzen eine Botschaft, einen Moment einfängt. Sie ist in dem sinne zwar eine Poetin, aber ich würde sie jetzt nicht als Dichterin bezeichnen. denn sie reimt zum Beispiel nur jeden zweiten Satz. Das kommt auch aus der Schule der Praxis, die sie besucht hat. Sie ist eine Poetry Slammerin und als solches sind auch ihre Texte geformt. Das heißt jetzt nicht, dass sie schlecht sind. Nein, das auf keinen Fall. Sie sind etwas Besonderes und fangen das Gefühl dieser Generation ein, in der sich Viele wieder finden können. Ich persönlich genieße die Texte noch. Aber ab und an, kann auch ich persönlich jetzt mit einem einzelnen Text nichts anfangen. Aber das ist, denke ich, immer so. Nur die Erfahrung, die man teilt, kann man auch nachempfinden. Und es sind ja genug Texte im buch, dass man dann einfach etwas Anderes liest. Und teuer sind die Bücher jetzt auch nicht. Der Vorteil, wenn man in einem großen Verlag Fuß gefasst hat.

Fazit

Ich mag ihre frische, nachdenkliche und auch tiefe Art. Und auf ihrer nächsten Tour, vielleicht nächstes Jahr oder auch in zweien, werde ich auf jeden Fall wieder dabei sein. Dafür hat es mir sehr gefallen. Und in das buch werde ich weiter eintauchen, als auch unter Umständen mir jetzt ihre Anderen besorgen. Denn als selber Schreiberling lernt man so nie aus. Und ich kann mir jetzt persönlich einfach angucken, wie sie das so macht. Wie sie ihre Texte formt, Botschaften verpackt etc. Und ein bisschen was hat sie mich auch angesteckt. Ich trage den Gedanken mit mir, selber einmal Poetry Slam zu probieren. Das ZAKK hier in Düsseldorf bietet das ja regelmäßig an. Dass man als selber Schreiberling seine Texte vor dem Publikum vortragen kann. Wir werden sehen, was die Zukunft so bringen wird.

Am Ende noch ein paar Links (Wenn es nicht funktioniert, einfach auf die graue Fläche klicken und Flash aktivieren. Keine Angst, da passiert nichts. Nur die Präsentation ist um einiges schicker, als bloße Links. 🙂 )


Bruno Schelig

Schriftsteller, Schreiberling und kreative Seele. "Sag mir, wer ich bin und ich sage Dir, was Dein Denken Dir erlaubt. Male das Bild meiner Persönlichkeit und ich male Dir Deine Seele. Denn was Du in mir zu erkennen glaubst, ist das Spiegelbild Deiner Selbst. Meine Handlungen unterliegen nur Deinen Deutungen, Deinem Denken und dem halbblinden Augen des Betrachters, der mein Ich nur als sein Wesen akzeptieren kann."