Corona Erfahrung – Meine Arbeit im Einzelhandel

Meine lieben Mitbürger, wir haben es alle im Moment nicht leicht. Wir wissen nicht, wie lange diese Krise noch andauert oder was auch immer da alles noch auf uns zukommt. Ich selber arbeite im Einzelhandel, muss also weiter meinen Mann stehen, trotz dieser fast schon gefährlichen Zeiten. Ich beschwere mich nicht, mache ich dies doch eigentlich gerne.

Wir haben es gerade nicht leicht im Einzelhandel. Ich arbeite in einem verhältnismäßig kleinen Laden von 600 qm, d.h. Jetzt dürfen auch nur 30 Leute immer in den Laden, damit der nötige Abstand zueinander eingehalten werden kann. Natürlich fragt jeder zweite nach dem heiß begehrten Toilettenpapier. Sagt man dann, dass keines mehr da sei, wird gefragt, wann es wieder kommt. Darauf antwortet man, dass es jeden Tag kommt und trotz der Begrenzung pro Einkauf auf ein Stck mittlerweile, trotzdem innerhalb von 20-30 Minuten leer ist. Viele verstehen das. Auch, dass es für alle im Moment nicht leicht ist und jeder Abstriche machen muss. Andere verhalten sich, als würden sie auf einem anderen Planeten zur Zeit wohnen und nichts von der Krise bemerken. Sie husten wild umher, tragen keine Handschuhe/Mundschutz (ist ja auch jedem selber überlassen), Abstand ist ein Fremdwort für sie und sie beschweren sich auch wild über fehlende Artikel. Im Moment ist es ein kleiner Kampf im Einzelhandel. Wir bekommen so viel Ware, die verräumt werden muss. So schnell wie möglich, damit die Kunden ihre Produkte bekommen. Und die ewige Fragerei, ob etwas da sei und wann es wieder kommt oder ob man etwas zurücklegen könnte, die ist eine zusätzliche Belastung. Sind die Straßen draußen auch leer. Im Laden tummelt es sich, als wäre es Wochenende und jeder kauft ein. Vor der Begrenzung der Menschen im Laden, wurde gekauft, als gäbe es kein Morgen.

Unsere Kassierer haben so etwas wie Spuckschutz, tragen Handschuhe und der Eine oder Andere auch einen Mundschutz. Oft aber wird sogar der Finger abgeleckt, bevor man einen Geldschein herausholt und weiter gibt. In solchen Zeiten wirklich ein Unding. Wir arbeiten alle mehr Stunden als wir müssen. Und trotz der schwierigen Zeiten behalten wir uns unseren Humor. Anders geht es auch nicht.

Viele Kunden verstehen die Lage. Beschweren sich nicht. Kaufen still ein und gehen auf Abstand. Mancher sogar schenkt dem Personal etwas. Wie Pralinen oder Kaffepads. Das erwärmt einem das Herz. Viele bedanken sich einfach nur und das ist nicht weniger schön. Auch der Arbeitgeber schafft Erleichterung, in dem Aufgaben wegfallen. Zusätzliches Personal im Schnellverfahren eingestellt werden kann. Der Vorrat an Desinfektionsmitteln, Handschuhen, Handseife sicher gestellt wird für das Personal. Alle haben es im Moment nicht leicht. Aber niemand lässt es sich anmerken. Mit Elan gehen sie an den Job. Mit Humor nehmen sie jede Situation. Und auch der Marktleiter hat für jede Möglichkeit eine Lösung parat. Ich bin stellv. Filialleiter, Erstvertretung und bekomme das aus erster Hand mit. Selbst der Bezirksleiter sitzt nicht im Büro, sondern packt mit an beim Ware verräumen.

Ich muss sagen, wir haben es im Moment nicht leicht. Vielleicht sogar schwer in dieser Ausnahmesituation. Aber wie es im Großen und Ganzen läuft, ist eine sehr schöne Erfahrung, trotz der Umstände. Sicher gibt es die Ausreißer. Aber die sollte man nicht in den Vordergrund dieser Erfahrung stellen. Denn es ist das Gesamtbild, das zählt. Und wir sind Menschen, die Dinge für Menschen wieder tun. Das vergisst auch so keiner. Es macht Spaß, im Moment zu arbeiten, trotz der Mehr Belastung. Und ich tue es auch gerne, weiß ich doch wofür ich es mache. Ich leiste meinen Part in der Gesellschaft, der im Moment an Wertigkeit gewonnen hat. Das tut auch einmal gut.

Im Kleinen, sind wir etwas zusammengewachsen. Jeder hat seine Aufgabe, seine Pflicht im Moment. Sei es, dass er zu Hause bleibt. Sei es, dass er seinen Job trotz der großen Anforderungen erfüllt. Vielleicht auch gerade Risiken. Aber wir sind Menschen für Menschen. Und was wir jetzt zeigen, das prägt vielleicht die Zukunft unserer Gesellschaft. Wir werden uns an diese Krise erinnern, wenn sie überstanden ist. Wie wir, wie Andere sich verhalten haben. Ich z.B. habe gestern erst einer älteren Frau den Einkauf in die erste Etage getragen. Sie sprach mich auf der Straße an und fragte, ob ich ihr helfen könne. Natürlich machte ich dies auch gerne. Wir müssen für einander einstehen. Soziale Nähe zeigen vs körperlichem Abstand. Niemand muss in dieser schweren Zeit sozial alleine sein. Wenn wir schon distanziert zueinander leben müssen, uns meiden müssen schon fast, da können wir auch mal ein großes Herz an den Tag legen. Das ist es, was ich im Moment erfahre. Im Großen und Ganzen betrachtet.

Bleiben Sie gesund !!!

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