15:54 Uhr – Die Eigenverantwortung von psychisch Kranken – Psychiatrie Tagebuch

 

Wir wachsen mit den Aufgaben. So ist es normalerweise. Eine psychische Krankheit nun, die wehrt sich auf ihre eigene Weise dagegen. Der normale Verstand sagt uns, das bekommen wir alleine in den Griff. Die Krankheit dagegen lacht sich ins Fäustchen und schickt Symptome, Angstzustände, Panikattacken, vielleicht auch nur Herzrasen und Schweißausbruch. Natürlich muss man sich jetzt nicht immerzu beobachten und darauf warten, dass eines oder auch keines erscheint. Aber es ist ein steiler Grad zwischen der Macht der Krankheit und in wie weit man es selber in den Griff bekommt, bekommen sollte. Man kann sich jetzt nicht einfach zurücklehnen und sagen, das ist alles Krankheit, dafür kann ich nichts. Ich trage keine Verantwortung mehr und alles was passiert fällt unter den Bereich der Fremdeinwirkung. Andererseits muss man auch nicht versuchen, alles alleine zu schaffen, den Helden zu spielen oder gar alles mit sich selber ausmachen.

Es ist schwer, abzuschätzen, in wie weit man selber für sich und seine Gesundheit die Verantwortung trägt. Natürlich ist man eigenverantwortlich, für Taten und manchmal auch Gedanken. Aber die psychische Krankheit schlängelt sich dazwischen und versucht die normale Gesetzmäßigkeit auszuhebeln. In dem sie z.B. einfach die Gedanken beeinflusst, Gedankenmuster einimpft oder Verhalten auch wie automatisch antrainiert. Die Gefühlswelt nun ist sogar ein Kosmos für sich. Denn eine kranke Psyche kann zu jeder Zeit fühlen, was die Krankheit will. Und als Erkrankter nun, ist es ungemein schwer herauszufinden, was ist normal, was eine Reaktion auf Umstände, die man nicht beeinflussen kann und was eben kommt von der Krankheit.

Im Grunde genommen ist es auch nicht immer 100 % von Bedeutung. Wenn man Ärger und Aggressionen fühlt, dann ist es erst einmal egal, woher sie kommen. Man muss mit ihnen umgehen und sie gekonnt in die richtigen Bahnen lenken. Betreibt man Ursachenforschung, z.B. in der Psychotherapie, dann kann man eine Analyse betreiben. Aber im normalen Alltag ist der Ursprung von Gedanken vielleicht auch Gefühlen, mit Nichten so wichtig. Man muss einfach mit ihnen richtig umgehen lernen und es ist egal, was da auch immer erwachen, aufkommen oder Bilder schicken sollte. Das ist eine Verantwortung, vor der sich auch ein psychisch Kranker nicht drücken kann.

Alles auf die Krankheit zu schieben und zu sagen, man kann ja nicht und man hat es ja so schwer, manövriert einen in die Opferrolle. In der man sich schön zurücklehnen kann und jedwede Eigenverantwortung einfach abgibt. Man verstehe mich nicht falsch. Ich spreche jetzt nicht von akut Fällen, die zwischen Realität und Einbildung nicht unterscheiden können. Bei solchen kann man nicht von Verantwortung sprechen und mit Sicherheit sind sie manchmal auch gegen ihren Willen in einer geschlossenen Einrichtung besser aufgehoben. Es kommt immer darauf an, wie weit abgetrieben man ist. Wie viel Kontrolle man über seinen bewussten Verstand hat. Aber ab einem bestimmten Punkt muss man entscheiden, in z.B. einer psychiatrischen Behandlung, wann der Patient die Eigenverantwortung auch gerade über seine Krankheit übernehmen kann.

Lange Rede, kurzer Sinn in meine eigene kleine Welt. Ich habe Schlenker um Schlenker gemacht und Theorie und These geformt, nur um zu sagen, dass ich gemeinsam mit dem Arzt heute in der Visite über die Entlassung gesprochen habe. Und dass ich bereit bin, oben genannte Verantwortung wieder für mich selber zu übernehmen. Den Punkt zu finden ab dem man so starten kann, ist manchmal sehr schwierig. Wann besteht die Gefahr der Hospitalisierung? Wann ist es vielleicht noch zu früh? Ich persönlich werde in ein paar Tagen entlassen und muss mein Leben, meinen Alltag wieder selber gestalten. Genau so, wie ich es auch selber wirklich will. Es herrschen noch gemischte Gefühle vor. Auf eine Weise bin ich sehr gespannt und freue mich darauf und andererseits ist auch noch etwas Unsicherheit da. Werde ich es alleine alles schaffen? Ich meine, ich habe meine Psychiaterin, ich habe eine Psychologin und ich wende mich an die Tagesklinik. Also habe ich wirklich jede Hilfe, die ich brauche, brauchen könnte. Und doch, wenn ich ehrlich bin, wie ich es mir für meine Artikel so vorgenommen habe, dann besteht eine Rest Unsicherheit. Ich war lange Zeit in einem geschütztem Rahmen. An die 6 Wochen. Und da ist es natürlich wieder eine Umgewöhnung, die freie Welt zu betreten. Und auch wenn ich mal sage, dass ich unbedingt da raus will, so ist dies natürlich auch antiautoritäres Verhalten gegen die strengen Regeln einer Klinik. Im Ausgang schnuppere ich die Freiheit und will natürlich mehr davon. Bin aber andererseits auch damit zufrieden, einen ruhigen geschützten Rahmen noch zu haben. Wenn ich mich jetzt einfach mal selber analysiere. 🙂 Auf jeden Fall werde ich jetzt bald entlassen und betrete wieder die freie Welt. Abwarten, was dann noch kommen mag.

Incoming search terms:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Translate »