Gepfählte Liebe

Diese roten Lippen. Sinnlich, zart, wie ein Versprechen, das unausgesprochen dennoch so verheißungsvoll  und bezaubernd ist. Ich kann meinen Blick nicht abwenden, wenn ich auch weiß, dass sie nur die Maske des Todes vollenden. Schöner war der Tod noch nie. Dabei ist es nicht der Tod an sich, der so zur Vollendung poliert mich gefangen hält. Es ist diese Schönheit, die wie ein Diamant ihn verziert. Er ist ihrer unwürdig und doch hält er sie gefangen.

Nur ein leichtes Rosa auf den Wangen, als wäre ihre Miene kunstvoll bemaltes Porzellan. Wie eine Puppe liegt sie dort aufgebahrt. Und wie eine Puppe, kann auch sie nicht atmen. Ich verstehe nur zu gut, dass die alten Ägypter mumifiziert haben. Sie wäre dessen würdig. Auf ewig in ihrer Schönheit erhalten.

Sie hat mir viel versprochen und alles gehalten. Zum ersten Mal in meinem Leben. Liebe, Treue, Ergebenheit bis zum Tod. Ich wollte keine brave Ehefrau. Das wusste sie.  Aber das war sie ebenso wenig.

Sie genoss ihr Leben. Einem einfachen Regenschauer, verlieh sie den Zauber eines magischen Momentes. Und vor allem hatte sie nie Angst. Ihr einziger Fehler? Sie war so naiv, so unschuldig und glaubte an das Gute in jedem Menschen. Ihre Mörder nutzten es aus. Die Schuld vermischt sich mit der Sehnsucht nach ihr und ich keuche. Wie in meinen Eingeweiden fressend, breitet es sich aus und lässt nur noch diesen Schmerz zu. Es hätte nicht passieren dürfen. Nicht ihr.

Ich überwinde meine Starre und gehe näher an sie heran. Ich streiche ihr die rote Haarsträhne aus dem Gesicht. Würde sie noch leben, so hätte sie es selber getan. Bilder, Erinnerungen, die hochkommen und es mir nicht leichter machen.

Ich streiche ihr über den Arm. So zart, so zerbrechlich, so makellos. Ein Blick zur Seite. Dort am Boden liegt er. Der Pfahl, den sie ihr durch das Herz gejagt haben.

Sie waren verwundert, dass sie sich nicht in Staub auflöste. Natürlich nicht. Sie war ein Mensch. Wer wusste das besser als ich? Vor mir hätte sie das nicht verstecken können. Zu spät bemerkte ich, was sie vor hatten.

Ihr Bruder hatte sie gemeldet. Ihn werde ich nachher besuchen. Er soll nicht triumphieren. Sein eigenes Blut hat er aus Habgier verraten, nur weil sie den Hof erbte und er leer ausging. Für den Mob kam es wie gerufen. Sie zerrten meine Liebe auf den Marktplatz und pfählten sie.

Zu spät, viel zu spät, merkte ich es. Wieso nur? Warum rief sie mich nicht? Ich wäre für sie in den Tod gegangen und hätte so einige mitgenommen. Diese Chance bekam ich nicht. Aber sie zeigten Mitleid. Ich bekam den Wunsch erfüllt, mit ihr eingesperrt zu werden. Und nun sitze ich hier in dieser Höhle, die ihr Grab ist. Eingesperrt in einem Gefängnis, dessen Stäbe mich nicht stören, solange ich nur bei ihr bin.

Sie sollten beten und doch würde es sie nicht retten.

Es ist Nacht. Ich kann es spüren. Durch die dicken Mauern hindurch ist es, als wenn die Nacht zu mir spräche, mich willkommen heiße und begrüße. Aber ich bin vorbereitet. Niemand wird mich meiner Liebe entreißen. Und niemand wird sie mir noch einmal nehmen. In einer Ewigkeit niemals.

Sie schlägt die Augen auf. Eisgrau und voll des übernatürlichen Glanzes. Diamanten gleich, leuchten sie im übernatürlichem Feuer. Sie lächelt mich an und ich kann mich nicht mehr zurückhalten. Ich empfange die Lippen, die nun für immer so sein werden.

Sie haben einen Vampir töten wollen und einen Menschen gepfählt. Nun bin ich dran. Und ich bin nicht alleine. … Nie mehr.

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Author: Nismion LeVieth

Schriftsteller, Schreiberling und kreative Seele. Des Sprechens niemals müde, des Schreibens nur in Liebe geknechtet, so gibt es Vieles, Manches noch mehr, im Namen der Dreien, die als dann nur Einer sind: Bruno T Schelig; B.T.Trybowski; Nismion LeVieth. Spuren, denen man folgen will, die findet man rein selber. Der Instinkt, an Neugier gebunden, er weist den richtigen Weg.