Niemand wird gefragt, man kann nicht entscheiden, ob oder ob nicht. Wir werden einfach alle in den großen Topf geschmissen, der sich Welt nennt. Vielleicht ist es auch besser so? Denn manchmal sehen wir das ganze sicher nicht so angenehm und würden uns anders entscheiden, ein ganzes Leben nicht zu beschreiten, da wir vor den Problemen zurückschreckten. Ein Leben ist einfach eine Lebensaufgabe, deren Sinn jeder nach unterschiedlichen Interessen sucht und sich definiert.

Die Mühsal

Oh, ganz mühsam fängt es an. Aus der Dunkelheit, der Wärme werden wir herausgerissen. Die Geborgenheit ist in einem Moment vorbei und wir liegen nackt in einem neuen Umfeld. Licht blendet uns, etwas bewegt sich um uns herum, wir liegen nicht mehr herum, die Glieder sind der Schwerkraft unterworfen. Trubel, Aufregung und nicht definierbare Umwelt. Erstmal schreien wir. Wir wollen zurück, nicht in das hier, es ist kalt und unbehaglich. Wir schreien lauter und bekommen den Herzschlag der Mutter zu spüren, aber weiter entfernt, nicht mehr nah. Wir wurden geboren und dürfen unsere erste Lektion lernen. Wir sind außerhalb der Mutter und frei, beweglich, ein eigenes Lebewesen.

Mit der Zeit lernen wir. Wir sehen und erkennen, probieren immer mehr aus.Wir bemerken Reaktionen auf unser Handeln und müssen langsam auch vom Verstand her begreifen, dass wir von der Mutter getrennt sind, aufwachsen. Die ersten Erfahrungen mit Zurückweisungen kommen, Enttäuschungen. Wir schreien, aber

nichts passiert. Es kommt keiner. Die unlösliche Verbindung ist zerbrochen. Ein eigenes Ich fängt an sich zu bilden, dass auch mit den Reaktionen des Umfeldes spielt und ausprobiert. Dickkopf und fordernd, oder ruhig und abwartend? Das lässt sich schon langsam unterscheiden.

Die nächste Etappe. Wir lernen immer mehr kennen. Probieren noch mehr aus und verletzen uns ganz sicher auch mal. Die Mutter hilft, wir lernen das Trösten und die helfende Hand kennen. Mit der Zeit lernen wir noch mehr Menschen kennen, andere, Aussenstehende, auch gleichaltrige.

…….

Es geht immer weiter. Wir lernen und lernen. Wir kämpfen uns vom Krabbeln auf die Füsse und dann später zum Laufen. Am Anfang an der Hand, schnell auch alleine. Wir verständigen uns über Laute, eigene Begriffe, die sich langsam den normalgebräuchlichen Worten annähern. Aber Mutter versteht es auch so.

……

Lebensabschnitt um Lebensabschnitt bekommen wir eine Aufgabe gestellt, die je nachdem wie wir sie bewältigen, welche Hilfe wir bekommen, unseres später gefestigtes Ich bildet. Es kommt der Kindergarten (zurückgezogen, unauffällig oder Randalist, der Clown der Gruppe), die Vorschule, Schule, die ersten Noten und Bewertungen. (Ohne Fleiß kein Preis.)

Vielleicht auch mitlerweile das erste Verliebtsein, die erste Freundin (ohne wirklich zu wissen, was es bedeutet).

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Die nächste Schule, Gymnasium, Real- oder Hauptschule oder Gesamtschule. Die ersten Rebellionen gegen das Elternhaus fangen an, das Auflehnen, das Dehnen der Regeln. Strafen, je nach Erziehungsstil der Eltern gravierender oder nicht. Der Geschmack des Gefängnises Familie festigt sich. Autoritär oder freier unterstützender. Im eigentlichen Sinne ist nichts falsch. Vieles kann positiv wirken, vieles schlecht für die Entwicklung eines Kindes. Schlecht ist es nur, wenn nicht individuell erzogen wird, sondern einfach aus dem Lehrbuch, der Eltern, der neuesten Erkenntnisse vorgegangen wird. Jede Entwicklung ist unterschiedlich. Was hier richtig ist, kann dort genau das Gegenteil bewirken.

….

Die Jahre verstreichen. Immer mehr bestimmen wir unseren eigenen Weg, schlagen Richtungen ein, holen uns Wissen aus den Quellen, die uns interessieren und erschaffen eine kleine Bibliothek, die sich in unserem Geist ansammelt. Es ist zu viel, um sich alles zu merken und so fließt immer mehr in unser unterbewusstes Gedächtnis hinein.

….

