Das „ich bin“ eigener schattenhaftiger Existenz

Ich bin der Schatten der ewigen Nacht. Ich umhülle die Existenz, ihr Sein, ihr Schweben in monotoner Gleichgültigkeit. Nur was nicht ist, das darf noch werden. Und so bin ich der graue Mantel der Gleichheit. Der angleicht, umschmiegt und aneinander gesellt. Ich bin der Bruder zum Nächsten. Das blutverschmierte Handgelenk verkommener Tat. Die lustvolle Sünde, deren einfaches Begehren im Moment der Ekstase gestillt wird. Ich gebe mich hin, denke niemals an Morgen, denn nur die jetzige Sekunde ist meine Bestimmung, mein Heil, meine Errettung.

Ich bin Alles und Nichts zum gleichen Paar. Ein Hauch der Mythologie. Die Maske des Geheimnisses. Das unscheinbar geflüsterte Wort, das im Nachhall nur sich selber erkennt. Keine tiefgründige Wahrheit, denn dafür fehlt mir die Erkenntnis der eigenen Bestimmung. Ich bin das magisch verbannte Buch. Ein Dämon im Schlund der tiefsten Hölle. Der Prinz der Dunkelheit auf einsamen Thron. Das Schwarz ohne den Gegensatz des Weiß, das somit zur einzig anerkannten Farbe verkommt. Die Wahrheit des Fehlens von Allem ist die neue Bestimmung einziger Zeit.

So habe ich einen Sinn, der dem Unsinn die Hand gereicht. Ich bin verkommen, wie auch geadelt durch keine gute Tat. Das dunkle, das nimmersatte Schwarz ist mein Ort, der Hort, der Heimat verspricht. Ich bin eine Seele, die eigne Existenz verleugnet. So bin ich ohne Gott, aber mit Dämonen der tiefsten Hölle. Ein Gewusel der Stimmen und beschwörenden Töne der Verführung, die mich nicht vom rechten Pfad abbringen wollen, denn da war ich niemals. Ich schreite voran und wende mich niemals zurück, denn die Lehre ist mir völlig egal.

Bin ich böse? Verkommen? Ein Dämon? Ein Teufel?

Nein, mit Sicherheit nicht. Denn ich bin nur so viel Existenz, wie ich mir zu leben gestatte. Nur deswegen koste ich die Ekstase der Sinne vollkommen aus. Gehe auf mit meinen Sinnen in die unendliche Weite der Köstlichkeiten, Begebenheiten voll der innigsten Begegnung.

Ich bin ohne Sinn, ohne Bestimmung, ohne Zweck, ohne Intention. Ich muss nichts mehr und doch mache ich unendlich viel, da meine verrinnende Zeit mich dazu zwingt. Was ich bin, entbehrt der einfachsten Definition. Der Maske eine Beschreibung, deren Sinn sich selber aushebelt. Und um so mehr ich Worte aneinanderreihe, um so weniger klar wird es, um so verwaschener, umspielende Klänge der Wortmalerei.

So fragst Du mich, wer ich bin?

Ich weiß es selber nicht. Ich bin dunkel und hell zugleich. Keiner Seite verschrieben und doch mit dem Hauch der Mystik, die im Grau der Existenz ihre Bestimmung findet.

Fragst Du mich was ich bin?

So antworte ich Dir nicht. Lächle Dich nur verführend an, dass Du im Begehren das Schweigen erlernst. Bin ich Dämon? Vielleicht. Aber ohne Herr, der mir befiehlt. Einfach eine schwarze Existenz ohne Hölle, ohne Verdammung, ohne bestrafenden Himmel.

So bin ich Alles und Nichts. Nicht zu begreifen, aber ewig zu umschreiben. Im Pinselstrich der Worte zu zeichnen und doch nie ein klares Bild in den Verstand zu transferieren. Nur deswegen ende ich hier, das ich bin eigener schattenhaftiger Existenz. Und nicht, weil es mir an Worten mangelt. Begreife, was verschlossen. Sammle Wissen der Unwissenheit und definiere im Verstehen, rein Dich, nicht ein mich, das sich der vernunftbegabten Denkerei nicht versklaven will.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.