Sie nennen es Nacht, wenn die Finsternis sich ausbreitet. Die Sonne zieht ihre Bahnen in einen anderen Winkel, formt woanders das Schauspiel aus glitzernden Funken, das dann und auch wann eine Seele erleuchten lässt. Hier aber zieht auf, was Mensch Dunkelheit nennt. In den Schatten, in dunkelsten Ecken, wo ein Licht nur verkümmert sich blicken lässt, dort lauert das, was Träume gebären.

Mal ist es ein Dämon, mal Vampir oder Werwolf, ein andres Mal rein ein dunkler Engel. So bildet sich die Geschichte einer Mythologie, einer Wirklichkeit als ebenso nur eines Traumes.

Die Menschen, fast alle, sie schlafen, mal ruhig und tief, mal schwermütig und leicht nur eingebettet. Es sind die Träume, die Sehnsüchte und Wünsche, die ab jetzt die Welt bevölkern.

So bilden sich Nacht und Schatten, aber auch so manch ersehntes Paradies. Einmal, da sehen wir die Hölle, ein andres Mal, doch nur den Himmel. Für Stunden nur ist dem Mensch dies nun gegönnt.

Denn bald schon, da zieht erneut die Sonne auf. Die Natur erwacht, beginnt zwitschernd und schnatternd ihr Lied. Nicht viel Später auch tatkräftiges Werk erwacht.

Doch ebenso, wie des Nachts, entstehen hier nur Träume. Schauspieler, Darsteller, Rollen und Schauplätze, sie alle werden geboren, erschaffen und simpel geformt.

Vor dem Schauspiel wird die Maske aufgelegt. Mit sprühender Emsigkeit, mit feinster Rasur und Pinzette in Kleinstarbeit. Dazu dann das passende Kostüm und die Vorführung darf beginnen.

Tanzend, wie auf dem Jahrmarkt, da kreisen tausend Seelen umeinander herum. Ein Jeder in Maske, ein Jeder perfekt in seiner Rolle. Wer nicht sich einfügend dazu passt, nun jedes Stück braucht seine Opfer, seine Statisten und manchesmal den einen Fehler, der obwohl nur ungewollt, dennoch die einzige Pointe bildet.

Sind es nun zwei, die liebend sich vereinen und dennoch die tiefe Offenheit, ja gar Verletzlichkeit im Innern verstecken.

Oder sind es drei, die ihr Tagewerk in Dienstbarkeit erfüllen. Freundlichkeit, Dankbarkeit und geflissentliche Hilfsbereitschaft, aber die Aigen, sie erkalten und sprühen nichts als Diamantenglanz.

Vielleicht, da sind es auch vier oder Mehrere. die des Tags durch die Stadt nur eilen. Ein Jeder sieht alles gleich, ein Jeder der ist gleich, in Meinung, in Ansicht auch in Vorurteil. Was zählt, ist Rolle, ist Schauspiel, wichtiger noch als Bühne in Offensichtlichkeit.

So spielen sie, des Tages in ihrer Rolle, des Nachts in ihren Träumen. Sie manipulieren, sie versuchen und verbessern, aber im Grunde, da tun sie es rein am Selbst.

Jedes Stück bringt dem Schauspieler, Darsteller als auch Künstler, das Bild einer Freiheit, des schnellen Glückes, der erreichten Träume, die im Jetzt nur einen Rahmen brauchten.

Wer spricht von Lügen, wenn Wahrheiten nicht hinterfragt werden?

Wer kümmert sich um Urteile, wenn Vorurteile bereits fest stehen?

Wer sucht sich seine Rolle, oder nimmt nur aufgepresst, was Andere ihm auferlegen?

Was Mensch tut, was Mensch glaubt, was er lebt und liebt, das tut er rein für die einfachste Existenz. So formt er Spiel, so formt er Rolle, formt er Kunststück und Kunststück um sich, als auch Andere im Rampenlicht zu bewundern.

Und ich?

Ich gucke zu, ich bewundere auf Abstand. All diese Kraft, all diese Energie, die jedes Spiel nur mit sich bringt.

Ich würde fragen wofür, warum und wieso.

Aber ich bin der Schauplatz. Ich bin die Welt, ein Planet voll drehender Energie. Mich fragt keiner, ich muss dienen, ein Jedes Mal aufs Neue. Und so frage auch ich nicht mehr.

Ich bewundere

Tag und Nacht, Grauen und Freude, Liebe und Trauer, Kunststück um Kunststück.

Und vielleicht, da sehe ich gerade Dir zu. Ich bin Dein Publikum und werde es immer sein.

Ich applaudiere nicht, ich beobachte nur.

Deine Erde, Deine Welt, Die Kugel Deiner Geburt …

 

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Bruno Schelig

Schriftsteller, Schreiberling und kreative Seele. "Sag mir, wer ich bin und ich sage Dir, was Dein Denken Dir erlaubt. Male das Bild meiner Persönlichkeit und ich male Dir Deine Seele. Denn was Du in mir zu erkennen glaubst, ist das Spiegelbild Deiner Selbst. Meine Handlungen unterliegen nur Deinen Deutungen, Deinem Denken und dem halbblinden Augen des Betrachters, der mein Ich nur als sein Wesen akzeptieren kann."