Corona Erfahrung – Artikelrationierung/Hamsterkäufe/Einkaufswagenpflicht

Ich arbeite im Einzelhandel und habe die Entwicklung der Toilettenpapierverkäufe aus erster Hand mit erlebt. Bevor die Krise hier in Deutschland, hier auch in Düsseldorf so richtig los ging, wurde noch normal gekauft. Dann spitze sich die Lage in anderen Ländern zu und plötzlich gingen die Verkäufe an allen haltbaren Lebensmitteln rapide in die Höhe. Eintöpfe, Fertigsuppen, Nudeln, Konserven und auch das allseits geschätzte Toilettenpapier. Innerhalb kürzester Zeit waren wir an allem leergelaufen. Und da niemand auf diesen Ansturm, auf diese Hamsterkäufementalität, wenn man es denn so nennen will, vorbereitet war, dauerte es auch etwas, bis gewisse Dinge wieder nachgeliefert werden konnten. Aber die Verkäufe hielten weiter an. Gefragte Artikel, wie Mehl und Hefe, da gab es Lieferengpässe, so dass die Kunden darauf warten mussten. Toilettenpapier wurde zu Hauf nachgeliefert, war aber immer innerhalb kürzester Zeit verkauft. Deswegen mussten die Einzelhandelläden dazu übergehen, die Artikel zu rationieren. Denn auch wenn Umsatz wichtig ist, ist es nicht zu vernachlässigen, dass auch alle Kunden etwas abbekommen. Denn jeder braucht etwas und es ist nur fair, dafür zu sorgen, dass auch jeder Kunde etwas abbekommt. So haben, hatten, die Läden keine Wahl, als zu rationieren.

Viele Kunden verstehen das. Und legen auch ohne Murren das Toilettenpapier oder Mehl zurück, wenn man es ihnen plausibel erklärt. Denn im Grunde ist niemand egoistisch oder will es sein. Verständnis ist auf jeden Fall da.

Dann kam die Regelung dazu, dass sich nur eine bestimmte Anzahl an Kunden im Laden aufhalten dürfen, je nach qm Zahl. Damit der geforderte Mindestabstand eingehalten werden kann und niemand sich unfreiwillig ansteckt oder jemanden Anderen infiziert. Das führte zu einer Einkaufswagenpflicht. Etwas, was die Wenigsten Kunden auf Anhieb verstehen. Denn Erstens kann man mit dem Einkaufswagen dafür sorgen, dass Abstand eingehalten wird. Und zweitens sind die Einkaufswagen limitiert auf die Anzahl der Kunden die maximal im Laden sein dürfen. Ist kein Einkaufswagen mehr da, so darf man den Laden nicht betreten und muss auf einen Freien warten. Andere Läden arbeiten mit Doorman, Security, die die Kunden zählt und rein oder raus lässt. Jede Kette hat da ihre eigene Vorgehensweise.

Die Einkaufswagenpflicht ist schwer durchzusetzen. Jeder zweite diskutiert mit Einem, da er ja nur ein paar Teile habe. Erklärt man ihm dann das warum, so verstehen es die Meisten. Und dennoch ist es eine Mühsal, jeden Kunden erneut anzusprechen, obwohl es am Eingang und an allen möglichen Stellen fest und offensichtlich angeprangert wird. Was will man da schon machen.

Der Kunde ist so in seiner eigenen Welt. Der komplette Alltag wurde umgestellt. Plötzlich wird man in seinen Rechten beschnitten. Und man muss vorsichtig, ängstlich schon fast, Abstand zu jedem Menschen halten. Panik und Angst herrschen vor. Jeder Zweite ist angespannt, denn niemand will sich anstecken. Bei einem Huster oder Nießer einer Person, geht man auf Abstand oder desinfiziert sich direkt. So sieht es in der Praxis aus. Man will nur schnell im nächsten Discounter etwas einkaufen. Achtet nicht auf Hinweisschilder und wird dann noch vom Personal angesprochen. Wieder eine Neuerung. Wieder eine Veränderung im Alltag. Ich persönlich verstehe das nur zu gut.

Wir haben es alle im Moment nicht leicht. Ob wir im Einzelhandel arbeiten, Kunde sind, freigestellt sind. Polizist, Feuerwehrmann, Sanitäter, Altenpfleger, Postbote, Müllabfuhr und was nicht Alles. Wir alle tragen unser Päckchen. Unsere extra Last in diesen schweren Zeiten. Und wir wissen nicht, was da noch auf uns zukommen mag. Wir müssen zusammenhalten. Und vor allem mit Verständnis und auch gegenseiter Rücksicht miteinander umgehen, uns begegnen. Nur gemeinsam als soziale Gesellschaft, stehen wir diese Krise durch. Ab und zu werde ich davon berichten. Denn in Zukunft, wenn dann endlich mal alles überstanden ist, dann kann ich und auch Andere drauf zurückblicken, was wir gemeinsam geschafft haben. Als eine Gesellschaft, die nicht nur an sich selber, sondern auch an den Nächsten gedacht hat.

 

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