Die Spinnweben der Vergangenheit verzieren das morsche Holz. Die Nacht der Einsamkeit erfüllt den Himmel. Ab und an da krächzen die Begleiter des Nachrufes in die weite Ferne. Wecken auf, aus der Trance verhüllter Erinnerung. Die Besucher dieses Gebäudes graben nach den Geistern der Vergangenheit. Voll bangem Schrecken begeben sie sich in dieses alte Haus, wissend, dass dort nur nichts Neues zu finden ist. Nur die Ängste von längst Verblasstem. Nur der Schatten einer einstmals lebendigen Seele.

Und dennoch können sie sich selber den Eintritt nicht verwehren. Sie müssen graben und forschen in dem, was vergangen ist. Vielleicht nur, bringt es die eine Wahrheit zustande, die die aktuelle Realität ihnen noch verbirgt. Und so suchen sie in den Schatten, in der Dunkelheit, nach dem eigenen Licht. Dem Verstand nach, müsste es so leichter zu finden sein. Aber was sich hier präsentiert, ist der Friedhof der längst vergessenen Vergangenheit.

So drehen sie die morschen Hölzer um. Wischen die Spinnweben zur Seite und gucken unter Gemälde längst vergessener Meister. Irgendwo, da muss es doch zu finden sein. Das Eine, das Reine, das die Vergangenheit nicht vergraben kann. Hier aber ist nur das Mahnmal eines Todes. Einer inneren Vergesslichkeit, der die eigene Existenz entfallen ist. Nur Geister, schreckhafte Gespenster treiben hier ihr Schauspiel, auf dass kein Lebender jemals dieses Gebäude betritt oder gar wagt, hier zu verbleiben. Denn was vergangen ist, nur das gehört der Geste der Vergesslichkeit. War es besonders und einzigartig, dann hat es hier keinen Platz. Hier lagert nur das, was im Grau des Belanglosen einfach übersehen wurde. Abgespeichert, gesammelt im Hort, dem Ort, eigener Unzulänglichkeit.

So entdecken die Besucher ziemlich schnell, dass es hier nichts zu finden gibt. Keine Wahrheit, keine Erkenntnis, nur das Grau des Verfallenden. Der triste Nebel des Vergänglichen. Oder die Spinnwebe dessen, was die Gegenwart haltend, die Zukunft nicht sein lassen kann. Mit dem Schrecken in den Knochen suchen sie sich wieder ihren Weg nach draußen. Wissend, dass sie hier niemals mehr hin wollen.

Denn was vergessen, das nur ist reine Vergangenheit. Und hat die Seele es vergraben im dunkelsten Ort, den kein Verstand erreichen kann, dann nur hat es in der augenscheinlichen Gegenwart so nichts zu suchen. Es wurde aussortiert, hinab manövriert, in den Kerker eigener Vergesslichkeit. Auf dass es gesammelt würde, aber niemals mehr besucht. Die Lehre daraus, die wurde bereits gezogen. Die Erfahrung, die wurde bereits gemacht. Und dann nur sinkt es in die Kissen voll der leichten Fäden, die nur Spinnen als gar Dämonen eines tiefen Selbstes zu zeichnen wissen. Auf dass sie halten und doch verewigen im Schlund eines Inneren, der frisst aber niemals mehr etwas hergibt.

Die Lehre daraus ist, dass Du bereits alle Wahrheit bist. Die Vergangenheit verhüllt nur da, was einmal wichtig war. So suche nicht in dem Vergessen, was die Gegenwart Dir in Wahrheit noch verschließt. Es ist die Zukunft, die Erkenntnis offenbart.Die Lehre des Jetzes, die Einsicht ergibt. Der Moment nur einer Sekunde, der die Ewigkeit im Erleben gebärt. Was einmal war, das ist die Vergangenheit. Und in Lehre, manchmal Schluss, da bist rein Du, das Ergebnis, das sein musst.


Bruno Schelig

Schriftsteller, Schreiberling und kreative Seele. "Sag mir, wer ich bin und ich sage Dir, was Dein Denken Dir erlaubt. Male das Bild meiner Persönlichkeit und ich male Dir Deine Seele. Denn was Du in mir zu erkennen glaubst, ist das Spiegelbild Deiner Selbst. Meine Handlungen unterliegen nur Deinen Deutungen, Deinem Denken und dem halbblinden Augen des Betrachters, der mein Ich nur als sein Wesen akzeptieren kann."