Ein kleiner Schlenker zur Wahrheit

Mit der Feuersbrunst der wildesten Zerstörung schickt es die Gicht der Glut nach oben über den Rand des Flussbettes und zerlegt in Sekunden das Holz des eben noch erblühenden Baumes. Der nimmersatte Schlund voll innerer Schwäche zerrt am Selbstbild des Selbstes und zeichnet das Grau über jede noch so strahlende Farbe. Der beschwingte Tanz der Freude frohlockt am Rande der Gischt des prustenden Meeres während das zarte Reh genüsslich am grünenden Grashalm kaut.

Welches Bild wir auch immer nehmen, vor Augen sehen, im Innern uns zeichnen. Alles hat eine Botschaft und tiefergehenden Sinn, den wir zuerst nicht selber verstehen oder begreifen müssen. Denn dafür ist es nicht da. Es schickt einen Hall hinaus und unser Inneres antwortet mit der entsprechenden Resonanz der Gefühle.

Manchmal schickt es uns an den Abgrund einer Hölle und manchmal an den Zenit des rosaroten Himmels. So segeln wir auf der Brandung des Innern, verlieren aber niemals uns Selbst. Wir betrachten, wir erfahren, wir ziehen Rückschlüsse und wir begreifen. Was bis dato vielleicht zuerst noch verschlossen. Im Blick in uns selbst erhaschen wir eine Ahnung der inneliegenden Intelligenz, zu der wir zutiefst nur fähig sind.

Ein jeder ist ein Weiser auf eigenem Entwicklungsschritt.

Niemanden dürfen wir als dumm abstempeln, weil er momentan vielleicht von Außen betrachtet beschränkt zu sein scheint. Auf irgendeine Weise, hat alles seinen Sinn und eigene Bestimmung, die für uns Andere noch keinen Sinn machen muss. Aber jeder hat seinen eigenen Weg zu gehen. Seinen eigenen Pfaden zu folgen und seine eigenen Erfahrungen zu machen. Phasenweise gemeinsam, manchmal alleine. Aber vor der Lehre können wir uns nie drücken.

Das ist die größte Aufgabe eines freien Lebens. Das Lernen. Das Begreifen. Das Erkennen. Zuerst nur mal sich selbst und dann auch die Welt und wie sie funktioniert oder es auch nur scheinbar tut. Denn mehr gibt es, dass wir nicht greifen können, als sich bewusst uns ergibt. Denn sonst gäbe es nicht so einen breiten Bereich der Mythologie, dessen wir uns bedienen können.

Ich suche den Schluss, die alles erkennende Pointe, die diesen kleinen Artikel abrunden könnte. Aber ist es gerade mit Gedanken nicht so, dass sie niemals fertig sind? Heute denken wir an Eines, morgen an etwas Anderes und übermorgen wieder an das Erste. Wie ein Puzzleteil begleiten uns momentane Gedanken durch das Wissen einer Welt und geleiten uns dann wieder zurück zur Wahrheit. Unserer eigenen Wahrheit, die keiner Gesetzmäßigkeit entsprechen muss.

Und ist es mit der Wahrheit nicht immer so, dass sie auch am Ende gewinnt? Obsiegt über all die fadenscheinigen Lügen, die auf unserer Welt so herumtreiben? Das will ich gerne glauben. Dass am Ende die reine Kraft einer Wahrheit über alles siegt. Dass die Macht ihres Wissens Lügengebäude zertrümmert und einebnet. Das Gute am Ende, das immer gewinnt. Dabei ist Wahrheit nicht immer die säuselnde Zeile, die uns in Watte packt. Manchmal ist sie der Hammer der Erleuchtung, der uns aus dem Schlaf der Trübsinnigkeit weckt. Und egal welches Medium uns die erleuchtenden Zeilen auch überträgt, man darf den Überbringer einer Botschaft nicht verurteilen. Denn was kann er schon dafür?

Ich überlasse Sie jetzt wieder sich selber. Habe Ihnen ein paar Sekunden Ihrer Zeit gestohlen und sie durch einen kleinen Schlenker geschickt, der seicht, leicht verträglich und dennoch etwas Tiefe besitzt. Denn nicht immer muss eine Wahrheit auch Weltenumwälzend sein. Vieles kleine ergibt ein Großes. Viele Tropfen ein Meer. Und viele Seelen eine Welt.

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Der Professor

Schriftsteller, Schreiberling und kreative Seele. Des Sprechens niemals müde, des Schreibens nur in Liebe geknechtet, so gibt es Vieles, Manches noch mehr, im Namen der Dreien, die als dann nur Einer sind: Bruno T Schelig; B.T.Trybowski; Nismion LeVieth. Spuren, denen man folgen will, die findet man rein selber. Der Instinkt, an Neugier gebunden, er weist den richtigen Weg.