Schulabschluss, Ausbildung, Studium, Freunde und Partnerschaften, ob geglückt oder nicht, haben immer mehr uns selber gebildet. Und irgendwann kommt der Punkt, wo wir langsam anfangen zurückzublicken. Auf

den Weg, den wir bis dahin gegangen sind. Wir sehen Fehler, lernen draus oder ignorieren sie langsam. Manchesmal wechseln wir auch abrupt die ganze Richtung, ein vollkommen neuer Berufszweig, da wir uns den Weg doch anders vorstellten.

Wir bekommen langsam die Früchte der Arbeit zu spüren. Familie oder Karriere, Beförderungen, Luxus in angepasstem Sinne.

Wir werden älter und älter und lernen doch nie aus. Rückschläge, Tiefen und Höhen. Und wie schon von ganz zu Anfang, krabbeln wir immer wieder auf die Beine und lernen zu laufen. Vorwärts und vorwärts und noch schneller vorwärts. Bis zum Ende, kann man einfach sagen.

Die Wahl

Hätte man jetzt die Wahl, wüsste man schon vor der Geburt, wie alles laufen würde, würde man es überhaupt angehen wollen? Würde man mich fragen, ob ich geboren werden wollte, nun wie würde ich mich entscheiden? Lieber zugucken, oder den Weg beschreiten, den ich schon kenne?

Ganz sicher würde ich überlegen, aber eigentlich nicht lange. Ich würde es machen. Das Leben ist ganz sicher nicht unbedingt schön, selten leicht und oft genug hat man einfach Lust alles hinzuschmeissen. Aber wir würden es doch gar nicht anders wollen? Ein Leben ohne Probleme, ohne Schwierigkeiten, ohne Aufgaben, die erst unlösbar sind? Ich würde sterben und zwar vor Langeweile. Den „heile Welt“ Weg könnte ich niemals leben. Was das Leben unschätzbar macht sind die kleinen Augenblicke, die Gedanken, die Gefühle, die sich nur nach dem Aufrappeln bilden. Der Moment des reinen Glückes, die Liebe, Trauer, all das aufgeben, um sich nicht den Problemen stellen zu müssen, die so ein Leben mit sich bringt? Nein, auf keinen Fall.

Die schweren Seiten

Mir sind schon oft Menschen begegnet, die sich gefragt haben, warum es gerade Ihnen so schlecht ging, sie es so schwer hätten, während Anderen alles einfach zu flog? Sie wurden mit Problemen konfrontiert, die der „Normalbürger“ niemals zu Gesicht bekommt. Sie wollten einfach eine Antwort auf das warum. Eigentlich kann das keiner beantworten, glaubt man an den Zufall, die verrückten Vernetzungen des Schicksals, so noch nicht mal eine größere Macht. Dann wären wir nur Spielbälle eines Matches ohne Regeln, wo alles passieren kann.

Ich sehe das in gewisser Weise so:

„Unser Schicksal, unseren Weg und gerade die Schicksalsschläge haben wir, weil nur wir sie so ertragen können. Ich halte mehr aus und bekomme auch mehr, wo ein Anderer schon zusammenbrechen könnte.“ Natürlich eine utopische Vorstellung. Aber mich persönlich motiviert das. Anstatt zu jammern nimmt man es an und schreitet so durch ein tiefes Loch, ohne alles wegzuschmeissen.

Das Leben ist kein Zuckerschlecken. Leichter wird es auf dem Weg ganz sicher auch nicht. Wir werden einfach nur gelassener, gefestigter. Auf irgendetwas darin verzichten? Niemals.

Dinge anders machen dürfen? Ja, sehr oft war es nur eine falsche Entscheidung, falsches Wissen, die Sachen schief laufen ließ. Aber wäre ich der, der ich jetzt bin, wüsste ich das, was ich weiss, ohne das alles? Nein. Und gerade deswegen gehört auch das zu meinem Weg dazu und sollte nie geändert werden.

Ich weiss nicht mehr welcher Film das war, aber ich möchte noch gerne das Zitat anbringen:

„Du bist nicht hier wegen des Weges der vor Dir liegt, sondern wegen dem, was bereits hinter Dir liegt.“

Sprich, was kommt wissen wir nicht. Aber aus dem was war, können wir lernen. Wenn wir es wollen.

So verbleibe ich diesmal.

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Categories: Das Leben

The Schelig

Schriftsteller, Schreiberling und kreative Seele. "Sag mir, wer ich bin und ich sage Dir, was Dein Denken Dir erlaubt. Male das Bild meiner Persönlichkeit und ich male Dir Deine Seele. Denn was Du in mir zu erkennen glaubst, ist das Spiegelbild Deiner Selbst. Meine Handlungen unterliegen nur Deinen Deutungen, Deinem Denken und dem halbblinden Augen des Betrachters, der mein Ich nur als sein Wesen akzeptieren kann."

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