Die ungeschriebene Geschichte – Part 001

Wenn ihn noch Einer von der Seite anquatschen würde, dann würde er explodieren. Es war Samstag Nachmittag und er hatte bei Leibe genug zu tun. Die ganzen Gondelköpfe mussten leer geräumt und mit neuer Ware gefüllt werden. Denn sonst würden am Montag Morgen die 7 Uhr Kunden, Rentner, das arbeitslose Volk oder auch frühaufstehenden Schnäppchenjäger, dumm aus der Wäsche gucken. Aber im Grunde war nicht das das Problem. Eher das Gesicht von seinem Chef, wenn er entdecken würde, dass Mark nicht mal das Grundlegendste, Wichtigste geschafft hatte. Das Handy würde klingeln, ihn aus dem verdienten Schlaf reißen und er dürfte antanzen, sich erklären und am Ende trotzdem die Gondelköpfe bearbeiten. Denn eine Wahl, die hatten sie nicht wirklich. Es musste getan werden. Von egal wem. Und diesmal war er der Dumme. Und auch wenn die Kunden ihm verdammt auf die Nerven gingen mit ihrer Fragerei, so mussten sie auch nett zu ihnen sein. Denn nur durch sie verdienten sie ihr Geld. Und davon wiederum konnte er sich so schöne Dinge leisten wie den neuen Laptop gerade erst. Also, rief er sich zu Ruhe. Zähne zusammen beißen und durch.

Abgesehen davon, war er auch sehr gut im Flow. Er kam gut voran. Hatte alle Gondelköpfe fast leer und schon begonnen die neue Ware einzuräumen. Nebenher plärrte das Radio im Laden, das ihn auch sehr gut von miesen Gedanken ablenkte. Er hatte schon Glück mit dem Geplärre. Hatte er sich doch schon so sehr daran gewöhnt. Man merkte erst wieviel etwas ausmachte, wenn es einmal nicht mehr da war. Fiel das Radio aus, war es so still, so viel Platz im Raum, dass man das Fehlen förmlich greifen konnte. Also durfte er sich auch hierüber nicht beschweren. Man machte es ihm auch nicht leicht sich mal aufzuregen. Nirgends ein Grund um Dampf abzulassen. So blieb es bei innerlich schwarzen Gedanken, die aber immer wieder verflogen. Gute Laune stellte sich nicht so wirklich ein. Dabei war in ein paar Stunden schon Wochenende und morgen ging es in Kino. Den neuen Spiderman Film mit ner Freundin sehen. Da war er mega gehyptet drauf. Hatte schon so viel Gutes gehört, ohne dass er sich bis jetzt hatte spoilern lassen.

Also ruhig durchatmen und auf die Arbeit konzentrieren. Das war doch nicht wirklich so schwer. Darin sollte er nach 10 Jahren in der Firma wirklich geübt sein. Er beschloss eine kleine Pause zu machen. Das würde ihm gut tun. Nicht, dass sie wirklich Pause machten. Eher so im Durchlauf nebenher was Essbares in den Gaumen schieben und ab und zu eine rauchen. Oft, wenn sich das machen ließ in Gemeinsamkeit mit einer Kassiererin. Aber darauf hatte er jetzt keine Lust. Er wollte ein paar Minuten mal mit sich alleine sein. Mal kein Gequatsche, keine Nerverei, sondern einfach nur etwas Ruhe für sich alleine.

Er eilte durch den kleinen Laden der großen Einzelhandelskette. Einem Irrlauf gleich schlängelte er sich an den Kunden vorbei. Suchte sich seinen Weg an plärrenden Kindern, an verliebten Paaren, an Omas und Opas, an Rentnern und eilenden Berufstätigen vorbei. Bis er endlich das rettende Rolltor erreichte, den dicken Knopf drückte und es ratternd nach oben fuhr und der nimmersatte Bauch dieser Öffnung ihn errettend verschluckte. Er ging schnurstracks in die Kantine. Dort hatte er am Anfang seiner Schicht schon Kaffee gekocht. Das lag gut und gerne schon 3 Stunden zurück. Aber er dürfte noch schmecken, noch heißt sein, war er doch in einer Thermoskanne. Er holte sich eine Tasse aus dem Schrank. Weltverbesserer stand dort im weißen Schriftzug darauf. Er musste kurz lächeln über den Witz des Schicksals. Dann schüttete er auch schon die braune Brühe hinein. Empfing mit der Nase das würzige Aroma, das so einzigartig, unverkennbar war. Und dann nahm er mit geschlossenen Augen den ersten Schluck und ließ es heiß die Kehle herunter rinnen.

„Einmalig“, schoss es ihm in die Gedanken, Wer den Kaffee erfunden hatte, musste ein Genie gewesen sein. Er holte sich aus der Packung auf der Ablage eine Zigarette heraus und ging an die Lagertür und zündete sich eine an. Kaffee und Zigaretten, so eine einmalige Erfahrung. Beides für sich nicht gerade gesund und in Kombination einfach unvergleichlich. So, als wären sie zusammen erschaffen wurden, für diesen einen Zweck des besonderen Momentes eines Genusses. Er nahm sich die paar Minuten in denen er die Gedanken einfach leer ließ. Nicht zu ließ, dass ihn irgendetwas quälte.

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